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Türkei: Quer durch Anatolien zur Ägäis

21. Mai 2019

Kapiköy Grenzübergang Iran – Türkei:
Ich stehe hinter dem Schlagbaum auf türkischem Boden und warte auf Achim, der gerade einen Drogen Spürhund im Wombat davon überzeugt, dass das, was er angezeigt hat lediglich mein Beruhigungstee ist.

Wir sind in der Türkei angekommen!

Völlig ungewohnt: Ein kurzes Stück weiter an einem kleinen See und niemand möchte ein Foto von uns machen. Außerdem fühle ich mich zunächst nackt, so ohne „Hut“ auf dem Kopf. Was sich aber schnell legt. Im Sonnenuntergang sitzen wir vor dem See, den Wind in den Haaren und sehen den Hunden zu, wie sie ihre alten Bekannten, die Kangals begrüßen.

Wir erreichen Van.
Eigentlich ist die Stadt hier berühmt für ihre Van-Katzen: Weiß, wuschelig, typischer weise mit einem gelben und einem blauen Auge ausgestattet.
Mit Hunden allerdings, kennt man sich auch aus.

Der Fall Gizmo:

Auf der Suche nach einem Tierarzt landen wir in der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität.
Und bringen unser Anliegen vor: Die fragliche Diagnose der iranischen Tierärzte, welche Herzwurmlarven im Blut festgestellt haben wollen. Den Kampf um einen Antigen Test hatte ich im Iran, letztendlich mit blanken Nerven, verloren.
So beschäftigen sich hier an der Uni gleich mehrere Doktoren, angehende Doktoren und Professoren mit dem Fall Gizmo.
Kurz und gut: Anamnese, Untersuchung, Röntgen, Antigentest, Mikroskopie, alles zum Wohle der Studenten, die scharenweise um uns herum stehen.
Halleluja: Entwarnung! Der Antigentest, doppelt abgesichert ist negativ!
Man schließt Herzwürmer aus, im Iran habe man wohl Fussel diagnostiziert und das komplette Team führt uns am Ende noch durch die gesamte Anlage mit Kühen, Schafen, Katzen und anderem Getier.

Erleichterung.
So eine Erleichterung, dass wir fröhlich und entspannt drei Tage am Van See stehen bleiben.

Ich nötige den stinke faulen, als gesund deklarierten alten Ridgeback zu körperlicher Bewegung am Vormittag.

Wir siedeln um an die Spitze der Halbinsel mit Blick auf ein altes Kloster auf der vorgelagerten Insel.

Am Ende des Bootstegs hat man etwas mehr Ruhe vor den lästigen Wadenstechern. Die Wombats entwickeln mittlerweile neurotische Symptome bei Summ-Geräuschen. Selbst Pepes, schier unerschöpfliche Lebensfreude schlägt so langsam um.
Diese Population an fliegenden Vampiren sollte zum Glücke aller die letzte sein, welche wir antreffen.

Ein Stellplatz am südlichen Ufer des Van Sees:

Auf abendlicher Holzsuche für das Lagerfeuer:

Der Nemrut Krater westlich des Van Sees:
Auf dem Satellitenbild erkennt man es gut: Hier hat sich früher das Erdinnere entleert, ein riesiger Vulkankrater. Aber wenn man hier so nah steht, erfasst man das kaum.

Ende Mai und die Schneemassen versperren noch immer die Straße hinunter in das Kratergebiet. Wir bleiben oben, am „Kraterrand“ stehen mit einem gigantischen Ausblick Richtung Osten:

.. und erkunden das Naturschutzgebiet mit Füßen, Pfoten und E-bike.

Hier unten gäbe es traumhafte Stellplätze:

Es wird heiß in den Bergen. Für Wombat-Verhältnisse zügig, also um die 150 Kilometer pro Tag, fahren wir Richtung Westen. Kappadokien steht auf dem Plan und irgendwie kratze ich mich am Kopf, wo die Zeit wohl geblieben ist. Sind wir schon wieder zu spät dran für einen genussvollen Besuch ohne Hitze zu den tausenden von bunten Heißluftballons im Himmel?

Bis zur Mittagszeit kommen wir meistens zum Stehen, irgendwie immer am kühlen Nass, einen See oder Bach in Reichweite.

Durch Palu…

… an den Murat See, unter Maulbeerbäumen:

Meine verheißungsvolle Vorstellung mit dem Eintritt in die Türkei:
Ein eiskaltes Bier mit dicker Schaumkrone, in vor Kälte beschlagenem Glas.
Achim hingegen ist auf Kebab Suche. Verzweifelt steht er vor den verwaisten Imbiss-Buden und Restaurants. Alle Suche vergeblich.
Zwei Tatsachen sprechen gegen unsere Gelüste:
Noch sind wir in Ost Anatolien und zudem:
Es ist Ramadan!
So stehe ich in einer größeren Stadt, bin unter den Einheimischen sowieso schon „grün“ mit meinem blonden Pferdeschwanz, dem T-Shirt und der knöchelfreien Hose und erkundige mich schüchtern nach Efes. Welche Blicke ich erntete, dürfte man erahnen!
Wo sind sie denn die vielen Menschen, die sich auf mich stürzen und Hilfe leisten in jeder Notlage?

Letzter Badestopp vor Kappadokien:

Und schließlich erreichen wir die touristischste Attraktion Anatoliens:

Kappadokien.

Die Landschaft hier soll vor etwa 30 Millionen Jahren entstanden sein. Die Asche von gewaltigen Vulkanausbrüchen wurde zum Tuff. Durch Regen, Wind und Temperaturschwankungen entstanden im Laufe der Zeit unterschiedliche Formen im Stein. Zipfelmützen, Hüte aus Basalt, Kamine. Der Legende nach sollten hier Feen hausen. Schon früh haben hier Menschen zum Schutz vor Angreifern in den weichen Stein Höhlen geschlagen. Eine bizarre Landschaft. Beim Durchwandern fühlt man sich wie in einem Märchenland.

Die ersten drei Tage verbringen wir frei stehend, an verschiedenen Plätzen. Zunächst auf einem Plateau unweit des „Red Valleys“.  
So schön hatten wir uns das nicht vorgestellt!
Ein grandioser Ausblick!

Eine typische Situation für mich: Auf der Suche nach einer Abkürzung zum „Red Valley“ verirrt sich eine Blondine mit ihrem wuselnden Pinscher und steht schließlich kreischend und panisch auf den Nachbarhügeln. Spitze Kuppen aus Tuff Gestein, nur noch steile Abhänge um mich herum.

 „Aaaaaachim! Wie bin ich denn hier hoch gekommen? Wie komme ich da wieder runter??“
Obligatorische Antwort von Achim, er brüllt zurück: „Weiß‘ nicht!“

Hierhin finden wir schließlich den Weg..

.. und auch wieder hinauf, jedoch nicht auf die Spürnase des chaotischen Pinschers zurück zu führen.

Am Abend, in der Kühle machen wir uns auf den Weg Richtung Kaya Camping.
Es führen unzählige Wanderwege durch das Tuff Gestein und die Höhlenbauten. Man fühlt sich, wie im Land der Elfen und Zwerge wandelnd. Und manchmal könnte man glatt erwarten, dass ein Tupfenhutschlunz aus seiner Felsenwohnung über die Türschwelle tritt….

Angekommen auf dem Caya Campingplatz:
Wir sitzen auf dem Mäuerchen des wirklich schönen Areals und blicken auf die geordnete Platzzuweisung, die parallel ausgerichteten Zelte und Wohnwägen und auf Menschen, die vom Dusch-Haus kommend mit Frotteemänteln bestückt kreuz und quer laufen.

„Ich glaube, wir sind verwildert. Ich will das nicht mehr.“
„Ich auch nicht.“
Wir sind uns mal wieder einig und begeben uns zurück auf unser Plateau.

Das aber erst, nachdem ich auf meine vorsichtige Frage nach einem Bier eine herzerfrischende Antwort bekomme: „Yes! Of course!“
Ein Efes, 0,3 Liter, eiskalt steht kurz darauf neben mir auf dem Mäuerchen.
Drei Flaschen kommen in den Rucksack. Man weiß ja nie.
Und wir trudeln zum Wombat zurück. Ich fühle mich Sturz betrunken!

Der Schlaf hätte nicht tiefer sein können da geht das Spektakel los, um 5 Uhr morgens: Hunderte von bunten Heißlustballons ziehen majestätisch über uns hinweg. So manch einer kommt direkt hinter uns aus der Schlucht nach oben. Es zischt über den großen Gondeln, besetzt mit jeweils zehn bis zwanzig Touristen, höchstwahrscheinlich chinesischer Herkunft.
Ein Gefühl, das man wohl nie vergessen wird.

Gizmos gewöhnlicher Enthusiasmus für alles im Himmel, vom Heißluftballon bis zum Vollmond, hält sich in Grenzen.
Fangversuche unterbleiben ausnahmsweise. Das sind einfach zu viele. Er geht wieder ins Bett.

Pepes einzigartiges Erlebnis:

Zum Wohle des Menschen, zum Leid der Fotoqualität ist es am Abend bewölkt. Wir wandern bei angenehmen Temperaturen durch Red – und Rose Valley.

Wir siedeln um. Den dritten Tag verbringen wir am Rande des Love Valleys.

Fragen wir uns zunächst, warum es wohl so heißt, wird das bald sonnen klar:
Am Abend werden wir Zeuge eines Heiratsantrags auf unserem „Balkon“.

Und am folgenden Morgen tummeln sich Fotografen und Brautpaare im Sonnenaufgang:

Ab 4 Uhr 30 am Morgen bricht hier für die nächsten Stunden der Fotografie-Wahn aus.  Mitunter wirkt das Brautpaar äußerst verschlafen 😉
Komischerweise fliegt kein einziger Ballon an diesem Morgen.

Mit den Hunden durchwandere ich das Love Valley am kühlen Abend, am Ende desselbigen parkt Achim das Wombat und wartet auf mich.
Die Ballonflüge am nächsten Morgen erzeugen wieder Gänsehaut. Die Perspektive von unten, mal ganz anders.

Zu diesem Zeitpunkt schlafen noch alle außer Achim:

Langsam füllt sich die Luft in den Ballons hinter der Bergkuppe und kurze Zeit später ist der Himmel wieder voll.

Gizmo und Pepe geben alles an diesem Morgen. Nach zwei Stunden auf Achse schlafen die beiden den ganzen Tag durch.
Zeitweise ist es auch äußerst unverschämt, wie nah die winkenden Chinesen kommen:

Tja, Und wo landen wir schließlich doch?

Auf dem Kaya Campingplatz mit dem eiskalten Efes Bier und den Frotteemänteln.
Eigentlich nur weil unsere Batterien einmal wieder aufgeladen werden müssten. Und dann gefällt es uns dort so gut, dass wir zwei Nächte bleiben. Unter unserem Schattenplatz, den Pool in Sichtweite und die Wanderwege vor der Haustüre beginnend.

Kommen wir nicht nach Indien, kommt Indien zu uns. Wir treffen eine nette Inderin mit Wanderlust. Achim zum Glück mit dem E-Bike unterwegs 😉

Eine Pfälzer-Wald-Hütte ist ein Dreck gegen diese Rastplätze:

Mir fehlen hier die Worte, was man so für die Touristen häkelt…. :

Kappadokien war wirklich ein Highlight auf unserer Reise.

Wir ziehen völlig entspannt und voller toller Eindrücke weiter. Zum Glück so gut erholt, denn so etwas bringt uns nicht mehr aus der Fassung:

Achim darf man einfach nicht alleine lassen…

So?

Oder lieber so?

In jedem Falle keine großen Worte mehr. Ein Trecker musste mal wieder her halten.
Da wir mittlerweile geübt sind in solchen Dingen, stehen wir schon bald so da:

Tja. Und nun wartet Ankara.
Die überbesorgte Hundehalterin hat einen ordentlichen Knall. Aber schließlich gibt es auch falsch negative Schnelltests und der Herzwurm lässt mir keine Ruhe.
Wir haben ein Termin bei einer Herz-Expertin für Hunde und quälen uns durch Ankara.
Die Echokardiografie zeigt gähnende Leere in den Ventrikeln.

Spätestens jetzt ist die mit dem Knall hundertprozentig beruhigt.
Unweit von Ankara landen wir am späten Nachmittag an einem See und kurze Zeit später liegt Achim müde im Bett und murmelt:
„Also haben wir keinen Herzwurm.
Leishmaniose haben wir auch nicht.
Was gibt’s denn sonst noch?“
Und schläft erschöpft ein.

„Das alles wegen mir?“

Wir gammeln und „arbeiten“ zwei Tage unter blühenden Königskerzen.

Oftmals ist es besser, abseits der Seen zu parken….

Der vermeintlich Todgeweihte stürzt sich in die Fluten zum Verfolgen von Enten. Seinem Alter entsprechend macht eine Kehrtwende in der Mitte des Sees.
Wir schütteln nur die Köpfe denn sämtliche Versuche in den letzten Monaten, den Sturkopf für eine Abkühlung ins Wasser zu locken blieben absolut erfolglos. Und dabei sind die Temperaturen heute moderat.

Eine Gewitterfront zieht durch:

Wir verabschieden uns von unserem Teilzeit-Kangal und hoffen, unsere Fütterung hat ihm ein Kilo Fleisch auf den Rippen eingebracht.

Zwischenstation: Vogelwarte.
Die Gebiete mit ihren Seen in der Osttürkei sind Stationen für viele Zugvögel, welche zwischen den nördlicheren europäischen Ländern und südlichen Gefilden „pendeln“. Bekannt ist diese Stelle hier für ihr Massenaufkommen an Kranichen.

Hinter Cayirhan finden wir einen Stellplatz zum Baden.
Eine Gewitterfront jagd die andere. Ständig wechseln Schwüle und Sturm, knallende Sonne und Regengüsse.

Die abgekühlten Perioden eignen sich bestens zum Fahren durch die ach so breite Türkei…

Wir fahren durch Regionen und sagen: „Das sieht aus wie im Kraichgau.“ Bis hin zu „das sieht aus wie im Schwarzwald“.

Zum Iznik See. Diesmal die Südseite. Wir werden schließlich fündig in einem Gebiet voller Wochenendhäuser, Landwirtschaft und Treckern, endlosen Olivenhainen und einer tollen Natur.
Wenn da nicht wäre…..
Wir sammeln zwei Plastiksäcke Unrat auf, schippen Sand auf die müffelnden Feuerstellen, an denen Plastik und co verbrannt wurde, sehen schließlich aufs Wasser und fragen uns, warum das hier niemanden stört außer uns…..

Es wird trotzdem schön hier. Wir lernen viele liebe türkische Familien kennen, machen lange Streifzüge mit den Hunden am See entlang  und essen das beste Brot seit Jahren:

Achims Worte: „Am Marmara Meer ist es windig und angenehm.“
Und da war sie wieder, die Vorstellung von einem Platz. In den Dünen, zum Baden, hinter einem grünen Naturschutzgebiet. Bei Bayramdere also dahin, zu unseren Dünen ans Meer.
Ich mache es kurz: Blankes Entsetzen, Google-Earth zeigt keinen Müll und hat keine Nase.

Das Naturschutzgebiet dahinter jedoch: Ein Traum. Man fühlt sich wie Tarzan und Jane.

Urwald, Seerosen, Schilf, Grün und kein einziger Krümel Plastik!!

Neben uns ein Camp, das unlängst herhalten musste für einen Film mit Eingeborenen….

Die Betreiber trinken mit uns Kaffee vor dem Wombat und schütteln selbst den Kopf über die massive Verschmutzung des Marmara Meeres. Das alles käme von Istanbul, so erklärt man uns und drückt seine Zigarette tatsächlich in Achims Aschenbecher aus!

Mit zwei zoologischen Besonderheiten hat man es hier zu tun in der Wildnis:

Allgegenwärtig die mühevolle Entsorgung von Kuh-Kacke.
Wohlgemerkt im Rückwärtsgang:

Sind die Rinder hier etwas Besonderes? Wir können kein Türkisch lesen.

In jedem Falle beginnt unser Spaziergang durch die kauenden Huftiere zunächst ganz lässig, endet jedoch mit einer rennenden, aufgeschreckten Herde. In einer Staubwolke.
Auf uns zu, oder entlang?
So schnell habe ich Achim noch nie springen sehen. In die Büsche.
Selbstverständlich kam Niemand zu Schaden…

„Meinst Du, dass hier Touristen schon mal von einer wilden Herde nieder getrampelt wurden?“ frage ich.
Achim: „Nein. Wenn, dann nur wir!“

Restaurierung:

Entlang des Marmara Meeres….
Es bedarf schon viel, um Ekel bei uns auszulösen.
„Einfach weggucken“ war immer unser Motto bei all den Umweltsünden, denen wir auf unserer gesamten Reise begegnet sind.
Der Zustand des Marmara Meeres hat uns jedoch so erschüttert, dass wir es nun doch erwähnen. So sehr wir die Mentalität und Herzlichkeit der türkischen Bevölkerung mögen, es ist uns völlig unverständlich, dass sich Menschenmassen zwischen all dem Unrat, Plastikmüll und den „verkackten“ Windeln wohl fühlen mit ihren Sonnenschirmen und Teekochern.
Und sich mit Pool-Nudeln in die stinkende Brühe werfen.

Jahrzehntelang hat man hier sämtlichen Müll ALLER Istanbuler einfach im Meer versenkt….
Ich frage mich, ob das Marmara Meer nicht schon umgekippt ist und sehe erstaunt den Fischerbooten zu, die hier anscheinend noch etwas fangen….

In Canakkale überqueren wir mit der Fähre die Dardanellen Meeresenge.
Etwas moderner als Alexander der Große, der den Hellespont überschritt….

Wegen ihrer strategischen Lage war diese Region in der Geschichte schon immer stark umkämpft. Zuletzt im ersten Weltkrieg verloren tausende Soldaten ihr Leben und die vielen Kriegsgräber und Festungen erinnern.

Wir überqueren die Halbinsel Gallipoli und landen nach unserem Umwelt-Schock im Paradies:

Die Ägäische Küste.
Da stehen wir am Strand bei Kabatepe, klares, türkisblaues Meer, ein Kiefernwald OHNE einen Schnipsel Müll, schreien Hosianna und stürzen uns in die Fluten!

Blick auf Gökceada: Da wollen wir hin!

Übernachten ist hier leider nicht erlaubt, da es sich um einen historischen Platz handelt und wir tuckern nach Aufforderung die paar Meter zum Hafen, wo die morgendliche Fähre auf uns wartet.

Ein Rudel Hunde sorgt für kommunikativen Austausch, wir genießen eine tolle abendliche Hafenatmosphäre und haben einen persönlichen „Wecker“, der morgens um 6 Uhr an die Türe klopft da die Fähre startklar sei. Auch nicht schlecht.

Morgensonne auf der Fähre:

Am Morgen des 22. Junis erreichen wir Gökceada. Vor 1923 zu Griechenland gehörig. Schauplatz türkisch-griechischer Konflikte aber auch Zusammenlebens.

Und was haben wir da wieder? Kaum wird es etwas griechisch: Ziegen! Überall!!
Bei Gizmo macht es „Klick“ im Kopf. Kein Kangal. Keine Bewachung durch Hütehunde. Die tristen wieder ihr Dasein an der Kette.
Ab geht die Post!
Das Grauen beginnt wieder 😉

Wir erreichen den Kite Strand. Frei, unkompliziert und windreich. Die ersten zwei Tage friedlich mit Flaute bis mäßigem Wind.

Die Umgebung erinnert etwas an Irland, allerdings ohne Regen:

Und dann stürmt es wie von Sinnen. Man erwacht morgens: „Es juckt so komisch“. Der Kopf ist paniert, die Nase verstopft…

Ein „Wave Spot“ und ich mache meinem Namen alle Ehre. Das Weichei guckt erst mal zu. Muskelmänner mit 7 Quadratmetern Kite Größe auf dem Wasser…….
Man sagt: Wer hier kiten kann, kann es an 95% aller anderen Kite Spots. Wie tröstlich.
Ich werde mich mal langsam da dran wagen….

Dieser Platz ist ein Geheimtipp der Rumänen und Bulgaren. Die haben es nicht weit, selbst für einen Wochenendtripp.
Wir lernen wirklich tolle Menschen kennen.

Auch einen der besten Kiter Osteuropas. Sherban landet mal eben einfach so auf unserem Dach und sagt Hallo:

Hier werden wir länger verweilen. Bis Mitte August.
Andreas mit seinem Mercedes Truck wird uns besuchen. Und auch Micha mit Whippet Paul, die mit uns vor zwei Jahren auf Kreta überwintert hatten.  Auf die beiden freuen wir uns besonders.

Vielleicht lomme ich bis dahin mit dem Waschgang durch die Brandungswellen klar 😉

 

Durch die Türkei, entlang der Schwarzmeerküste Richtung Georgien:

10. August 2018

Der Wecker klingelt um 5 Uhr morgens. Wir haben eine lange Strecke vor uns. Bis Georgien sind es 1800 Kilometer. Unsre „Besuchserlaubnis“ in der Türkei endet am 2. September. Wir müssen uns auf den Weg machen. Auf Grund des desolaten Zustands unseres Fahrerkabinenklimas sehen wir von Fahrten durch die Mittagshitze ab und schälen uns aus dem Bett als gerade der erste Gesang des Muezzins ertönt.
Aufstehen vor Sonnenaufgang? Gizmo ist zu wirklich nichts zu gebrauchen um diese Uhrzeit. Man kann ihn förmlich denken hören: „Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?“

Das Klima im Auto ist dann doch tatsächlich besser als befürchtet. Vorwiegend mittig bläst die kühle Luft der neuen Klimaanlage in die Fahrerkabine und trifft dabei zuerst auf die Eminenz Gizmo. Sein komfortables Ausschlafen ist dadurch gewährleistet. Da draußen ein angenehmer, lebhafter Nord-West Wind pustet, bleibt die Temperatur beim Fahren unter der 30-Grad-Marke. Die neue Errungenschaft aus China gewinnt den Kampf. Na also!
Wir kommen weiter als gedacht. Mittags machen wir Siesta an einem für das türkische Volk so beliebten Picknick-Platz. Was wohl eine einmalige Angelegenheit war. Wir lernen daraus: Picknickplatz Türkei = Müll = Schmeißfliegen = Meiden!

Am Abend stehen wir idyllisch an einem kleinen Stausee vor Bursa.

Morgens weckt uns das Gebimmel der Glocken. Eine Schafsherde behütet von fünf imponierenden Kangals umringt unser Auto. Ein Mund mit einem verbliebenen Schneidezahn grüßt uns freundlich: der Hirte. Wir trinken Kaffee, die Schafe grasen unbekümmert, die Hundeverständigung scheint perfekt zu sein.

Am Ulubat See suchen wir uns ein kleines Dorf aus für einen ersten Stopp: Gölyazi.

 Eigentlich wollten wir hier nur kurz frühstücken und dann weiter ziehen. Aber….

Wir frühstücken unter einer 750 Jahre alten Platane mit Blick auf den See und wundern uns über die vielen bunten Allrad-Fahrzeuge, welche hier in diesem beschaulichen, konservativen Fischerdorf über das Kopfsteinpflaster knattern.

Mit Überrollbügeln, riesengroßen Reifen, röhrenden Auspuffen und mit Fahnen bestückt. Achim löst das Rätsel, kommt mit dem Veranstalter eines Offroad Events ins Gespräch: Einmal im Jahr trifft man sich hier zu einem Wettkampf auf einem Spielplatz für große Jungs: Ein Parcours über irrwitzige Hindernisse.

Achim freudestrahlend: „Die haben uns eingeladen! Wir gehören unbedingt dazu mit unserem Auto. So hat man gemeint. Da fahre ich mit durch den Parcours!“ Ich denke mir nur „So, so. Ob er da was falsch verstanden hat?“

Wir sind einmal wieder zur rechten Zeit am rechten Ort. Unglaublich!

Um die Mittagszeit knattert man über die fahnenbestückte Brücke für einen Willkommens Konvoi. Hintereinander geht es zu einem nahegelegenen Gelände, auf dem das Ganze stattfinden soll. Wie ein Elefant seinen Flöhen folgt das Wombat dem Pulk aus bunten Offroad-Fahrzeugen.

Wir verbringen zwei tolle Tage. Einfach unglaublich, welche Hindernisse hier bewältigt werden. In Zweierteams wird gestartet und  man hilft sich gegenseitig mit Winden und Gurten.

Mit bester Aussicht verfolgen wir das Spektakel:

Achim bekommt leider keine Startnummer. J

Trotzdem schüttele ich den Kopf. „Toller Sport….“ Am zweiten Tag sind die Hälfte der Autos mit geplatzten Kühlern und Getriebeschäden ausgeschieden. Einer blieb im Sumpfloch stecken und musste geborgen werden…. Aber die Männer hatten Spaß!!

Am Abend nach dem Spektakel kommen wir am Iznik See an für einen Übernachtungsstopp.

Iznik, bekannt für seine traditionelle Keramik aber auch mit interessanter Historie. Stadtmauer- und Theaterreste aus der Römerzeit und einige sehr alte Kirchen, in Moscheen umgebaut oder doch nicht..

Unter der Stadt soll sich ein „halbes Rom“ befinden erklärt uns eine Keramikkünstlerin:

Ob sich unsere Klimaanlage erst „einpusten“ musste? Keiner schwitzt, stöhnt oder hechelt auf der Weiterfahrt.  Wir landen am Abend an der Schwarzmeerküste.  Das alles auf den vierspurigen Schnellstraßen durch meist reizlose Gegenden. Eine Wonne ist das nicht.
Bis zum Schluss sind wir nicht sicher, ob wir früher oder später Richtung Küste abbiegen sollen. Unser Entschluss, schon ab Akcakoca am Schwarzen Meer Richtung Osten zu fahren ist dann doch ein völliger Fehlschuss. Dieses Stück „Schwarzmeer-Highway“ kann man sich getrost sparen. An der Küste angekommen wollen wir nur endlich irgendwo pausieren und übernachten. Nur Wo? Der vierspurige „Highway“ durch hässliche Städte und wir fahren und fahren und fahren……
Völlig genervt finden wir irgendwann eine Abfahrt mit Hinweis auf ein Camp im Grünen. Montag Ruhetag. Niemand da und wir nächtigen mit dem Blick auf die Asphaltbahn, die sich durch die Berge schlängelt.

Am nächsten Tag geht es ähnlich weiter bis Amasra. Dies soll das wohl schönste Städtchen der Schwarzmeerküste sein:

Wir kommen im Getümmel aus rosa Luftmatratzen und Riesen-Quietsche-Entchen an und unser Gemüt besänftigt sich nicht wirklich.
Letztendlich stehen wir am Ende der Hafenmole zwischen Anglern und nach einer Stunde Ruhepause sieht alles ganz anders aus: Es wird ein richtig schöner Tag. Viele in Deutschland wohnhafte Türken machen hier Urlaub bei ihrer Familie und wir haben viele nette Gespräche. Das Städtchen ist richtig schön, eingelagert zwischen zwei Buchten. Ein byzantinisches Seekastell.

Selbst Achim kraxelt mit auf die höchste Erhebung, der Wind pfeift uns um die Ohren und wir haben einen gigantischen Ausblick:

Auf Empfehlung landen wir in einem Fischlokal und essen göttlich zu kleinem Preis. Und man glaubt es kaum: Wir brauchen Jacken zum Überziehen!

Hinter Amasra ist Schluss mit vierspurigem Highway. Die alte Verbindungsstraße von West nach Ost schlängelt sich in Serpentinen und Kurven durch die Ursprünglichkeit dieser Region. Wunderschöne Aussichten auf die Küste und die Buchten, der Weg durch kleine Ortschaften und einen satt grünen Mischwald.

Ab und zu kann man den Bau der neuen Schnellstraße in der Ferne begutachten: Zum Wohle der Mobilität wühlt man sich hier durch das Erdreich, baut Tunnel und Brücken. Zum Glück nicht allzu nah am Wasser. Vielleicht hat man dazu gelernt….

Die landschaftliche Schönheit hat jedoch eine Kehrseite: Wir gurken hier auf schlechtem Asphalt mit tausenden von Kurven, hoch und wieder runter und wieder hoch und rechts und links…… Es ist für alle Beteiligten anstrengend und wir beschließen, die dreihundert Kilometer von Amasra nach Sinop auf zwei Tage zu verteilen. Aus zwei Tagen werden dann aber drei.

Haselnussbäume überall! Geerntet sind sie schon alle und liegen zum Trocknen aus:

Unser erster Stopp hinter Cide in Kuscu: Von oben sehen wir dort hinunter und sind uns einig: Da bleiben wir für den Rest des Tages!

Das Klima ist zum Aufatmen. Keine Hitze, angenehme Wärme und in der Nacht kühlt es ab.

Auch hier, wie fast überall wird das mühsame Suchen von Stellplätzen kompensiert durch die Gastfreundlichkeit der Einheimischen. Wir stehen am Strand und werden einmal wieder mit Lebensmitteln eingedeckt. Nein-Sagen ist vergleichbar mit absoluter Unhöflichkeit und so genießen wir Börek und die Tomaten aus dem eigenen Garten.

Nach gefühlten hunderttausend Kurven kommen wir nicht unwesentlich erschöpft und gut durchgeschüttelt wie das Getränk von James Bond in Sinop an. Hier ist etwa Halbzeit am Schwarzen Meer von West nach Ost. Die Stadt: überfüllt, touristisch und laut. Und irgendwie sehnen wir uns nach Ruhe. Also kommen wir westlich der Stadt auf einem Campingplatz zum Stehen: Marti Camping: „cok güzel“ – „sehr schön!“. Direkt am Strand, nicht voll, ein paar Bäume, Wiese mit Grill und Bänken. Und einer Gruppe wunderschöner türkischer Perlhühner, die hier herum picken.


Wir müssen grinsen: Mit unserer Erschöpfung sind wir nicht alleine. Einige ähnlich Reisende haben sich hier gesammelt, um sich von der letzten Etappe zu „erholen“ bevor es weiter Richtung Osten, durch den Iran nach Nepal geht oder sonst wo hin.
Wir beschließen, ein paar Tage hier zu bleiben, stellen das Wombat unter eine Kiefer und hoffen, dass alle Perlhühner am Leben bleiben.

Wir verbringen zwei Tage mit Planung unserer weiteren Reise, Austausch mit Anderen und Aufräumarbeiten. Der zerdellerte Staukasten am Heck landet nun doch auf dem Müll. Selbst bei unserem minimalistischen Leben kann (muss) man ausmisten.

Zwischendrin faul am Strand.

Aufruhr um uns herum: Ein Tornado! Ein Tornado! Wohin nur flüchten? Man sammelt sich einvernehmlich um unsern 14-Tonner. Der Luftwirbel hat sich dann aber wieder aufgelöst.

Nach drei Nächten verabschieden wir uns von den herzlichen Campingplatzbetreibern und den anderen Globetrottern. Das mit dem Perlhuhn hat Pepes Kumpel, ein streunender Beagle-Mix übernommen, was lediglich ein Grinsen des Hühnerhalters zur Folge hatte: „That’s nature!“

Auch wenn es anstrengend war dieses Stück Weg zwischen Amasra und Sinop und wir uns manchmal fragten, ob wir es nochmal so machen würden: Es hat sich gelohnt. Ist es wohl noch das letzte Stückchen türkische Schwarzmeerküste, welches seine Ursprünglichkeit bewahrt hat. Hinter Sinop nämlich beginnt die vierspurige Schnellstraße wieder. Und damit das eintönige Dahinbrummen durch weniger schöne Gegenden. Müssten wir das Land nicht in zwei Wochen verlassen, könnte man hier einen Abstecher nach dem anderen in die Berge machen. Wir bleiben aber in Küstennähe und heben uns die letzten Tage für die östlicheren Gegenden, das Kackar Gebirge auf, welches uns immer wieder empfohlen wird.

Hinter Samsuns Flugplatz finden wir ein kilometerlanges Strandstück zum Übernachten mit glücklichen Kühen als Begrüßungskomitee:

Könnte das hier schön sein, wenn der Mensch das Plastik nicht erfunden hätte…

Wie so oft fühlen wir uns auf dem abendlichen Spaziergang wie der Rattenfänger von Hameln. Irgendetwas muss es sein, was die Tierwelt an uns sympathisch findet. Es schließen sich immer irgendwelche Hunde-Kollegen an. Unser Rekord: Eine Traube von zwölf! Natürlich ernten wir dann immer unverständliche Blicke der einheimischen Bevölkerung. Bis hin zum Ärger wenn sich Interessensgruppen bilden und gemeinsam die Straßenkatzen auf Bäume gejagt werden. Heute schießen wir im wahrsten Sinne des Wortes den Vogel ab: Ein junger Esel fühlt sich wohl einsam, bereichert unsere Gruppe und reiht sich ein. Gizmo ist unschlüssig, ob er das tolerieren soll….

„Endlich mal was los hier!“

Es ist der 21. August. Vier Tage wird gefeiert hier in der Türkei: Opferfest. Die Straßen sind voll, die Familien treffen sich.
Wir schauen auf unseren Tachometer und feiern etwas anderes: Unsere vollendeten 10.000 Km seit Verlassen Deutschlands.

Auf unserem „Vier-Spur-Highway“ geht es weiter Richtung Osten. Idylle: Fehlanzeige! Stattdessen Hochhäuser und Hotelburgen. Die Schnellstraße führt direkt an der Küste entlang. Es wird im Hinterland immer grüner und bergiger, dafür die Städte an der Küste immer hässlicher. Wie viele idyllische Buchten und Städtchen hier wohl weichen mussten !?  Man könnte weinen.
Das Wetter gibt seinen Senf dazu: Es regnet.

 

 

 

 

 

 

Anfallsartig leide ich einmal wieder unter einer „Fahr-Koller-Attacke“ und hinter der Betonstadt Girsun biegt Achim in die Berge ab. Das heutige Fahrpensum erfüllt! Der königliche Navigator landet auf einem Feldweg, welcher auf einem Privatgrundstück endet. Ein älteres Ehepaar stürmt winkend von der Terrasse auf uns zu. Man redet auf uns ein in türkischer Sprache und zückt schließlich die Smartphones. Er: Videokonferenz mit Sohn in Glasgow. Sie: Mit Tochter in London. Wir bekommen jeweils ein Gerät in die Hand gedrückt und werden von den „Kindern“ auf Englisch willkommen geheißen. „We are so happy to meet you! Please stay over night in our garden. Are you hungry?“ So schallt es aus beiden Telefonen.
Ein Entkommen ist zwecklos und absolut unhöflich und so parken wir zwischen unzähligen Haselnussbäumen, trinken zusammen Chai und unterhalten uns mit Händen und Füßen. Wir versuchen es zumindest!

Richtung Trabzon geht es am nächsten Morgen weiter: Eine Stadt hässlicher als die andere. Man sollte es kaum glauben aber man findet wirklich keinen, aber auch wirklich gar keinen halbwegs angenehmen Platz für eine Pause. Über hunderte von Kilometer hinweg. Mit Ardesen erreichen wir schließlich den Ort, an dem es in die ersehnten Berge geht. Und wir freuen uns auf etwas Schönes, auf grüne Natur und Stille. So oft hat man uns diese Gegend ans Herz gelegt: „Da müsst Ihr unbedingt hin“. Das Pontische Gebirge, auch genannt Kackar Gebirge nach armenischer Namensgebung.

Tja: Feiertage und Ferienzeit. Halb Istanbul scheint durch diese Straße hinauf zu den tollen Bergen zu rollen. Nach der zehnten Rafting-Station wird uns klar: Wir sind zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort! Das natürlich ironisch gemeint. Ein Auto nach dem Anderen, Stau und die Laune auf dem Tiefpunkt. Obwohl es hier wirklich schön ist.

Die kleine Straße entlang des Gebirgsflusses Firtina erreichen wir Camlihemsin. Ja, es ist wirklich entzückend hier, so wie alle geschwärmt haben. Wenn da nicht die Menschenmassen wären. Vergeblich versuchen wedelnde Polizistenarme das Chaos in den Griff zu bekommen.

Kurz vor der Resignation und unserem Entschluss, wieder umzukehren kommt ein Lichtlein: Ein Einheimischer: „Nein. Ihr dürft nicht umkehren. Es ist so herrlich dort oben. Ich zeige Euch einen ruhigen Platz hier in der Nähe. Da könnt Ihr Euch ausruhen und morgen fahrt Ihr so weit nach oben, bis die Almen kommen.“ Gesagt, getan und wir landen in einer kleinen Seitenstraße am Hang vor uralten Bauernhäusern.

Wir dürfen auch das Innenleben begutachten. Die Feuerstelle in der Küche ist so groß wie unser Wombat!

Erholt und guten Mutes denken wir am nächsten Morgen: Na die 20 Kilometer machen wir noch mit links, dann stehen wir auf ner Hochalm.
Pustekuchen!
Der Türke liebt bekanntlich das Picknick. Mit dem Auto und der ganzen Familie ins Grüne, Aussteigen und mit Sack und Pack, Liegestühlen, Sonnenschirmen, Grill und Teekocher den Tag genießen. Das zu Tausenden am Fluss entlang, verbunden mit Verkehrschaos und Stau. An Restaurants und Sehenswürdigkeiten, alten Brücken und Burgen der totale Stillstand. Und das Wombat mittendrin.
Zur empfohlenen Alm führt schließlich ein einspuriger Schotterweg, den wir wählen. Zur Krönung des Tages müssen wir im Rückwärtsgang zurück weil zu viel Gegenverkehr herrscht. Und das an Abhängen und Felsvorsprüngen vorbei. Eine halbe Stunde wird es gedauert haben. Geschätzte zwanzig Autos vor und hinter uns, warten geduldig und applaudieren als wir schweißgebadet mit dem Heck voraus wieder den Hauptweg erreichen.

Es bleibt uns nichts anderes übrig, als der Asphaltstraße weiter in die Höhe zu folgen. So langsam wird auch der besonnene Achim mürrisch.

Irgendwann treffen wir andere Autos nur noch im Fünf-Minuten-Takt und ich bin mittlerweile mit den Hunden zu Fuß unterwegs. Schließlich kommen wir in dem Dorf Elevit Yaylasi an. Mitten im Kackar Mountains National Park.

Ein Platz am rauschenden Bach, Ausblick auf das Dorf und in kurzer Zeit sind wir wieder versöhnt mit uns und der Türkei.

Neben uns zelten vier junge Künstler aus Istanbul. Film, Foto und Berichte sind ihr Thema und das über ein Leben in der Natur. Mit Sponsor und über Social Media berichten die vier über ihre Outdoor Erlebnisse. Und sind total begeistert von unserem Lebensentwurf. Wir werden gefilmt und interviewt. Sind wir gespannt, was dabei heraus kommt…

Eine Bereicherung ist es, die Vier kennen zu lernen. Tolle Menschen sind das.
Als Erinnerung schenken sie uns einen Stein. Zwei sich kreuzende Linien als Symbolik für uns beide?
Oder für Wege, welche sich kreuzen?

 

 

 

Am Nachmittag zieht hier Nebel auf. Noch weiter hinauf müsste man und da treffen wir Sevki, einen Deutsch-Türken, welcher uns genau dies empfiehlt und den Weg beschreibt. Er käme auch dort hin mit Freunden und Familie. Natürlich zum Picknick machen!!

Also weitere 800 Höhenmeter, welche Achim rumpelnd sitzend und der Rest der Mannschaft ruhigen Schrittes und genießend bewältigt. Eine herrliche, unberührte Bergregion!

Und wir landen in  Hacivanak Yayla. Auf 2600 Meter Höhe, ein fast verlassenes Dorf.

Zwei Häuser sind noch bewohnt.  Ansonsten gibt es hier ein paar Kühe. Und die sind sowas von glücklich: Den ganzen Tag trotteln sie irgendwo herum, auf der Wiese, am Bach oder im Dorf. Hinterlassen ihre duftenden Fladen und werden am Abend per Pfiff und Rufen in den Stall gelockt. Bevor es ins Stroh geht wird man noch einer Körperwäsche mit dem Wasserschlauch unterzogen. Was ein Leben für ein Rindvieh!
Ich singe den ganzen Tag vor mich hin, habe einen Ohrwurm: „Ich steh‘ bis zu den Waden in einem Kuhfladen.“
Mal was anderes ins Wombat getragen als immer nur Sand….

Wir sind hier mitten drin. Ein Erlebnis!

Das Kackar-Gebirge:
Es ist hier das Land der Hemsin, Menschen armenischer Abstammung. Kac kommt aus dem Armenischen und bedeutet „heilig“. Kar heißt übersetzt „Stein“.
Wir stehen in den heiligen Steinen.

Beim Picknick dabei und willkommen bei den wenigen Dorfbewohnern.

Unsere Hunde sind ebenfalls begeistert von dem Dorfleben. Man ist sich nur noch nicht schlüssig, wie man mit den Rindviechern umgehen soll.

Am nächsten Morgen: Wanderschuhe auspacken. Wanderwege gibt es hier nicht, da der Türke ja selten wandert. Querfeldein über den Berg geht es zu einem verwunschenen See. Mit meiner Sommerkondition krieche ich da hoch.

Gizmo streikt mal wieder nach kurzer Wegstrecke, sieht hoch hinauf Richtung Ziel und macht eine Kehrtwende. Das Dorf zu bewachen ist weniger anstrengend!

Dafür begleitet uns der Dorf-Kangal. Das ist wenigstens ein Hund! Er weicht uns nicht von der Seite, weist den Weg und sorgt regelmäßig für Abkühlung seines Systems.


Noch nie bin ich durch solch eine unberührte Natur gewandert. Überall kleine Quellen und Bäche, an Blaubeeren kann man sich satt essen, kein Mensch hat hier in irgendeiner Weise eingegriffen.

Über einen Kamm und dann dieses herrliche Bild:

Und ich denke: Ein Zelt müsste man haben! Dort oben an diesem einsamen Bergsee wird man begrüßt von drei netten Wanderwütigen, welche dort ihr Lager aufgeschlagen haben. Und es sind doch tatsächlich Türken aus Ankara! Es gibt sie also doch die Ausnahmen.

Natürlich darf ich nicht weiter laufen, ohne mit ihnen gespeist zu haben: Bulgur-Pfanne vom Gaskocher.

So sieht der Achim das Ganze von weit oben:

Am nächsten Morgen ruft uns die gute Luft. Wir entfliehen den Düften der glücklichen Kühe und rumpeln den Weg hinab Richtung Dorf.

Auf halbem Weg ein Stellplatz zum Meditieren. Und weil der rauschende Bach so nah ist auch zum Wäschewaschen.

Am späten Nachmittag kurzeitig wieder eine mystische Stimmung:

Es geht wieder das Tal hinab. Es ist leerer geworden . Ein paar wenige Urlauber noch. Sie schwingen sich über eine der zahlreichen „Seilbahnen“ über den Fluss und kreischen…

Und da sind wir wieder: Auf dem Highway der Schwarzmeerküste entlang. Aber zum Glück nicht lange: In Arhavi geht es wieder ab in den Wald und die Berge.

Eine schöne Anekdote:
Für die geplanten nächsten Tage am rauschenden Bach decken wir uns in Arhavi mit Lebensmitteln ein . Nur noch ein Metzger fehlt für das Glück von Tier und Mensch. Man trifft sogleich wieder einen freundlichen Türken, welcher mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte.
Achim fragt: „Do you speak English?“
Der Türke freudestrahlend: „Yes, yes!!“
Achim: „We are looking for a butcher.“
Der Türke kratzt sich am Kopf.
Achim: „Metzger.“
Der Türke kratzt sich auf der anderen Seite.
Achim meckert wie eine Ziege.
Der Türke strahlt und winkt Achim, er solle in sein Auto steigen. Sie fahren los.
Und sie kommen an:
Bei einem Käseladen!
Falsch!
Achim kopfschüttelnd, macht „mäh“ und „muh“ und zeigt mit dem Finger auf seinen Mund und reibt seinen Bauch.
Der Türke nickt, strahlt und winkt wieder ins Auto.
Und sie kommen an:
Bei einem Restaurant!
Der Türke gibt enthusiastisch mit Handzeichen zu verstehen, dass dies sein bester Freund sei und dies die beste Küche sei in der Stadt.
Falsch!
Achim kopfschüttelnd, zeigt auf den Grill und meint: „Picknick“.
Und da kommen sie schließlich an am gewünschten Ziel.
Nach einer halben Stunde Stadtrundfahrt und erfolgreichem Einkauf wird sich gegenseitig auf die Schulter geklopft. Und man wünscht uns gute Fahrt. 🙂

Hoch hinauf wollen wir nicht mehr. Es ist wahnsinnig schwül und heiß und die Berge sind wolkenverhangen.
Ein kleines Stück nur das Tal hinauf und wir stehen hier:

Nach weiteren vier Kilometern durch das Kamilet Tal erreicht man den Mencuna Wasserfall. Ach, es ist wieder Feiertag! Auf Grund dessen ist das alles nicht sehr verträumt. Aber wir lachen viel mit all den Ausflüglern beim Aufstieg zu dieser Attraktion:

Ein kleines Stück das Kamilet-Tal hinunter geknattert und hier bleiben wir stehen:

Inmitten von verlassenen Picknick-Stellen stehen wir.
Picknick in diesem Lande ist unsausweichlich verbunden mit Unmengen an Hühnchenknochen in den Büschen oder auf den erkalteten Feuerstellen. Es beschleicht uns eine Furcht vor dem türkischen Hühnchenknochen-Tod unserer Hunde.
Wir passen auf wie ein Luchs!!

Mit dem Fahrrad am nächsten Tag das einsamere Seitental hinauf und wir sind uns wieder einig: Schön hier! Wasser muss nicht berühmt sein und weit hinab rauschen.

Zwischendrin immer wiederTee-Anbau:

Es ist schwül und regnerisch. Fast wie im tropischen Regenwald!

Man wundert sich doch sehr, welchen Zweck die runden Holzfässer an den steilen Felsabhängen haben. Da sehen wir welche direkt des Weges: Das sind tatsächlich Bienenhäuser!
Warum auch immer man diese Stellen auserwählt hat, man beneidet den Imker nicht wirklich…

2. September 2018:
Das letzte Stück Schnellstraße Richtung Georgien huscht unter uns entlang und wir blicken zurück:

Etwa 2800 Kilometer haben wir durch die Türkei bewerkstelligt. Das meist auf langweiligen, ausgebauten Schnellstraßen. Was natürlich auch seinen Vorteil hat: Das Land ist groß und möchte man es schneller passieren, sind diese Straßen hier ein bequemer Traum. Ein genüssliches Bereisen wie wir es bisher kennen war das jedoch nicht. Was natürlich in erster Linie mit der Wahl unserer Reiseroute zu tun hatte. Und mit der Reisezeit hierher im Hochsommer. Unserem Motto „Der Weg ist das Ziel“ sind wir durch die Türkei untreu geworden. Oftmals waren die Fahrten auf den Schnellstraßen einfach nur öde.
Wohnmobile trafen wir gar nicht, Globetrotter, so wie wir, nur wenige auf dem Weg in den Osten.

Das wunderschöne Gebirge im Süd-Osten der Türkei haben wir ausgerechnet in der absoluten Urlaubszeit besucht. Ich denke, es gibt zu dieser Zeit keinen Platz an irgendeinem Gebirgsbach, der noch nicht belegt ist von „Picknickern“. Es sei denn, man fährt hoch hinauf. Anstrengend war es, anderseits hätten wir nicht die tollen Menschen kennen gelernt dort oben, welche mit Zelt oder Allrad-Auto für ein paar Tage die Natur genießen.

Wir waren Gast in der Türkei und erlebten die Neuwahlen des Parlaments mit und den gravierenden Währungsverfall. Geäußert wurde sich hier nie über solche Dinge. Wenn, dann nur kurz, knapp und oberflächlich um gleich darauf abwinkend zu einem anderen Thema über zu gehen.

Nach stundenlangem Fahren auf den Schnellstraßen hat uns die unglaublich große Gastfreundschaft immer besänftigt. Egal wo wir landeten zum Pausieren oder Übernachten: Herzlichkeit überall. Wir mögen die Einheimischen! Mit ganz wenigen Ausnahmen wurden wir immer lächelnd und neugierig begrüßt, fühlten uns durchweg willkommen und sicher und hatten viele tolle Gespräche und neue Bekanntschaften.

Unsere Hunde schließen sich unserer Meinung an: Vom Sofa bis zum Hühnchenbein, alles wurde geboten. Und es ist einmal wieder Diät angesagt!

Ja, Achims Drohne hatten wir vor der Einreise im hintersten Eck des Wombats versteckt.  Aus Angst vor einem Spionage-Verdacht und Inhaftierung, versteht sich. In Urla haben uns alle so ausgelacht deswegen, dass die Tränen flossen. Also sind dann doch einige schöne Luftaufnahmen entstanden.

Jetzt stehen wir an der Grenze zu Georgien und sind gespannt auf dieses Land. Freuen uns auf die Natur und die Kultur und werden sicherlich keine Schnellstraßen wählen….

 

Rund um Urla

Ende Juli 2018

Wir stehen noch immer in Gülbahce vor dem Urla Surf House. Damit wir nicht rammdösig werden, lassen wir uns mit dem Schlauchboot abholen für einen Tagesausflug auf der anderen Seite der Bucht. „Secret Spot“ heißt die Kitestation dort auf einer sandigen Landzunge.

Ladina ist mit dabei:

Gizmo scheint vielleicht doch wehmütige Gefühle für sein altes Leben zu hegen, er will partout nicht aussteigen:

Böse Zungen behaupten, ich lenke meinen Kite wie einen Truck….

Anfang August entfliehen wir dem Wassersport-Rummel und erkunden unsere Halbinsel.  An der Westseite nach „oben“ bis Karaburun tuckern wir und zurück an der Ostküste. Es waren herrliche Tage.

Das offene Meer, Brandung und eine Wassertemperatur, welche den Kopf abkühlt. Das ist mal eine Abwechslung zum seichten Stehrevier in Gülbahce hinter der Kite-Station. Dort herrscht Badewannentemperatur.

Unser erster Anlauf ist der vom Küchenchef empfohlene Strand: Badem Bükü.

Am anderen Strand Ende ist man eifrig bemüht, einen Fisch aus dem Meer zu ziehen. Zwei Tage haben sie uns unser Abendessen versprochen: Eine Dreiergruppe Zahnärzte aus Izmir. Tolle Gespräche haben wir. Einen Fisch gibt es nicht dafür aber wird ernsthaft überlegt, es uns gleich zu tun und den Zahnarztstuhl gegen Angel und Haus auf Rädern auszutauschen.

Nach Badem Bükü empfiehlt man uns, auch Hamza Bükü anzusehen. Am nördlichsten Ende der Halbinsel rollen wir da hinunter zwischen all den riesigen Windkraftpropellern mit grandiosen Ausblicken auf die Küste.

Und treffen hier auf eine deutsch-türkische Familie. Ein Grundstück direkt am Strand bewohnen drei Generationen zurzeit. Es sind Sommerferien. Wir werden einmal wieder herzlich willkommen geheißen und man präsentiert uns das Hauptdomizil: Ein riesiges Beduinenzelt im Garten. Wir sind begeistert! Nach Besichtigung lassen wir uns die Kontaktdaten der Bastler geben – man weiß ja nie!

Unglaublich nett ist die Familie.

Zurück in Gülbahce bleiben wir nur noch eine Nacht. Der Wind scheint nun endlich so zu werden, wie es eigentlich sein soll und ich nutze das noch ein letztes Mal. Wir verabschieden uns von allen und sind schon ein wenig traurig. Es war eine tolle Zeit hier unter all den herzlichen Menschen.

Und was meinen unsere Hunde?

Nö, nicht weg von hier….

Ne, wirklich nicht weg von hier.

Ihr wollt doch wohl nicht weiter reisen?

Wir werden Euch vermissen!

 

 

West Türkei Canakkale bis Izmir Urla

Die Türkei im Sommer.

26. Juli 2018

Es ist 9 Uhr morgens, angenehme 28 Grad kühl. Pepe steht gerade an: Am Frühstücksbuffet. Gizmo schläft noch. Achim schlürft türkischen Kaffee.
Ich sitze neben einer Palme vor dem Wombat mit Blick auf die Kite-Station und den nach unten hängenden Fahnen in der Flaute. In einem kleinen Dorf namens Gühlbace sind wir gelandet. Von klein nach groß: Das liegt bei Urla, in der Nähe der bekannten Surfregion Cesme, etwa 40 Km hinter Izmir.

Manchmal erreicht man einen Ort, an dem einfach alles stimmt. Und so erging es uns mit dem Urla Surf House. Seit Anfang Juni sind wir nun hier an einem Kite-Surf-Spot, der nicht besser sein könnte zum Lernen. Und so zische ich mittlerweile fröhlich auf dem Wasser herum und erhöhe dabei den Altersdurchschnitt der jungen Sportler da draußen – wenn denn mal Wind bläst….

Den Berichten aus der alten Heimat zu folge, können wir wohl froh sein, die Sommermonate mit See Klima gesegnet zu sein. Es schwitzen wohl nicht nur wir hier im Süden.

Einen aufregenden Reisebericht kann ich nicht liefern. Vorab: Alles, was wir uns in der Türkei vorgenommen hatten, von Kultur bis Kappadokien muss warten auf uns in kühleren Zeiten. Zum Reisen ist es uns schlichtweg zu heiß.

Hier ein Rückblick der letzten zwei Monate:

Anfang Juni 2018

Die Bedenken bezüglich unserer Reise durch die Türkei sind über Bord geworfen worden. Hören wir doch nur Positives von Gleichgesinnten, welche zeitnah vor uns hier durch reisen.

Wir erreichen die Grenzstation und verlassen Griechenland. Nicht mehr als eine Viertelstunde brauchen wir durch beide Zollstellen. Auf türkischer Seite einen kurzen Blick von außen in unseren Wohnraum, das war’s. Eher interessant scheinen mal wieder unsere Hunde zu sein, welche zwischen Fahrer- und Beifahrersitz thronen. Die beiden genießen die ihnen zugeteilte Aufmerksamkeit der kleinen Menschentraube vor dem Wombat. Ein Grenzbeamter hält unter Schnalzlauten eine Tüte Hundefutter in die Höhe. Dabei liegen mal wieder unnötigerweise sämtliche Unterlagen zu Impfnachweisen und Titer Bestimmungen  parat auf meinem Schoß. An keiner Grenze bisher schenkte man dem Beachtung. Was hatte ich mich verrückt gemacht vor der Reise…..

Ein Stempel für 90 Tage Aufenthalt, mal sehen, was wir draus machen.
Das Wombat schnurrt auf Flüsterasphalt Richtung Dardanellen, der Meerenge, welche Europa von Asien trennt. Die Blattfedern sind arbeitslos. Sowas hatten wir noch nie seit Anbeginn unserer Reise.

Wir wählen Kilitbahir aus für die Überfahrt in den neuen Kontinent.
Eine Pause und die Besichtigung der Festung und riesigen Bunkeranlage.

Am frühen Nachmittag schippern wir auf der Fähre über das Wasser nach Canakkale und sagen Europa Adieu.

Raus aus der vollen Stadt und wir übernachten kurz dahinter, wo es etwas ruhiger ist am Meer. Im Sonnenuntergang sehen wir rüber zur anderen Seite nach Europa.

 Troja steht auf dem Programm. Unschlüssig stehen wir auf dem Parkplatz und werden zunächst von Uran eingeladen, auf seinem Campingplatz auszuruhen und die große Hitze abzuwarten. Gesagt, getan: Wäsche in der Trommel sitzen wir kurz darauf auf der kühlen Terrasse des Platzes. Gegenüber: Das monströse Troja-Museum, aber noch nicht eröffnet.

Hier setzt sich das Erbgut der Kangals durch bei der Entstehung der Straßenhunde. Die ersten „Verschnitte“ auf der Mauer vor dem Museum. Ich muss an unseren ersten Hund Ivo denken….

Pepe schließt Freundschaft egal wie groß die Ivos auch sind:

Ein junger Türke mit 25-Kg Rucksack kommt des Weges. Hikman sein Name. Nach Georgien will er! Das allerdings zu Fuß. Nun ja, der Daumen kommt ab und an wohl auch zum Einsatz. Freudestrahlend erzählt er, wo wir unbedingt hin müssen und wo es sicher ist. In Gemeinschaftsarbeit über die Karte gebeugt entsteht ein Plan für die nächsten Monate. Ab Izmir durch das Innenland, Seen und Berge, durch Kappadokien Richtung östliche Schwarzmeerküste.

Aber es sollte später ganz anders werden…

Mit Hikman verabreden wir uns für Georgien im September und machen uns am nächsten Morgen enthusiastisch auf den Weg. Zunächst nach Urla zum Kiten ist unser Plan. Nach Kreta hatten wir uns eine Klimaanlage für das Fahrerhaus liefern lassen. Völlig entspannt und in freudiger Erwartung auf den Luxus einer kühlen Fahrt geht es Richtung Süden durch die vielen schönen Moscheen.

Kühle Luft pustet uns in den Nacken. Doch man wundert sich doch sehr über die Temperaturanzeige:
28 Grad, 29, 30 (das ist seltsam), 31, 32, 33 (alle hecheln schon), 34, 35…..
Bei 39 Grad um 11 Uhr vormittags sind wir stink sauer und enttäuscht. Trotz Achims Isolierung scheint die neue Errungenschaft nicht auszureichen. Sitzen wir doch über dem heißen Motor und rund um uns herum die Fensterfront ohne Thermoscheiben.

Der nächste  Strand für eine Abkühlung im Meer ist unser. Wir landen in Yeniköy:

Unsere nächste Etappe führt nach Pergamon. Schön hier, aber…. Eine Besichtigung wegen mörderischer Hitze wurde von allen einheitlich verweigert. Irgendwann wollen wir das nachholen. Zwischen Oktober und Mai.

Unsere Entscheidung: Schnur stracks Richtung Urla an die windige Küste zum Kite-Surfen. Hier bei Cesme pustet der Meltemi aus Nord-West in den Sommermonaten recht zuverlässig. So sagte man uns…..

Wir kommen hier an und fühlen uns von der ersten Minute an „sau“ wohl.
Pinar und Niko führen hier das Urla Surf-House seit einigen Jahren. Ein kleines Hotel mit Liebe zum Detail. Es besticht durch seine Lässigkeit, den fehlenden Perfektionismus. Bunt und farbenfroh ist es hier. Ein Garten mit Pool, eine Menge großer, bunter Kissen und Sofas. Und das nicht nur zur Freude der müden Wassersportler: Hunde willkommen und so lümmelt hier so manches Pfotentier herum. Von Anfang an ist uns klar: Hier können nur Hundeliebhaber buchen!

Wir stellen uns zunächst vor die Kite-Station.

Es sind hauptsächlich Einheimische, welche den Ort nutzen. Am Strand keine laute Musik, keine Bar weil kein Strom: ohne großen Kommerz, so richtig urig ist es hier. Die Möbel unter den Strohdächern aus Paletten gebaut, bunt angestrichen und mit riesigen Kissen belegt. Selbst bei regem Besuch in windigen Zeiten geht es friedlich zu ohne Stress und Gezeter wegen verhedderten Leinen.

Zeichnet man diesen Ort muss man kaum übertreiben 😉

Wir kommen doch tatsächlich bei Wind an und ich „refreshe“ meine Kite-Künste mit einem knackigen Kite-Instructor im knietiefen Wasser.

Da sieht das Ganze danach so aus:

Während Andere zuschauen:

Noch mehr Zuschauer:

Manche schlafen dabei ein:

Was soll man anderes erwarten auf unserer Reise? Das Klima spielt einmal wieder verrückt. Eine Gewitterfront im Juni, hier bei Cesme, daran kann sich niemand erinnern. Über eine Woche plagt uns Schwüle und regelmäßige Regengüsse sorgen für Arbeit:

Achim muss das im Schlamm versinkende Wombat wieder ausbuddeln.

Wir ziehen es vor, auf dem Parkplatz direkt vor dem kleinen Hotel unseren Vorgarten inklusive Palme und Hängematte einzurichten.

Seither haben wir uns kaum wegbewegt und gehören fast zum Inventar des Hotels.

Manchmal sind die Schlafpositionen ungewöhnlich:

 

 

 

 

 

 

 

Es geht hier einfach jedem Hund gut.

Wenn einmal wieder Wind herrscht, wird weiter geübt:

Das normalerweise Starkwindrevier zeigt sich in diesem Jahr wohl von einer anderen Seite. Während in unserer alten Heimat, in ganz Europa bis zum Nordkap eine mörderische Hitzewelle den Sommer bestimmt, hat diese Wetterlage wohl den Wind geklaut hier unten. Der typische Meltemi zeigt sich selten. Wer vom Fach ist, wird verstehen: Mein 9-Quadratmeter-Kite war fast arbeitslos. Man kitet oftmals mit Überraschungswind und großen Schirmen.

Ansonsten gibt es hier aber auch andere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben:

Oder wir besuchen Alacati, Cesme und die Strände dort:

„Wir sind wohl zurück im Urla Surf House.“

 

 

 

 

 

An den Wochenenden wird es voll rund um den Pool.  Sehr gute Live Musiker werden hier regelmäßig organisiert.

Ladina ist angekommen. Aus der Schweiz kommt sie angeflogen und ist doch tatsächlich kleiner als ich. Aber Oho. Ein guter Motivator für mich auf dem Wasser, ständig guter Laune und nicht tot zu kriegen draußen auf dem Brett.

Flautezeiten überbrücken wir mit sinnvoller Arbeit. Hier gibt es Straßenhunde mit Wollpullover.

Eigentlich hatte ich mir zum Ziel gesetzt, von A nach B flitzen zu können und ein Wendemanöver zu beherrschen. Glücklich bin ich damit. Jetzt werde ich genötigt, mich mit äußerst fremden Fachausdrücken zu  beschäftigen wie Toe Fahren, einen Pop machen, Springen und so Sachen wie Backroll.
Zwei Wochen haben wir ja noch Zeit… 😉

Stand der Dinge momentan beim Kite Boarding: Spaß haben!

Amy:

Ladina:

Celine:

Pablo (Speedy Gonzales):

Und daran wird geübt 😉Alican

Mit Ladina in Urla:

Und unsere Hunde?
Welch ein Leben.  Kissen, Sitzbänke und Sessel worauf völlig selbstverständlich auch alles herum lümmelt, was vier Pfoten hat.  Man hat sich einfach lieb hier.

Ein liebes Dankeschön an Pinar

und Niko, welche das Ganze hier aufgebaut haben.

Zum Schluss noch Kitsch: