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Irans Westen: Durch Lorestan und Kurdestan

Durch den Westen Irans.
Naturwunder Lorestan und das wilde Kurdestan:

23. April 2018

Mit Wollmützen auf dem Haupt verlassen wir den „Skiort“ Chelgerd, hoch oben in den Bergen….

…. und trudeln gemeinsam mit den „Murmeltieren“ aus der Schweiz, das sind Christina, Martin und Hund Wadi Richtung Norden.
Es geht nur unwesentlich am Flusslauf bergab und nachts sinkt die Temperatur weiterhin gen Null.

Pepe hält den Laden auf:

Die Hauptstraße Richtung Khorramabad lässt uns einmal wieder die Kleidung von den Bügeln hüpfen. Was sie hier wirklich gar nicht können im Iran: Straßen bauen!
Dazu kommen die massenhaft aus dem Nichts auftauchenden „Speed-Bubbles“: Graue, auf grauem Asphalt getarnte schikanöse Beulen auf den Straßen dieses Landes. Höhnisch scheinen sie einem zuzugrinsen: „Bremse oder hüpfe!“. Und das überall!
So klappert das Gebiss und die Hundeohren fliegen, da wir meistens hüpfen statt bremsen, schließlich nimmt im Alter die Sehkraft ab.

Es wird zur Gewohnheit, mich mit den Hunden bei der Stellplatzsuche einfach auszusetzen. Hinaus in widrige Umstände wie knietiefe Matschfelder und zu überquerende Bäche.
Mit den Worten: „Du siehst mich ja, wo ich hin fahre“ entlässt man mich.
Das Wombat verschwindet schließlich am Horizont für unsere erste und letzte Peilung.
Irgendwann schließlich erreichen wir drei Verschlammten dann die bereits Kaffee schlürfende Gesellschaft, die in der Sonne vor ihren Wohnautos in den Liegestühlen mummelt. Achim und die „Murmeltiere“.
Dank Christina komme ich zu meinem neuen Namen:
„Der gemeine Ackerläuferling!“

Stellplätze zum Träumen findet man genug:

Unser Weg führt schließlich durch die Provinz Lorestan. Und die hat es uns wirklich angetan. Ein Naturschauspiel nach dem anderen:

Wir wollen die Südstrecke durch das Osthoran Gebirge nehmen. Um es vorweg zu nehmen: Es war eine goldrichtige Entscheidung!

So selbstverständlich ist das nicht, dass man uns ohne funktionierende Heizung im Auto begleitet. Die Murmeltiere, hartgesotten, kommen mit. Wir freuen uns!
Der Hitze gewohnte Wadi Hund wahrscheinlich nicht so sehr 😉

Wir erreichen also den Bezirk Lorestan, landen am Khanabad-Stausee und haben eine für uns im Iran außergewöhnliche Begegnung: Wir treffen ein einheimisches, junges Paar, Kiarash und Mischa, mit Cockerspaniel Jessika.  Kiarash betreibt hier ein traditionelles Hotel auf dem Hügel. Und die beiden sind tatsächlich so hundefreundlich, dass es in ihrem Wohnzimmer am Abend bald so aussieht:

 

Nach Probeliegen aller im Haus befindlichen Sofas, landet Gizmo im Hundebett von Jessika. Ich glaube, er wird im Alter einfach ein wenig schrullig. Einmal zusammengerollt passt man da gerade so rein. Wegbewegt hat er sich nicht mehr bis zur Verabschiedung.

Wir werden derweilen verköstigt mit traditionellem Essen. So lecker, dass ich bald platze.

Wir stehen unter Mandelblüte auf dem Hügel vor dem Hotel und bleiben einen Tag.


Achim ist zum dritten Mal unterwegs wegen unseres Freundes, dem Reifen hinten rechts. Die Luft in seinem Inneren behagt ihm einfach nicht.
Derweilen, wie in alten Zeiten, spazieren vier Hundehalter mit sechs Hunden über die Hügel am See.
Und was treffen wir doch tatsächlich zur Freude (fast) aller? Einen Hasen!

Outdoor, das über Picknick hinaus geht, liegt Iranern einfach nicht.
(Siehe Schuhwerk)

Am Tag darauf kriechen wir über den Gardane-Wadoush-Pass.

Und landen bald, wieder auf 1900 Höhenmetern, in einer Stichstraße, welche zum Chekan-Wasserfall führt:

Auf der Wanderung zum Wasserfall ein außergewöhnliches Bild, auf Grund der prekären Situation leider nicht abgelichtet: Wilder Esel jagd Jagdhund. Gizmo rennt wie der Teufel.
Ob das wohl an einem überschießenden Testosteron-Spiegel lag?

Schau genau!

Wir kommen dennoch wohlbehalten am Chekan-Wasserfällchen an.
Brücke Iran mit Sicherheitsstufe 1a:

Der nächste Tag, der nächste Wasserfall: Abshar-e Taf. Und das bei Traumwetter.
Unten im Tal sehen wir das Hinweisschild, hinauf weisend über eine steile Geröllstraße zum Besagten, mit 786 Metern der höchste im Iran.
Nach kurzer Vor-Inspektion zu Fuß rumpeln die Autos hinauf auf ein Plateau.
Schöner geht nicht!
Wir richten die Liegestühle Richtung Wasserfall aus. Man kann sich blöde gucken.
Nein, hier gehen wir so schnell nicht wieder weg….

Steile Erkundungen:

Der Mai naht….
Es wird warm, wir sitzen viel draußen und brutzeln uns am Abend fangfrische Fische knusprig.

Natürlich bekommen wir auch hier oben Besuch:

Der alte Gizmo verlässt seinen „Kuh-Ausguck“ nur selten:

Mal eben da hoch wandern zum Ursprung des Wasserfalls….
Das entpuppt sich als steile Tageswanderung über Stock und Stein. Zusammen mit Martin und Pepe, dem Kraxler:

Allerdings mit lohnenswertem Ende.

Ja wo stehen wir denn??

Auf die Blüte der Kaiserkronen muss man noch warten:

Die Straße Richtung Sepiddasht ist einmal wieder traumhaft schön. Wir können die Strecke richtig genießen mit vielen Zwischenstopps, dank der Murmeltiere. Die nämlich haben ein elektronisches Problem mit dem Startvorgang. Sprich: Der „Bau“ springt nicht an.
Das Abschleppseil muss her und wir hoffen, in Sepiddasht einen tauglichen Mechaniker zu finden. Und so wird es eine lustige Fahrt: Die Strecke führt vorwiegend bergab. Allerdings nicht immer. Und so ziehen wir die Defekten die Hügel hoch um sie oben frei zu lassen, woraufhin Martin sich vor uns rollen lässt bis zum nächsten Teilstück bergauf.
Und das mit enormer Geschwindigkeit, schließlich muss man Schwung holen.
So zischen die Murmeltiere vor uns die Serpentinen hinab. Fast wird die Schräglage erreicht. So schnell waren die noch nie!!
Ein Bild für die Götter.

Nun ja. In Seppidasht das gewohnte Bild: Etwa zwanzig Iraner um das defekte Auto herum, wild diskutierend auf Farsi, jeder schraubt irgendwo herum und ich persönlich sehe keinen nahenden Erfolg.
Irgendjemand schließt schließlich die Wegfahrsperre kurz und im Notprogramm kommen wir schließlich doch da hin, wo wir hin wollten:

Auf eine naheliegende Bergkuppe. Rundumblick, von blühenden Wiesen aus auf die Bergwelt.

Und man sollte es nicht glauben: Für eine Erste-Mai-Wanderung zum Bisheh Wasserfall ist es tatsächlich zu warm. Also nur eine abendliche Tour ins Tal:

Zur legendären Bahnstrecke aus dem Jahre 1938:

Frühstück wie beim Bergdoktor:

Man kann es sich gar nicht mehr vorstellen aber vor gar nicht langer Zeit war hier „Land unter“. Man erahnt es noch an den vielen defekten Straßen, provisorisch gekennzeichneten Abbruchkanten, weggeschaufelten Erdrutschen und geschaffenen Umleitungen.

Und da sind wir mal wieder: Destroying the world.
Tja, das Wombat ist breit und schaufelt sich durch einen Erdrutsch, der für die Normalbreite eines Autos schon freigeschaufelt wurde.

Wir wühlen und verteilen die Erdberge ordentlich hinter uns, rollen aber schließlich matschig und zufrieden weiter. Nichtsahnend, was hinter uns passiert.
Die Murmeltiere klären uns über Funk irgendwann auf, dass sie wohl etwas länger brauchen. Man müsse mit der Schaufel zunächst sich selbst und einen Krankenwagen aus den Folgen unserer Umverteilung befreien…..

Weiter Richtung Khorramabad erreichen wir die Grit Wasserfälle. Na ja, nicht ganz. Dieser Felsvorsprung ist nicht Wombat gerecht und nötigt uns zum Parken etwas oberhalb des Naturschauspiels.

Auch hier trotz Nieselregens: Picknick an den besten Stellen.

Heute trennen wir uns von den Murmeltieren. Die fahren nämlich weiter Richtung Tehran. Wir bleiben im Westen.

Wir vier landen in der Hauptstadt von Lorestan, in Khorramabad.
Zeit für Luxusgüter: Haferflocken, Meersalz und Spülschwämme 😉
Und für einen Gesundheitscheck der „alten Männer“.
Blut wird gezapft, Achims Schilddrüse eingestellt und die Hundegesundheit kontrolliert.

Auf den Straßen Khorramabads im Nachmittagsverkehr:
Zwei Spuren stehen zur Verfügung. Pro Verkehrsrichtung. Autos überall, zu viert nebeneinander auf den zwei Spuren, quer, verkeilt, hupend. Von vorne Geisterfahrer, sich irgendwie durchmogelnd. Achim tuckert wohlweislich auf der linken Spur denn rechts herrscht Ausnahmezustand. Da stehen nämlich noch die Gemüsestände und manchmal Esel und anderes Getier. Und die Mopeds Achten knatternd überall.
Ein Rums, der linke Außenspiegel klappt nach vorne und ist zerschmettert.
Ich habe weiße Fingerknöchel vom Festklammern da knarrt es direkt neben mir, zerberstendes Blech, ein Schabegeräusch, ein akustischer „Hochgenuss“, Nackenhaare stehen waagerecht.
Da wollte sich mal wieder einer von rechts vorbei drängeln und hat mit dem stoischen Vorwärtsdrang unseres Monstrums nicht gerechnet. Tja. Ein Polizist steht gerade da und winkt den Zerbeulten unwirsch weiter, uns dafür umso freundlicher. Den Durchmogler treffen wir nach zehn Metern Vorwärtskommen bei der Begutachtung seines Schrotthaufens wieder. Die Heckpartie ist zerbeult und aufgeschlitzt. Und was tut er? Er lächelt uns zu und schüttelt mit dem Kopf.
Achim lächelt zurück und bessert seinen unbedeutenden Schaden am nächsten Tag mit einem Lackstift aus.

Den Kampf um eine funktionierende Telefonkarte lasse ich Achim am zweiten Tag selbst ausfechten. Er nimmt ein Taxi. Ich bleibe mit den Hunden unter Kühen und Schafen auf einer naheliegenden Alm stehen. Unweit einer bedeutenden Höhle, an welcher wild nach den Spuren der Neandertaler gebuddelt wird.

Wir wandeln in die Höhle und begeben uns auf interessantes Terrain:

Am Abend auf unserem nächsten Stellplatz Richtung Kurdestan erreicht uns eine schauerliche Nachricht des Tierarztes: In Gizmos Blut wurden Dirofilarien nachgewiesen. Herzwurm, eine Horror Diagnose, zurückzuführen auf die Bilder in meinem Kopf von zentimeterlangen Würmern, die aus dem Gefäßsystem um Herz und Lunge herausgepopelt werden….
Vorab: Keinen Schreck bekommen! Das Ganze hat sich schließlich in der Türkei entschärft (dazu mehr im nächsten Blog Bericht)
Aber zunächst herrschte hier Aufruhr: Recherchen, Nachfragen, Kummer..
Tja. Je mehr der Mensch Kummer hat, desto mehr hat der Hund Kummer und wirkt folglich immer kränker 😉 Hinzu kommt, dass bei einem über acht Jahre alten Ridgeback nicht zu unterscheiden ist, ob er tod krank ist oder einfach nur stinke faul.

(Ich kann hier wieder Witze machen aber unsere Stimmung war im tiefsten Keller.)

Um es kurz zu machen:
Wir haben Pech mit unserer Klinik.
Sie kostet Nerven, diese Zeit der endlosen Nachfragen, ob unsere Laborwerte zur Bestätigung der Diagnose aus Tehran nun eingetroffen wären. Warten würden wir noch heute auf Werte, die von dem „netten“ Dok nie angefordert wurden…
Heil froh bin ich, mit mikrobiologischen Kenntnissen ausgestattet zu sein. Sonst wäre man hier völlig aufgeschmissen.

(Ich schreibe dies in der Türkei, wo es endlich möglich war, einen Herzwurm Antigen Test machen zu lassen. Der war negativ! Bis heute weiß ich nicht, ob die vermeintlichen Dirofilarien gefärbte Fussel oder eine apathogene Art waren. Wir werden das wohl noch in Ankara endgültig abklären.)

Wir machen uns zügig auf den Weg in die Türkei, wo die Veterinärmedizin einen höheren Stellenwert hat und erreichen das Gebiet der Kurden:

Kurdestan, einmal wieder ein „anderes“ Iran. Die Tracht, die Sprache, die Mentalität, die Dörfer und Städte.
Es folgt eine Fahrt durch das legendäre Howraman Tal, steil und bergig. Die Dörfer sind erhalten dank uneinnehmbarer Lage in der früher viel umkämpften Region – ein spektakulärer Landstrich.

So oft wird geschwärmt davon, es ist schon atemberaubend hier, allerdings eine Strecke für Auto-Sightseeing a la Iraner. Mit Stellplätzen haben wir uns schwer getan, alles ist sehr steil.

Noch vor Paveh:

Wir wühlen uns durch Paveh …

… und machen den Schlenker in das Howraman Tal.

Der Diyala Fluss unterhalb der Staumauer:

Und schließlich kommt man sich vor wie am iranischen Lago Maggiore:

An steilen Hängen kann man nun mal nicht nächtigen und so finden wir erst am Nachmittag einen Stellplatz mit Blick auf den See, der unter uns gerade seinen Anfang nimmt.

Mit einem Makel: Kampf Kühe!
Achim parkt gerade noch ein, da stürmt eine nicht liebliche Herde Milchkühe mit einer Wolke Fliegen über den Häuptern auf unsere Hunde zu. Es ist ausnahmsweise nicht den jagdlichen Vorlieben der beiden zuzuschreiben, dass das Chaos ausbricht.
Nachdem der Kampfknirps da steht wie ein kleiner Schwarzenegger und die Herde ankläfft, zischt er nach einem Frontalangriff des Huf-Bataillons in die Bäume und ward eine Stunde nicht mehr gesehen. Gizmo, der strategische Verteidiger muss das natürlich wieder ausbaden, übernimmt die Führung und erntet einen Einkesselungsversuch schnaubender Eutertiere.
Mir ist mittlerweile mulmig und ich höre mich noch rufen: „Lauf, Gizmo lauf!“ während Achim endlich langsam aus dem Fahrerhaus krabbelt und mit einem „Ho Ho“ sein Bestes versucht.

Am nächsten Tag schrauben wir uns weiter hoch:

Erreichen das Dorf Slyn:

Wieder über Serpentinen…

… über eine Brücke zum Quellwasser….

… gelangen wir zu einem grandiosen Stellplatz:

Eine Sackgasse:

Nur ein Fußweg führt weiter, an Wasserläufen entlang durch ein Dorf im Wald wie von Robin Hood geschaffen. Es eröffnet sich uns schließlich ein toller Blick auf unseren Stellplatz:

Wir erreichen Marivan:

Hoch oben auf einer grünen Bergkuppe stehen wir mit Blick auf den See. Zum Pausieren. Und tatsächlich trudeln irgendwann die Murmeltiere ein und haben für die folgenden Tage die gleiche Route.

Gemeinsam geht es weiter: Großrichtung Sagez.

Stellplatzsuche erfolgreich:
Bachlauf, Quelle, Schatten unter Bäumen, blühende Wiese – alles da!

Und da war er wieder: Der Makel!
Diesmal in Form des gemeinen Wadenstechers.
Und den gibt es wirklich! Stomoxys calcitrans sieht aus wie eine gewöhnliche Stubenfliege doch saugt sie mit ihrem Rüssel tatsächlich ganze acht Minuten an ihrem Opfer herum bevor sie gesättigt von dannen summt. Wenn man sie nur lässt.
Und so schlagen wir unaufhörlich an unseren Beinen herum, können aber nicht verhindern, dass wir am folgenden Tag von Großzehe bis Kniegelenk aussehen wie an Pocken erkrankt.

Die Hunde verweigern den Aufenthalt im Grünen. Das geschaffene, hundegerechte Schutzareal, bestehend aus Hundebett, Moskitonetz und Sonnenschirm wird lediglich von Wadi und Pepe angenommen. Lord Gizmo verweigert jegliche Auseinandersetzung mit der feindlichen Außenwelt und hütet das Sofa im Wageninneren.

Die Strecke von Marivan Richtung Saqez: Ein Traum. Es geht über einen Pass. Mountainbiker, Picknick und Zelte, ein unbeschreibliches Grün und Stellplatzmöglichkeiten überall.

Kurz vor Mahabad im Grünen sagen wir schließlich endgültig (oder vielleicht vorerst) Ade zu den Murmeltieren. Mit Sicherheit sehen wir die Drei irgendwann, irgendwo wieder.

Mein Wanderkollege macht sich vom Acker, wir werden das Lachen von Christina vermissen und den Wadi Hund.
Fast des Schwiiitzer-Dütschs mächtig winken wir am nächsten Morgen zum Abschied.

Für uns geht es weiter Richtung Urmia See.

An einem kleineren See „on the way“:

Und an dieser Stelle könnte man einen typischen Zwischenstopp im Lande der Iranischen Willkommenskultur beschreiben:
(Ohne negative Bewertung aber eben einfach nur typisch…)

Wir tuckern in eine Seitenstraße. Eine Ruhepause wollen wir einlegen.
Pause ist möglich. Mit der Ruhe ist das so eine Sache.
Wir kommen zum Stehen. Nichts außer Feldern, Bäumen und Büschen. Vogelgezwitscher, Froschgequake. Prima.
Nach einer Minute: Das erste Auto trifft ein. Eine Familie heißt uns willkommen. Fotos mit dem Handy. Selfies. Kleinkind will Pepe am Schwanz ziehen. Opa sieht Auto von Innen an.
Nach fünf Minuten: Das zweite Auto trifft ein. Eine noch größere Familie. Gruppenfoto. Selbstauslöser, Selfies.
Nach zehn Minuten: Trecker trifft ein. Kommt zum Stehen und lässt selbstverständlich den Motor laufen.
Dritte Essenseinladung.
Nach einer halben Stunde: Menschentrauben um das Wombat im Dieselgestank.
Wir beschließen dann meist, mit den Hunden einen Spaziergang zu machen und schlappen los, quer durch die grüne Wildnis.
Da kann kein Iraner mithalten. Denken wir.
Von der Ferne sehen wir, dass sich das Menschenaufkommen langsam auflöst, da rennt doch tatsächlich ein Ehepaar von der anderen Seite quer durch ein Weizenfeld auf uns zu, das Handy in der Hand, euphorisch rufend. Eine Zehenlatsche bleibt an den Ähren hängen…..

Später erreichen wir den Urmia See, so salzig, dass man nicht untergehen kann, eine schier endlose Weite.
Wir kommen am nördlichsten Ende zum Stehen und bleiben: Inmitten Feldern aus duftenden Kräutern mit Blick auf das Wasser.

Und einem Hauch Christentum:

Am 21. Mai schließlich überqueren wir den Grenzübergang Kapiköy und verlassen Iran Richtung Türkei. Wo sind die zwei Monate in diesem Land nur geblieben?

Wie gewohnt muss ich am Grenzübergang wieder aussteigen und die Passkontrolle zu Fuß bewerkstelligen während Achim mit den Hunden den Zoll meistert. Äußerst streng und modern mit Ganzauto-Röntgenbild und sogar ein Spürhund wird eingesetzt. Der schlägt prompt Alarm. Seine Nase findet mein Stau Fach in zweiter Etage mit Vorräten an Kräutern und Gewürzen…….

Da stehe ich nun hinter dem Schlagbaum und gucke aus der Ferne zu.
In der Türkei, unter vielen Türken.
Und was passiert?
Doch tatsächlich Nichts!
Niemand will mich fotografieren.
Keine Menschentraube um mich herum.
Nein, ich stehe einfach nur da.
Und atme doch ein wenig auf.

Nur meinen roten Stoffschlauch auf dem Kopf, den ziehe ich noch nicht ab. Ich würde mich sonst sicherlich kahl fühlen;-)

Unsere Gedanken zum Iran:

Insgesamt waren es vier Monate, die wir im Iran verbrachten.
Zwei davon im letzten Jahr von Armenien bis zum Persischen Golf und zwei durch den Westen zurück Richtung Türkei.

Mit Sicherheit stellen wir den Rekord auf, die am wenigsten abgelichteten bunten Mosaike aufzuweisen in so langer Zeit hier als Tourist.
Dafür haben wir mehr grandiose Naturwunder erlebt.

Die erfreuliche Tatsache, dass wir für etwa 6.500 Km zurückgelegte Strecke umgerechnet 260,- Euro Dieselkosten aufwenden mussten wurde bereichert durch die unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Iraner.
Geschätzt 100.000 mal abgelichtet wurden wir mit Handys in Form von Selfies oder Gruppenfotos,
Gefühlte 100.000 mal wurden wir zum Essen eingeladen.
„Come to my home“ haben wir fast täglich gehört.
Bei allen Situationen, die Hilfe erforderten half nicht Einer sondern gleich Dutzende und das innerhalb von Minuten.
Und das in einem Land, zu dem uns viele zu Hause sagten: „Seid Ihr Euch da sicher?“

Ungeachtet dessen,
dass es überall schwarze Schafe gibt,
dass man in diesem Land nicht unbedingt ein Hund sein möchte, es sei denn, man hütet Schafe,
dass uns die herzliche Willkommenskultur manchmal zu viel wurde und Pepe wegen der Grapsch Hände zum „Don Krawallo“ mutierte:

Wir haben die Menschen mit ihrer Herzlichkeit kennengelernt. Die Politik lief erschreckend neben uns her.

 

Irans bergiger Westen: Von Bandar Abbas Richtung Kurdistan

24. März 2019:
Nach einer wahren Begebenheit in der Menschenschlange vor der Passkontrolle in Bandar Abbas:

Um es vorweg zu nehmen: Die Fahrt durch den bergigen Westen Irans hat uns versöhnt mit dem Land. Wir erleben Naturschauspiele, lassen uns ganz langsam treiben durch die Bergwelt im Frühling, größtenteils im Beisein von Christina und Martin mit Hund Wadi und begegnen dem Iran mit viel mehr Ruhe. Alles ist unkomplizierter, ungezwungener unter der Dorfbevölkerung. Wir wandern und erkunden viel und man soll es nicht glauben: Alles, was verschwindet kommt tatsächlich zurück.
Nur das mit den Pannen…..

Und jetzt von vorne, noch in Sharjah, den Emiraten:

Letztendlich war es wohl eine glückliche Fügung, dass die Dienstag-Fähre nach Bandar nicht, wie im Fahrplan angepriesen, ausgelaufen ist. Wären wir sonst genau in ein schreckliches Unwetter geraten, welches den Iran heimgesucht hat. In der Gegend um Shiraz kam es zu etlichen Todesfällen, Autos wurden förmlich durch die Straßen gespült, übereinander und untereinander, zum Glück ohne das Wombat.

Der letzte Tag unter Wolkenkratzern, Ferraris und Lamborghinis:

„Ich habe keine Lust mehr auf die Wolkenkratzer“       „Ich auch nicht“

Bekanntes Terrain eines Bootshundes:

Die Abfertigung am Hafen:

Vier Autos, das sind die „Paulas“, die „Murmeltiere“, Rene mit Brigitte und das Wombat stehen auf dem Unterdeck. Sonst niemand.

Die Ausläufer des Unwetters bescheren uns hier eine unvergessliche Nacht. Es scheppert und knarrt und kracht wenn Wellenbrecher an den Bug schlagen. Ich drücke mehrmals die Hand meines Gatten in dieser Nacht.

Es gibt, von unseren Hunden mal abgesehen, tatsächlich ein Paar unter uns Vieren, welches die Nacht durchschläft…

Gabi bemerkt am nächsten Morgen treffend: „Nich nur eenmool hab ich gedacht, dass der Kutter ooseinander bricht!“
(oder so ähnlich 😉

Nun ja. Wir sind angekommen in Bandar Abbas. Und das am deutschen Frühlingsanfang und Iranischem Neujahr.

Begeben uns nach den bürokratischen Mammut-Formalitäten, die wir so langsam gewohnt sind schnurstracks an den bekannten Stellplatz am Park um die Ecke um einen letzten Abend zusammen zu verbringen. Da war es recht ruhig vor drei Monaten…
Im Iran feiert man jedoch das Neujahrfest. Wir sitzen inmitten unserer Wagenburg wie auf dem Oktoberfest. Dennoch lachen wir uns am Abend krümelig über die unheilvolle Aneinanderkettung der Wombat-Pannen, vom Überrollen unseres Inventars bis hin zur Fischerhütte, die uns begrub.
Alle sind nachträglich erleichtert, die Fährfahrt gemeinsam mit uns an Bord ohne Versinken überstanden zu haben und man trennt sich am nächsten Morgen überschwänglich.

Am nächsten Tag endlich, ja eeeendlich raus aus den Großstädten. Über die Berge, nahezu die Fluglinie Richtung Shiraz, bleiben wir nach kurzer Fahrt an einem Flussbett stehen und starten eine Entsandungs-Orgie des Wombats.
Ungewohnte Geräusche: Ein Kuckuck!
Ungewohnte Farben: Es grünt!
Ein langer Spaziergang über Hügel, durch Felder unter Grillenzirpen und dem Geflatter tausender Schmetterlinge – wir atmen durch!


Mit unzähligen Powermagneten und hitzestabilem Fußbodenklebeband optimierte ich noch in Dubai unsere Barriere gegen lästige Flugobjekte, in weiser Voraussicht…

Wir sind nun gewappnet mit einem panzermäßig gesicherten Fliegengitter für den Süden Irans und dessen unermesslichen Schmeißfliegenaufkommens.
Und nun? Wo sind sie denn?


Wir fühlen uns wohl. Die ansässigen Menschen, wie wir es vom Iran gewohnt sind, herzlich und hilfsbereit.  Auch bezüglich unserer Hundehaltung entschärft sich ein Treffen mit Einheimischen. Unsere Hunde werden nicht bestaunt wie ein Elefant im Pfälzer Wald, nein, man kennt sich aus oder hat selbst welche. Da hier die Schafs- und Ziegenherden beschützt werden müssen. Hundegebell um uns herum – es hat doch etwas gefehlt!

Ein schöner, für uns im Iran ungewohnter Anblick: Ein älterer Hirte passiert in Begleitung seines Hundes unseren Wombat und begrüßt unsere beiden Vierbeiner herzlich.
Er überreicht uns ein Büschel frisch gepflückter Kamille. „good for…“ und er streicht sich über den Magen.

Wir machen langsam. Ein Besuch des Hayegher Canyons steht auf dem Plan, allerdings erst nach Beendigung der Ferien und des Massenaufkommens.

Man kann aber auch überall einen Abstecher in die Natur machen und einfach stehen bleiben.
Wie sehr man sich doch an einer grünen Wiese und blühenden Blumen erfreuen kann…

Überall blüht der Raps. Ungewohnt für uns allerdings im Beisein von Palmen 😉

Schließlich erreichen wir an einem Samstag den Hayegher Canyon.

Wir tuckern bei sonnigem Wetter die Serpentinen hinauf, wühlen uns durch unzählige Picknick Gelage und machen Halt ganz am Ende in der Ruhe mit Blick auf den Beginn des Canyons. Morgen, am Sonntag sind alle weg. Dann kommen wir!
Doch es erwartet uns nach dem Erwachen etwas völlig Ungewohntes: Dauerregen.

Schade, aber wir genießen dieses Naturschauspiel trotzdem am Nachmittag in einer Regenpause. Ein Trost: Ein herrlich wildes Rauschen in der Tiefe des Canyons.
Am Grat hier entlang zu laufen fordert die Hormone heraus. Bilder können nicht wieder geben, welche Tiefe sich direkt vor und unter einem auftut.

Da unter dem hiesigen Volk das Wort „hiking“ ein Fremdwort ist und man sich darauf beschränkt, im Pick Up Familie inklusive Kühlschrank in die Berge zu fahren um sitzend Picknick zu machen, ist man beim Laufen Mutterseelen allein. Ich wähle die Seite des Canyons ohne Straße, sprich ohne Picknick und laufe auf Ziegenpfaden am immer steiler werdenden Canyon entlang. Der Weg könnte es mit dem besten Europäischen Wanderweg aufnehmen können. Sensationell.

In diesen Tagen findet hier ein internationales Spektakel statt. Am schönsten Aussichtspunkt wagen sich Irre aus allen Ländern über schwingende Spannbänder.

„Keep calm and practic slackline“

Unter Ihnen über 400 Meter Abgrund und das über Distanzen, dass es einem graust.

Achim ist „kurz“ davor, es auch zu versuchen 😉

Man muss schon Herr über seinen Geist sein, um so etwas zu bewerkstelligen.
Wir waren zu spät, man war schon am Abbauen. Lediglich zwei „Anfänger“ versuchten sich auf dem kürzesten Stück aber ihr Geist wollte wohl nicht so richtig…..

Es folgt Shiraz. Leider bei bedecktem Wetter.
Man sollte sich bestens informieren über die Feiertage im Iran. Deren gibt es viele, viele. Sonst steht man da und alles hat geschlossen. Die Rosa Mosche mit ihren herrlichen farbigen Kacheln ist immer ein Highlight eines Shiraz Besuchs. Allerdings eher bei Sonneneinstrahlung durch die Fenster und Voraussetzung wäre auch, dass sie geöffnet hat……

Nun ja.
Das Mausoleum des Sayyed Mir Mohammad hat geöffnet:


Besonders hervorzuheben sei hier das bezaubernde Outfit der weiblichen Touristen aus China. Die bunte Einheits-Tracht könnte nicht vorbildlicher sein, was die Kleiderordnung für Frauen im Iran angeht.

Am heutigen hohen Feiertag begrüßt man den Frühling und jeder Iraner, aber auch jeder, fährt mit  vollgepacktem Auto und Grasbüscheln auf der Motorhaube in die Natur. Um was wohl zu machen? Picknick!

Ein fast schon vergessenes Phänomen hält uns deshalb ab vor der Persepolis-Besichtigung: Stau!

Zum Stehen kommen wir schließlich auf der anderen Talseite am Fuße eines prächtigen Bergmassivs nahe Naqsh-e Rostam. Dabei handelt es sich um vier Felsgräber mit sassanidischen Steinreliefs. Hier sollen angeblich ruhen: Dareios II, Artaxerxes I, Dareios I und Xerxes I. Aber so einig ist man sich da nicht.

Wir jedenfalls, noch äußerst lebendig, parken unweit der Toten vor dem Berghang und setzen uns der sinnflutartigen Bestürmung der iranischen Bevölkerung aus.

Man wäre zwanzigmal eingeladen, den Hungertod stirbt man als Tourist nicht in diesem Land, jedoch nur eine Einladung kann man annehmen.

Wir freuen uns: Die „Murmeltiere“ gesellen sich wieder zu uns:

Des Morgens Unmengen an blökenden Schafherden, die uns passieren.

Die Besitzansprüche werden eindeutig geklärt:

Ach ja. Dann haben wir natürlich noch die Gräber besichtigt:

Der Spuk ist vorbei, die Straßen sind wieder leer, wir besuchen Persepolis.
Durch das Tor des Xerxes hinein in die Kultstätte:

Auch mit „Späßchen“:

Kultur macht müde. Eine kurze Strecke in die Berge hinein gen Westen:

Hier an diesem Ort werden wir Opfer des zweiten „Handy-Klaus“. Nach Ausschlussverfahren erfolgt eine eindeutige Identifizierung des Täters. Das einzige Mädchen, dem wir kurz das Wombat von innen zeigten. Sehr kurz. Sie war flink.
Wir trotteln ins Dorf und diskutieren heftig mit Hilfe unserer Übersetzungs-App. Das Dorf ist in Aufruhr, man lädt uns zum Tee ein und beim Nachhauseweg folgt uns die verstörte Überführte und gibt uns reumütig das Handy zurück. Sie wird wohl nie wieder klauen!
Wir lernen, keine Führungen und Verführungen mehr!
Treten wir etwa in eine neue Phase ein?  Erhaltung statt Verlust…..

Die Einheimischen aus dem Dorf besuchen uns später mit einem Picknick Korb. Es wird ein lustiger Abend mit Safran Tee und viel Gelächter.

Mein erster Morgen seit Reiseantritt mit leicht verschnupfter Nase 😉

Unseren Hunden wird es so langsam langweilig. Alle Herden sind doch tatsächlich bewacht!

Unser nächstes Ziel: Ein Stausee (Tange baragh river)
Achim versucht zunächst einmal wieder seine Grenzen auszuloten. Diesmal in Schrägfahrt. Das kann sich niemand ansehen, ich laufe!

Zum Stehen kommen wir dann allerdings hier, um die Ecke. Nach einer irrsinnigen Schwüle mit Gewittern und nächtlichem Hagel segnet uns der nächste Tag eine herrlich klare Luft.

Das ist die Frühstückskultur der „Murmeltiere“:

Ein Wasserfall namens „Lost paradise“ soll unser nächstes Ziel sein. Wir wissen schon, warum wir touristisch erschlossene Plätze eher meiden. Plastik Fetzen hängen an den Wurzeln im fließenden Wasser. So viel zum Thema „lost“.

Dennoch imposant. Wir laufen durch die Pools:

Und bleiben auf einem naheliegenden Wiesenstück noch einen weiteren Tag stehen.
Ich erfreue mich an einem Wanderkollegen: Martin schultert mit mir den Rucksack und ab geht es bei typischem April Wetter mit den Hunden an der Schlucht entlang.


Auch Achims Kondition wird immer besser.

Allerdings werden unsere leichten, abendlichen Spaziergänge alle zehn Schritte unterbrochen von energischem Auspusten an Luft um einem anaeroben körperlichen Zustand vorzubeugen.


Bevor es weiter geht: Entschlammung am Brunnen. Es gibt sie tatsächlich noch: Echte Kavaliere!

Und das im Iran. Man reißt mir die Wäsche aus der Hand:

Wir fahren nicht wie Jedermann, lassen den bekannten Margoon Wasserfall links liegen und wählen eine schmale Straße Richtung Tange Boragh Wasserfall.
Wir lernen dazu: Die niedlichen, weißen Straßen in der Länderkarte können sich auf vielfältige Weise offenbaren: Als vierspurige Schnellstraße bis hin zu solch einem Matschvergnügen:

Nach der Schlammschlacht erreichen wir die Schlucht zum Boragh Wasserfall. Der Platz sagt uns nicht zu. Es war die beste Idee, eine weitere Runde außenherum zu drehen, oberhalb des gestauten Sees auf den grünen Hügeln stehen zu bleiben und die Schlucht von oben zu erkunden.

Keine Menschen Seele, kein Müll nur die Schafe und wir!

Ein gemeinschaftlicher abendlicher Spaziergang offenbart uns, wo wir hier gelandet sind. Sensationell!

Wir beschließen, einen Tag dran zu hängen und machen uns am nächsten Morgen wieder auf die Socken. Höhenängste überwindend am Grat entlang. Ein Naturschauspiel, das touristisch nicht an die große Glocke gehängt wird.

Typisches April Wetter haben wir. Man sagt, für die Jahreszeit ungewöhnlich nass und kalt.
Man signalisiert die Bereitschaft für eine Wolldecke:

Auf der Weiterfahrt. Das Zagros Gebirge wird immer schöner.

Die Frauen in bunter Tracht statt in schwarzem, allesverhüllendem Stoff.
Landwirtschaftlich geprägte Natur.

Nomaden, die mit ihren Herden und der Natur eins sind.
Und das vertraute Bellen und die Besuche der Hütehunde oder der Wilden in den Abendstunden. Hunger scheint hier keiner zu leiden von ihnen. Also den Hunden.
Wir lernen den Iran von einer anderen Seite kennen.
Und genießen.

Achim und seine Hupe:
Ich glaube, wir haben schon drei an Bord aber es muss eine Neue sein. Eine Laute. Billig im Iran erhältlich.
Drei Stunden in Jasuj haben wir schon gebraucht um endlich unseren aufgeschlitzten Reifenmantel kleben zu lassen. Und dann noch die Hupe.
„Das dauert nur eine halbe Stunde“ sagt Mann. Frau wartet. Und das weitere drei Stunden.
Unermüdlich kraxeln Männer auf dem Wombat herum bis alle Anschlüsse stimmen und dann die Ernüchterung: Zum Wombat würde ja ein tiefes Dröhnen passen dachte ich mir so.

Es rollen sich einem fast die Fußnägel auf vor Schreck. Die Hupe klingt wie Frosch Kermit (wer ihn noch kennt) kurz vor dem Abschlachten. Man erschrickt zu Tode.
Aus der Stadt hinaus erprobt mein Mann freudestrahlend seine Errungenschaft und ich bestehe darauf, vorgewarnt zu sein. Ich hoffe, alle älteren Fußgänger haben das überlebt.

Schließlich erreichen wir am Abend, zusammen mit den „Murmeltieren“ den Dena Nationalpark.
Die weißen Viertausender hinter grünen Wiesen. Noch ziemlich weit unten erholen wir uns erst einmal vom „Hupen-Stress“.

Am nächsten Morgen erwartet uns Kaiserwetter und wir fahren die Serpentinen hinauf.

Mit Martin breche ich kurzentschlossen zu einer Wanderung auf, die eigentlich gar nicht geplant war. Das Frühstück schon lange verdaut, lediglich eine armselige Flasche Wasser und natürlich Hundefutter im Rucksack.

Meine Gedanken sind schließlich bei Tortellini in Sahnesoße und Schwarzwälder Kirschtorte. Alles dabei bis zur Bockwurst. Als ich mir schon überlege, ob man Eicheln essen kann, kommt das Unerwartete: Am Bachlauf ganz weit draußen in der Natur vier Einheimische. Picknick! Und die müssen tatsächlich zu Fuß hierhergekommen sein.
Und diesmal, aber auch wirklich nur diesmal nehmen wir die Einladung an, der Hühnchen Spieß schreit zu verheißungsvoll nach mir. Ich öffne beim Kauen meinen leeren Rucksack und zeige ihn vor, mache eine Mimik wie kurz vor dem Verenden, beiße in das Huhn und zeige imaginäre Bizeps. Man versteht mich voll und ganz und füttert weiter.

Gut gelaunt, gestärkt und ohne Kräfteverfall  wird es eine tolle Wanderung mit atemberaubender Kulisse!

Wombat und Murmeltier-Bau stehen am Berghang vor einer Schranke denn ohne Permit (mal wieder) darf man hier gar nicht rein in den Nationalpark. Ob das auch für das Wandern gilt, da sind wir uns nicht einig…..

Am Abend grillen wir frisch gefangene Forelle und die Füchse heulen um uns herum. Gizmo ist wieder in seinem Element!
Weiter oben gibt es hier auch Braunbären, Leoparden, Wölfe, Wildkatzen, Dachse und anderes Getier. Viel weiter oben, so beruhigt man uns lächelnd.

Da hatten wir ein Glück mit unserer Wanderung mit Kaiserwetter. Am nächsten Tag rollen wir hinunter auf eine Art Alm und begucken uns das Bergmassiv aus einer anderen Perspektive. 
Unter Picknickern.
Es ist Freitag!
Ein Gewitter rollt an und es kühlt ab auf 6 Grad Celsius. Wir sitzen im warmen Wombat und bestaunen die Hartnäckigkeit der iranischen Bevölkerung aus dem Fenster heraus.

Am Abend haben sie alle aufgegeben. Wir genießen die Stimmung nach der Kaltfront:

Brot: Frischer geht nicht!

Am nächsten Platz der Dena von der anderen Seite:

Ich entführe Christina einmal wieder meinen Wanderkollegen:

Von 2000 Höhenmetern auf 800. Von 8 Grad Celsius Außentemperatur zu 30 Grad in der Sonne.
Eine herrliche Strecke von Lordegan Richtung Westen. Zwar schlaglochträchtig, dennoch atemberaubend!

Der Karun schlängelt sich türkisblau hier entlang und wird durch die vielen gigantischen Staudämme mit Wasserkraftwerken an vielen Stellen zum See.

Heizung wird ausgetauscht gegen Ventilator. Eine Affenhitze!

Auch hier Ziegen- und Schafsherden ohne Ende. Man kann förmlich die Sprechblasen über den Köpfen unserer Hunde und den Hütern der Herden lesen.
„Meine!“ „In Ordnung. Deine!“
Alles völlig eeeeentspannt.

Die Straße weiter Richtung Izeh ist landschaftlich sensationell, man muss jedoch aufpassen, dass man sich beim In-der-Nase-Bohren nicht den kleinen Finger bricht. Wir werden durchgeschüttelt vom Feinsten. LKWs rollen hier die Straße krumm und löchrig und dazu kommt noch der uns entgegen kommende „Almauftrieb“. Unendlich viele Schafsherden werden in die Höhen des Gebirges getrieben. Das natürlich auf der Straße.

Die ärmeren Hirten begleiten ihre Tiere zu Fuß.
Die Mittelschicht nimmt das Moped und besitzt Hunde.
Die Reichen lassen ihre Wolltiere auf einen LKW gepfercht hinauf kutschieren.
Ein einziges Chaos.

Unsere festgezurrte Leiter an der Außenseite macht die Flatter. Ein Schlagloch war wohl zu viel. In einem Tunnel fliegt sie von dannen und Achim kann sie zu Fuß gerade noch retten vor dem Wechsel ihres Besitzers. Ein Iraner hatte sich schon gefreut und sie auf sein Autodach geschnallt.

Wir machen Schüttelpause an einem gigantischen Staudamm mit Aussichtspunkt:

Und verbringen des Rest des Tages und die Nacht an dem geschichtsträchtigen Platz Kul Farah, bei Izeh, unter Werken eines Volkes, welches vor über 3000 Jahren hier werkelten. Sechs elamitische Steinreliefs kann man hier bestaunen. Ein offenes Heiligtum, eines der größten Werke dieser Art und wenig besucht. Sogar wir Kulturbanausen empfinden Ehrfurcht.

Ja und Auslauf brauchen wir auch. Wobei alles seine Grenzen hat:

Der Kreislauf von Mensch und Hund wird auf die Probe gestellt. Ein ewiger Rhythmus: Sonnige Kaisertage, Hitze-Tage mit Schwüle, Gewitter mit Hagel, ein Regentag, ein wechselhafter Tag, ein klarer Tag mit Kaiserwetter….. und so fort.
Eine ständige Überraschung weil ohne Netz keine Wettervorheransage.
Dazu kommt, dass wir die Höhen wechseln von knapp über Null bis 2000 und somit auch den Gebrauch zwischen Heizung und Ventilator, Wollschal und Flip Flops.

Eigentlich wollten wir weiter westlich fahren, dort wo die Berge flacher sind. Schließlich scheint es für die Bergwelt um Schar-e Kord noch zu früh zu sein. Vor allem für die Murmeltiere mit kaputter Heizung im Auto. Aber da sitze ich nun im Auto mit meinem Kopftuch, leide schwitzend Höllenqualen mit meinem überhitzten Schädel und frage mich, warum wir schon wieder in der Hitze herum fahren.
Tja, kurzentschlossen initiiere ich Plan B: Statt über die westliche Ebene schlagen wir einen Bogen durch das Bazoft Tal doch hinauf in die Berge um Schar-e Kord. In die angenehm kühle Bergwelt, so dachte ich …….
Todesmutig wagen es die Murmeltiere, sich ohne Heizung im Wagen anzuschließen.

Meinen Geburtstag verbringe ich aber zunächst noch in tieferen Lagen an einem Traumplatz, an einer Schleife des Karun. Bei 30 Grad im Schatten…..
Aber mit Lagerfeuer und Dank Christina einem Geburtstagskuchen.

Oberhalb unseres Platzes macht man die Schleusen auf:

Es folgt ein Tag, den man gerne hat 😉
Es beginnt harmlos mit der morgendlichen schwerwiegenden Entscheidung, ob man diesen herrlichen Platz verlassen oder noch genießen sollte.
Wir rollen schließlich doch los. Nur ein kleines Stück wollen wir zurücklegen…..
Der Reifen hinten rechts hat uns nicht lieb. Fünf Dörfer weiter piepst der Reifendruck-Warner schrill und ich sacke unaufhaltsam langsam nach unten.
Und wieder muss man sie erwähnen: Die gigantische Hilfsbereitschaft im Iran.
Wenn man hier so schräg herum steht am Straßenrand, vergehen kaum Minuten bis Hilfe da ist. Wobei ich schäbiger Weise immer denke, warum hier Keiner was zu tun hat…
Kurz und gut: Man kurbelt mit, wühlt unter dem Wombat herum, organisiert einen Pick up und hievt gemeinschaftlich mit völlig verdreckten Klamotten das Rad-Monstrum auf die Ladefläche um es zur nächsten Werkstatt zu fahren.
Weg sind sie.
Christina und Martin harren mit mir aus um höflich allen anhaltenden Autos zu erklären, das wir bereits Hilfe erhalten haben.
Na, es wird Nachmittag, bis wir weiter kommen. Und manchmal ist es so, dass man fährt und fährt und fährt und fährt und einfach keinen Stellplatz findet, der angemessen für unsere gehobenen Ansprüche wäre.

So oder ähnlich rollen wir dahin, leider bei grauem Himmel:

Endlich, am Abend wählen wir einen Seitenweg, halten und deklarieren diesen Platz als Notlösung.
Tja, unsere „Verlust-Energie“ ist wohl auf die Murmeltiere übergesprungen. Nachdem ein Schafshirte denen vor Tagen schon die Gummidichtung aus dem Fenster heraus puhlte, sind es heute die Wanderschuhe. Mit einer Dreistigkeit um die Ecke gegriffen, aufs Moped gesprungen und ab ging die Post mit der Beute.
Da waren sie wieder: Die schwarzen Schafe unter der sonst so ehrlichen Bevölkerung.
Suchaktion, großes Tumult und die Polizei wurde blöderweise auch noch aufmerksam auf uns. Peinlich berührt waren sie wegen der Sache.
Ende des Tages: Man nötigt uns aufs Freundlichste, zur Sicherheit auf einen Hügel Nähe der Polizeistation eskortiert zu werden. Gar nicht so schlecht der Platz mit Blick auf einen See. So stehen wir mit einer Meute netter iranischer Polizisten lachend da, so kurz vor Mitternacht und singen: „So ein Tag, so wunderschön wie heute….“
Da hören wir ein Zisssssssch. Der rechte hintere Reifen! Achim hechtet mit dem Wagenheber unter das Wombat damit wir die Nacht gerade verbringen können……….
(Das Ventil wurde beim Reifenwechsel beschädigt)

Der nächste Morgen begrüßt uns mit einem Wetterumschwung: Wo war doch meine Daunenjacke? Wieder im Staufach?
Hauptsache in die kühle Bergwelt gefahren!

Die Überraschung: Dank eines nächtlichen Einsatzes der „Soko Iran“ wedelt Martin mit seinen wieder auferstandenen Wanderschuhen. Ich hoffe, dass der arme Dieb seine Hand behalten durfte 😉
Christina gibt Kuchen aus.

Es wird ein feuchter, nächster Tag. Unwetter. Wir harren aus und werden auf königliche Weise versorgt mit frischem Brot, Süßteilchen und Gemüse. Die Polizei Dein Freund und Helfer.

Achim ist den ganzen Tag am Werkeln bezüglich Reifen hinten rechts.
Man hilft uns, unseren Reifen einmal wieder auf einen Pick Up zu laden um den Schlauch wechseln zu lassen.

Aber ich stelle mal wieder fest: An einem Burn-Out wird hier im Iran niemand erkranken!

Werkstatt Alltag im Iran. Einmal wieder 3 Euro 65 für den Weifendienst….

Achim im Matsch am Nachmittag: Ein Outdoor Leben kann ganz schön anstrengend sein!

Es geht schließlich hoch. Ziemlich hoch. Über einen Pass ins Bazoft Tal.
Über Hitze kann ich mich in keinem Fall mehr beklagen. In der Nacht donnern Hagelkörner auf unser Dach.

Das Tal ist ein Traum. Vielmehr: Es muss ein Traum sein. Bei schönem Wetter. Wir durchfahren es im April mit typischem „Wettergekasper“. Ein Jammer.

Unsere Stellplatzsuche….

…. gestaltet sich schwieriger als wir gewohnt sind. Durch die starken Regenfälle ist der Boden so aufgeweicht, da geht es nicht so wie gewohnt, einfach mal in die Seitenwege eingebogen und im Grünen stehen. Der Matsch klebt uns schon fast an den Ohren.
Wir müssen unsere gehobenen Ansprüche wohl herunter schrauben, sollte man meinen……

Das Wetter am nächsten Tag einmal wieder verheißungsvoll. Es geht weiter über die Berge Richtung Chelgerd:

So ein Stellplatz ist doch eigentlich schön, oder?

Aber nein, es muss da in der Nähe noch etwas Besseres geben. Über einen Schotter-Schlamm-Weg geht es auf die Suche! Die Imker beim Vorbeifahren warnen uns noch aber mein Achim und sein Wombat rumpeln weiter. Es ist Ostermontag und die Eiersuche wird wohl übertrieben. So schräg lagen wir noch nie:

„Nicht schon wieder!“:

Drei Minuten später, das Dorf Volk versammelt sich:

Beratschlagung, ein Bulldozer wird telefonisch geordert:

Eine Stunde später, erster Versuch des Bulldozers:

Zwei Stunden später, immense Flurschäden sind zu bezeichnen. Die Polizei ist mittlerweile auch eingetrudelt:

Drei Stunden später, unterm Wombat wird ausgehöhlt:

Mit Erfolg. Ich jodle vor Glück. Das Wombat ist nicht umgekippt!
Und das hinterlassen wir:

Am Ende sind wir hundert Dollar leichter und landen zum Nächtigen vor der Polizeistation in Samsami. Wieder eine Nötigung nur nicht so freundlich. So ganz verstanden haben wir das nicht. Ob der Grund böse Räuber oder wilde Tiere waren?

Egal, wir folgen der Polizei im Konvoi und nächtigen mit Ausblick auf Mülltonnen und Tankstelle.
Das hat man von seinem Stellplatz-Perfektionismus!
Wir machen noch Witze: Wir könnten uns die mühsame Stellplatzsuche sparen und einfach von Polizeistation zu Polizeistation fahren…..

Ein Erwachen mit Grauen: Regen, der in Schnee übergeht. In der Ferne donnert es. Mal was ganz Neues 😉
Trotzdem auf nach Chelgerd. Ein bekanntes Skigebiet hier im Iran.
Es macht ein wenig traurig denn man sieht auf der Strecke tollePlätze zum Verweilen, an Bächen, Seen, an einem Canyon aber leider alle, durch den aufgeweichten Boden nicht befahrbar. Hier bräuchte man einen Panzer.

Chelgerd selbst hat in keiner Weise den Charme eines Skidorfes, so wie wir das kennen. Wie überall hier einstöckige Betonbauten, an denen die verrosteten Eisenstangen für den (geplanten?) zweiten Stock in die Höhe ragen.
Nix wie durch. Noch ein Stück höher Richtung Skigebiet.
Auf 2600 Metern Höhe wird es schmaler. Ich frage mich, was wir hier eigentlich machen… Wer hatte doch die Idee hier hoch zu fahren?

Ob wir vielleicht jahreszeitlich doch zu früh dran sind für diese Region?

Ich steige irgendwann mal aus. Selbst eisiger Wind und Schmelzwasser unter den Pfoten hält Pepe nicht davon ab, mich zu begleiten. Lord Gizmo beguckt uns vom Cockpit aus und verdreht wohl die Augen.
Die Daunenjacke immer noch im Staufach, gehe ich zügigen Schrittes um mal zu gucken, was da noch so kommt.
Und schließlich die unausweichliche Tatsache: Hier geht es nicht mehr weiter!

Die Sonne kommt durch und plötzlich haben wir Kaiserwetter. Die Murmeltiere ohne Heizung treffen jetzt auch ein. Wir beschließen, hier oben zu bleiben.
Der Grund: Keiner hat mehr Lust auf eine Stellplatzsuche 😉

Tja, und hier, an der wohl (hoffentlich) kältesten Stelle im Iran auf der Rückreise beschließen wir, den Blogeintrag zu splitten bevor er Überlänge erreicht.
Das war Teil 1 von Bandar nach Chelgerd bei Schar-e Kord, bewältigt in knapp einem Monat.
Könnte ein Rekord sein im entschleunigten Reisen 😉
Wir kommen wohl zurück zu unserem wahren Naturell. Auch Dank der Murmeltiere. In der Schweiz geht sowieso alles gaaaanz läääääässig.
Außerdem haben wir ja ein Zwei-Monats-Visum …..

Oman – Masirah Island

Februar 2019

Immer wieder werden wir belächelt oder aufs Schlimmste ausgelacht.
Urlaub? Ihr macht Urlaub?
Jawoll, wir machen Urlaub auf Masirah Island.

Luft auf die Reifen für den Asphalt, Luft ablassen für den Sand. Ein ewiges Hin und Her, schon auf dem Festland. Hier auf der überschaubaren Insel lösen wir das ganz einfach:
Mit zwei Bar Luft auf den Reifen tuckern wir gaaaanz langsam auf den Asphaltstraßen, immer am türkisblauen Meer entlang, gewappnet für einen Abstecher nach dem anderen in den Sand. So kommen wir an die schönsten Stellplätze, direkt am Meer meist mutterseelenallein.

Ganze drei Wochen werden es, die wir auf Masirah Island schließlich verbringen. Es ist ein Traum hier.

Zunächst ist die Ostseite an der Reihe: Hier rauschen riesige Wellenbrecher vom offenen Meer heran. Es bedarf einer lauten und deutlichen Satzformulierung um sich verständigen zu können. Eine herrliche wilde Natur mit kilometerlangen Sandständen.

Ein seltener Anblick: Achim in Panik. „Hol‘ den Pepe rein! Da sind Geier!“
Nach einer Debatte zwischen Eheleuten, ob dieses verzottelte Federvieh nun ein Geier oder eine besondere Möwe sei, lassen wir uns später aufklären von einem Ornithologen:
Dies ist ein Schmutzgeier. In unseren Breiten selten, hier häufig anzutreffen. Allerdings wird ein Rollmops wie Pepe nicht zu seiner bevorzugten Beute gehören..

An der „Taille“ der Insel überqueren wir die selbige um die Flachwasserlagunen an der Südseite der Insel zu besuchen.

Hier findet man türkisfarbene Lagunen, flaches Wasser und Strände mit feinstem, weißem Korallensand. So weiß, dass ohne Sonnenbrille gar nichts geht.

Sonnengetrocknete Fische liegen hier im Sand, Pepe futtert sich mal wieder rund. Vielleicht in Erinnerung an seine ersten Überlebensjahre auf Lanzarote.

Unsere Hoffnung auf eine Bockwurst mit sauren Gurken zerschlägt sich: Alex, der Betreiber der Kite Station ist ebenfalls auf Urlaub. In Deutschland.
Es ist fast nichts los an der Station, während der Windsaison muss es hier aber sowas von schön sein! Ein perfektes Kite Revier!

Ein Stückchen entfernt finden wir einen Platz mit Malediven Feeling:

Die Hunde auf ständiger Krabbenjagd.


Auch ein Sichtjäger kann manchmal versagen:

Sandkastenspiele:

Achims Frühstücksritual:

Zur Stärkung, um die Staukiste zum fünften mal zu richten. So schön war sie noch nie:

Wir verabschieden uns von den Fischermännern

Die Insel eignet sich hervorragend für ein Fahrtraining.

Die ganze Insel wollen wir umrunden, müssen aber nach Verbrauch unserer nassen Reserven immer mal wieder zurück in die einzige größere Stadt Hilf zum Wasserbunkern.

Mittlerweile lernt man Wasser zu sparen. Zum Beispiel, indem man Nudelwasser zum Haare waschen benutzt.

Das war natürlich ein Scherz.

Die Nachfrage in der Stadt, wo denn die Wasserstation sei, beschert uns letztendlich die Bekanntschaft mit einer Großfamilie. Hier bekommen wir Wasser.
Inklusive Gesichtsmaske, Tee, Kaffee und traditioneller Süßspeise.

Die Hunde bleiben lieber mal im Wombat und sind wie immer die Attraktion.

Es gibt auf dieser Insel eine unglaubliche Vogelwelt, ein riesiges Fischaufkommen, viele wilde Kamele, einige Ziegen, viele, viele Krabben und
zwei Hunde.
Das sind Gizmo und Pepe.
So stürmen in der Stadt wieder mal die Menschenmassen auf uns zu.

An den Anblick von Scheichs (natürlich nenne ich sie nur so. In Wirklichkeit sind natürlich nur die wenigsten echte Scheichs) haben sich unsere Hunde nun auch gewöhnt. War der Auftritt mit wallenden, weißen Gewändern und Turbanen doch zu Beginn recht ungewohnt, so nimmt man mittlerweile mit Gelassenheit hin, dass ein netter Scheich, das ungewöhnliche Objekt Hund an seiner Leine ausführt.

Mit den vollen Wassertanks und Nahrungsmittel für die nächste Woche trödeln wir mit unseren platten Reifen wieder an die Südküste.

Dies war einer unserer Lieblingsplätze. Korallenriffe laden zum Schnorcheln ein und auch die Hunde haben einen riesen Spaß:

Wir sorgen für einen unglaublichen Gestank in unserem Rollhaus für die nächsten zehn Tage:
Die Küche wird geweißelt. Mit völlig ungiftiger Farbe für den Innenbereich, gekauft in Oman 😉

Das Meer muss hier sehr fischreich sein. Unzählige Fischerboote sieht man auf dem Wasser.

Wir hatten zur Abwechslung schon Pasta auf dem abendlichen Speiseplan, da kommen drei junge Fischer an, landen und beschenken uns reich:

 „Do you want lobster?“

Mir steckt ein Kloß im Hals, dass diese wundervollen, bunten Exemplare auf der Holzkohle enden sollen. Ein Jammer!

Na ja. Tot sind sie ja schon, wir nehmen dankend an und verabreden uns mit den erfolgreichen Jägern zum gemeinsamen Abendessen.

Es folgt die schier aussichtslose Suche nach Brennholz für das Barbecue auf einer Insel ohne Bäume. Reich gesegnet dank einer Siedlung mit verfallenen Holzhütten sieht das Ganze bald so aus:

Und der Abend endet mit dem Hochgenuss von zartem, weißem Langusten Fleisch zwischen den Zähnen, rollenden Augen und grunzähnlichen Geräuschen um das Lagerfeuer herum.

Wir umrunden die Spitze der Insel.
Dies ist (vorerst?) der süd östlichste Punkt, den wir auf unserer Reise erreichen.

Auch hier überall die Spuren von nächtlichen Aktionen der eierlegenden Meeresschildkröten.

Der nächste Stellplatz: An der offenen Seeseite, dennoch etwas abgeschirmt und gut zum Baden, da die Wellenbrecher nicht ganz so hoch sind.

Man möchte die bunten Meerestiere ungern essen, so schön sind sie. Aber diese hier landen schließlich doch auf dem Grill:

Die gesamte, dem offenen Meer zugewandte Küstenseite, ist abschnittsweise Brutgebiet für Meeresschildkröten. Und zwar ein sehr wichtiges. Würde der Mensch hier touristisch erschließen, wäre das ein Desaster. Dem Himmel sei Dank: Das Land Oman ist reich genug. So kann man nur hoffen, dass diese unberührten Strände, den Kröten überlassen, auch unberührt bleiben.

Immer wieder beobachten wir nachts das mühevolle An-Land-Kriechen der weiblichen Kolosse, wie die Wilden schaufelnd um ihre Eier abzulegen.

Aber wir werden nicht nur Zeuge des Werdens sondern auch des Vergehens.
Eine rührende Geschichte:

Auf meinem Abendspaziergang mit den Hunden treffe ich auf eine uralte Meeresschildkröte auf dem Strand. Ihre Patina: Zeugnis von einem langen, langen Leben. Miesmuschelberge auf dem Panzer angebacken, eine fette prangt direkt auf dem Kopf. Die Lederhaut dick und fest. Wir gucken uns direkt in die Augen. Ich kam mir vielleicht klein und unwichtig vor!
Wo die schon überall war?
Zwei Weltkriege hat sie mit Sicherheit überlebt.
Und was macht sie? Mühevolle Kreise drehen im Sand. Irgendwie sieht das so verzweifelt aus und ich frage mich, ob sie auf Grund ihrer Altersschwäche nicht zurück ins Meer findet.
Ich ziehe am Panzer. Hundert Kilo?
Oder will sie hier sterben?
Wie auch immer, ich mobilisiere Achim, der gerade mit einer Entzündung im Mittelfuß kämpft aber dennoch mit humpelt.
Zu zweit schaffen wir es von hinten unter den Panzer zu greifen, und 1 und 2 und 3, stückchenweise das Schwergewicht Richtung Wasser zu zerren. Und werden schließlich erfolgreich.
Nun ja, wir beide. Die Kröte aber plantscht wie wütend ein paar Runden, um dann wieder zu stranden.
Also doch: „Ich glaube, die wollte hier sterben.“
Wir trotten traurig zum Wombat zurück. Wobei eigentlich nichts Trauriges dabei ist, sofern das Großmuttertier nicht krank war sondern einfach nur alt.
Ich frage mich, ob Meeresschildkröten nicht nur zum Eierablegen sondern auch zum Sterben wieder an den Platz zurückkommen, an dem sie geboren wurden.

Am nächsten Morgen liegt sie friedlich eingeschlafen dort, wo sie umständlich und zweifach gestrandet war.

Eigentlich wollten wir nach der zweiten Woche Masirah wieder rüber ans Festland fahren, um uns in die sogenannten „Sugar dunes“ zu stellen. Das Gebiet um die Halbinsel Hikman muss herrlich sein, mit riesigen, weißen Sanddünen und türkisfarbenen Lagunen, ebenfalls ein Kite Revier bei Sommer Monsun.
Nachdem wir jedoch recherchierten, dass die Offroadstrecke dorthin durch salzhaltiges Gebiet führt und immer wieder vor „stucking“ (wohlgemerkt von kleinen Jeeps!)  und dem „Verdursten“ gewarnt wird, haben wir augenzwinkernd davon abgesehen, unsere 12-Tonnen noch einmal aus dem Salzboden ausbuddeln zu müssen..

Kurzerhand folgt der Beschluss: Wir bleiben noch eine Woche auf Masirah.             

Noch ein paar Eindrücke vom Inselleben:

Wir sind ein wenig wehmütig weil es jetzt wieder Richtung Norden geht.
Wir verlassen Masirah Island.

Und wieder warten wir auf der Fähre, dass diese endlich voll wird.

Das wäre auch ein toller Lebensentwurf. Aber leider sind die Kutter nicht hochseetauglich:

Völlig eeeentspannt verlassen wir Masirah Island mit einem Sack voller Muscheln und einer wieder aufgeflammten Reiselust.

Wir kommen nicht weit, treffen auf ein äußerst lustiges, lebensfrohes Gespann:
Gabi mit Frank aus Deutschland mit ihrem Paula-Laster und Christina mit Martin aus der Schweiz mit  Murmeltieren in Öl auf dem Reisegefährt.

Kurzerhand beschließt man zu pausieren und gemeinsam den Tag zu verbringen. Es wird ein richtig lustiger Tag.

Am kommenden Tag stranden wir vor dem Wadi Shab. Das Selbige wird durchwandert:

Im Wadi beglücken uns mehrere Reisegruppen.
Es wird ganz lustig am Ende des offiziellen Wanderwegs, gemeinsam mit den Passagieren der Aida in den Pools zu schwimmen.
Ich warne vor den Wasserschlangen und bin bald alleine da drin.

Völlig unkompliziert beantragen wir das Visum für den Iran in Muscat und machen uns nach zwei Monaten in Oman auf den Weg Richtung Grenze zurück in die Emirate.

Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben. So überschwänglich hatte ich die Unkompliziertheit der Grenzüberquerungen mit unseren Hunden gelobt. Man belehrte uns eines Besseren:

Die Einreise vom Oman in die Emirate ließ uns gefühlte zehn Jahre altern:

Ich führe das Problem hier auf, auch für ambitionierte Omanreisende mit Hunden im Auto, die sich auf unsere Seite verirrt haben, nehme allerdings vorweg: Nur wir haben diesen Mist erlebt. Eine Hand voll zeitnah Reisender mit Hunden sind alle komplikationslos durchgekommen, ob geflüchtet, mit versteckten Hunden oder einfach mit Glück ohne Anwesenheit eines Veterinärarztes.

Das sind die bürokratischen Fakten:

Um in die Emirate mit Hunden einreisen zu dürfen benötigt man ein besonderes Import Permit, bestehend aus einer aktuellen veterinärmedizinischen Untersuchung, eines Antikörpertests für Tollwut neueren Datums, Impfungen und dazu eine Zahlungsbestätigung einer beachtlichen Summe Geldes.
Unseres Wissens reichen regelmäßig durchgeführte Tollwut Impfungen zusammen mit einem einmaligen Antikörpernachweis (auch älteren Datums) aus, um einen ausreichenden Schutz vor Tollwut nachzuweisen. Das war auf unserer Reise bisher immer so.
Hier in den Emiraten nicht. Oman gilt als tollwutgefährdetes Land und die Auflagen sind strenger, in die Emirate einzureisen.
Wobei ich mich frage, wie Kamele und Krabben Tollwut übertragen können. Etwas anderes haben unsere Hunde nicht getroffen…..
Tja, um dieses Permit zu erhalten, hätten wir zurück in den Oman reisen müssen und für das Procedere Monate gebraucht. Wie soll das funktionieren mit abgelaufenem Visum? Immer wieder rein und raus?

Unser erster „Grenz-Tag“:
Grenzübergang Fudschaira, Aufenthalt 7 Stunden zwischen zwei Schlagbäumen:
Ausreise Oman, Einreise Emirate, „Stempelei“ bis zum letzten Schlagbaum an der Grenzstation, Zoll und Veterinärmediziner. Auflagen nicht erfüllt. Lange, lange Diskussion, schließlich hat man uns am Hafen von Schardscha, kommend aus dem Iran problemlos einreisen lassen mit den Vierbeinern.
Am Ende rät man uns, nach Hause zu fliegen, die Nerven explodieren, Kehrtwende.
„Stempelei“: Ausreise Emirate, Einreise Oman bis zum Schlagbaum. Ein omanischer Grenzmann holt uns zurück, „das muss doch funktionieren“. Erneute Dokumente, „Stempelei“, fünf Tees.
Einreise in die Emirate bis zum Schlagbaum beim Veterinärmediziner. Erneute Diskussion, weitere zwei Stunden. Nichts zu machen. Kehrtwende. Ausreise Emirate, Einreise Oman, wieder „Stempelei“. Durch den Schlagbaum in den netten Oman zum Strand vor dem Grenzübergang.

Die Hunde müssen Energie los werden und jagen tollwütige Katzen an der Steinmole.

Was tun?

Ein nächster Versuch, zweiter „Grenz-Tag“:
Grenzübergang Hatta, Aufenthalt 13 Stunden zwischen zwei Schlagbäumen:
Wir probieren es am Grenzübergang Hatta. Ein Verstecken unserer Chaoten wäre nur mit Vollnarkose möglich. Also liegen sie einfach beleidigt hinten in der Kabine.
Ausreise Oman, Einreise Emirate, „Stempelei“ bis zum letzten Schlagbaum. Zoll. Und oh nein: Man guckt ins Auto. Hunde? Ab zum Veterinärmediziner. Gleiches Pozedere. Letztendlich kann man uns nicht sagen, was wir tun sollen, man ist schlichtweg ratlos. Kehrtwende, „Stempelei“, Einreise zurück in den Oman. Achim steht fix und fertig am letzten Schalter für den (vorerst) letzten Stempel und macht wohl einen äußerst Mitleid erregenden Eindruck.
Da fallen Engel vom Himmel: Jasmin und Rua. Jasmin, mit deutschem Vater, in Dubai wohnhaft und auch des Arabisch mächtig: „Ich hole Euch da raus! Das wollen wir doch mal sehen! Meine Mutter ist Rechtsanwältin“
Ich gucke mir diese quirlige, liebenswerte und selbstsichere junge Frau an und denke: Wenn nicht sie, dann keiner!

Ich verkürze hier: Jasmin versucht alles! Alle sind sie auf unserer Seite, sämtliche Zollbeamten, Büroleute und sogar der Veterinärmediziner. Aber das System…
Es wird gemailt, angefragt, erklärt bis auf höchste Ebene. Wir warten, heulen und beten. Gegen Mitternacht dann endlich von ganz oben eine Antwort: NEIN!!

Es dauerte keine drei Minuten, wir hauen einfach ab, packen unsere Hunde ein, starten den Motor und fahren hinter Jasmin und Rua durch den letzten, offenen Schlagbaum einfach in die Emirate ein. Der Mann in dem letzten Häuschen knotet wohl gerade seine Schnürsenkel….
Ich glaube, keiner der anwesenden Arbeiter hat ernsthaft geglaubt, dass wir wieder in den Oman zurück fahren. Irgendwie waren sie alle irgendwo verschwunden um ihre Blase zu entleeren oder in den Mond zu gucken. Und vielleicht heilfroh und erleichtert, dass dieses jammervolle Gespann endlich einfach da durch fährt……

Mit einem Dutzend Einreise- und Ausreisestempeln im Reisepass „düsen“ wir des Nachts hinter dem Auto von Jasmin und Rua durch die Berge Richtung Dubai, machen Stopp in der Wildnis und haben uns erst einmal alle in den Armen.

Zwei Tage später treffen wir wieder in Dubai ein. Wir harren noch ein wenig länger hier aus. Die Fähre in den Iran zu unserem geplanten Termin wurde nicht eingesetzt. Wir warten bis zum nächsten Sonntag, es gibt Schlimmeres 😉

Ausflug in die Duabai Marina:

„Iran is great“ mangels bürokratischer Papiere immer noch am selben Platze:

Mit akribischer Regelmäßigkeit begibt sich die Familie in die Stadt zum „Sporteln“.
Ein wenig Gymnastik kann mir nicht schaden, denke ich, schließe mich an und …
…. wo lande ich?
In einer Zirkusschule!

 

 

 

 

Arabien – Oman

10. Januar 2019

Es geht über die Grenze zum Oman.
Aus der Vogelperspektive drehen wir eine dreiviertel Stunde Achten. Drei Mal durch den Schlagbaum zum Oman, zwei Mal durch den Richtung Emirate wieder zurück. Man ist sich nicht einig, was ein Carnet de Passage ist und wo dies abzustempeln sei und so kreiseln wir herum im Grenzgebiet.
Danach kennen uns alle Grenzbeamten gut!
Inklusive tierischer Beifahrer:
Sollte sich jemand fragen, ob es problematisch ist, mit Hunden in den Oman zu reisen, so lautet unsere klare Antwort: Nein. Nicht für uns. Man hört ja so Einiges, Unklares…
Vielleicht liegt es an der Offensichtlichkeit und Selbstverständlichkeit, mit denen unsere zwei mitten im Fahrerhaus thronen und sofort Sympathie ernten. Versteckt man seinen Vierbeiner im hinteren Eck des Wagens, vielleicht noch angeleint und protestierend, könnte eine Kontrolle eher wahrscheinlich sein. Soviel zu unserer persönlichen Theorie.

Wir sind also in den Oman eingereist, freuen uns auf die endlosen Sandstrände, die Dünen und Wadis und hoffen, dass die Melonen hier günstiger zu ersteigern sind als für umgerechnete 10 Euro.

Die Fahrt geht an der Küste entlang. Die ist bis Maskat so ziemlich verbaut. Also geht es etwas zügiger voran. Wir treffen die „Lasterliebe“ wieder. Dany, Andy mit ihren zwei Kindern sowie Punktehund Meggy, eine Dalmatiner Dame in eben diesem Laster unterwegs. Im Norden Irans hatten wir uns kennen gelernt.

Endlich einmal wieder: Ein langer, endloser Sandstrand, Der Sawadi Beach:

Aber nicht mehr lange so leer. Es ist Wochenende, also ein Freitagabend. Unzählige Familien tummeln sich bald um uns herum und mit ihnen unzählige Feuerstellen und unzählige Fleischspieße.

Nachdem uns Gizmo einen riesigen Berg anverdautes Hundefutter vermischt mit Tortellini, Kebab Stücken, Brot, Kartoffelsalat und Silberzwiebeln vor unserem Kühlschrank präsentiert, ist eine Umsiedelung empfehlenswert.

Wir landen ein paar Kilometer weiter am gleichen Strand jedoch ohne kulinarische Verführungen für die Hunde:

Seit langer Zeit genießen wir wieder einmal ein freies Strandleben:

Familie Lasterliebe und Strandbesucher in Aktion:

Wir kratzen uns am Kopf und überlegen, woher wir in diesem Wüstenstaat unsere 400 Liter Wasser für die Tanks auftreiben können. Eine Menge ist das. Und Wasser ist hier kostbar.

Gebrauchswasser für die Haushalte wird in Entsalzungsanlagen produziert und in LKWs an die Bevölkerung verteilt.

Wir haben schon erlebt, dass wohlhabende Omanis mit großem Wasserspeicher auf dem Dach gerne abgeben. Sind sie doch begeistert über die Anwesenheit bekloppter Europäer mit dem Riesenauto in ihrem Garten.

Eine weitere Möglichkeit:
Suche ein nicht ausgetrocknetes Wadi auf.

Wir stehen im Wadi Al Abyadh. Rauschendes, kristallklares Wasser!

Zwei Tage herrscht emsiges Treiben. Zwei 30 Meter lange Wäscheleinen werden zwischen Wombat und Laster gespannt. Die Pumpe steht im Bachbett, von Topflappen über Hundebett bis zum Überzug vom Beifahrersitz, alles wird gewaschen.

Hinter unserem Stellplatz geht es weiter in das Wadi hinein.

Hartgesottene Jeep Fahrer sind hier wohl noch unterwegs, man sieht Fahrspuren im Kies durch das fließende Wasser. Man müsste sich schon wohlüberlegt von Gestein zu Gestein schlängeln mit unseren Lastern.
Wir begnügen uns mit dem Durchlaufen des Tals:

In Maskat verlängern wir schon einmal unser einmonatiges Visum. Das geht hier rechtzeitig, nicht wie im Iran, wo man erst drei Tage vor Ablauf des alten Visums erfolgreich damit wird. So haben wir jetzt entspannte sechs Wochen zum Bereisen des Omans.

Einen schönen Stellplatz finden wir unweit des Flughafens am Strand.

Mit perfekt organisierter Strandsäuberung wie überall hier im Oman. Bisher.
An den gestrandeten Kugelfisch wagt man sich jedoch nicht mit der „Müllzange“:

Ein sauberes Land oder wie es Andy treffend ausdrückt: „Der Oman ist ein schickes Land.“

Das ist nicht nur für die Strände und Städte zutreffend, sondern auch für die Bekleidung der Einheimischen. In ihren schneeweißen, gestärkten Gewändern, den Dischdaschas, riecht man die Männer schon von weitem. Die duften vielleicht!

Wir schlängeln uns die Berge hinauf Richtung Süden. So sieht die Großstadt von der Ferne aus:

So erscheinen oft die Wohnhäuser:

Wir landen im Wadi Arbiyyin:

Es hat uns nicht vom Hocker gerissen, das Wadi. Stellten wir uns die angepriesenen Wasserkaskaden doch ein wenig berauschender vor.

Dennoch übernachten wir friedlich unter quakenden Fröschen mit einem tollen Echo.
„Pepeee – eeeeee, Gizmoo – ooooooooo“

So sieht die Küste zwischen Maskat und Sur aus:

Nördlich von Vis am Strand kommen wir zum Stehen.
Wir vermerken einen weiteren Punkt in unserer Zerstörungs-Statistik:

Achim wird zwei Tage nicht mehr lustig. Dabei ist es nur ein blödes
I Pad, welches er überrollt hat.

Es ist Wochenende. Unsere Nachbarn kochen Köstliches. Und teilen gastfreundschaftlich.

Alles hat seine Grenzen. Auch das Wombat. Nämlich im Tiwi Wadi. Angepriesen als eins der Schönsten pfriemeln wir uns lediglich durch das erste Dorf, äußerst enge Gassen und mit einem Haufen Gewinke. Kommen danach zu Stehen und wir beschließen eine Trennung: Frau mit Hunden wandert, Mann bunkert Wasser mit der Gießkanne an einer Quelle ohne Anschluss.

Es scheint in diesem Lande so, dass beste Bedingungen für körperliche Ertüchtigung vorherrschen bei einer hiesigen Wettervorhersage für 80 Prozent Regenwahrscheinlichkeit.
Kein Regen, dafür den ganzen Tag Schatten und angenehme 23 Grad. Da haben sogar die Hunde Lust! Durch das meines Erachtens für große Trucks unbefahrbare, enge Tiwi Wadi laufen wir drei hinauf.

Und finden tatsächlich so etwas:
Ein vorbildlich markierter Wanderweg das Tal hinauf. Und das im Oman!

Zunächst führt dieser oberhalb am Hang entlang..

Später zeigt mir die Dorfjugend den idyllischsten Tarzan Platz. Hier geht es dann nicht mehr weiter.

Unsere Guides:

Am späten Abend, es ist schon dunkel, kommen wir am Strand in Al Haad an. Es stürmt gewaltig!
Achim stellt sich in den Windschatten einer stabilen (!) Fischerhütte aus Stahlrohrrahmen.

Der Morgen darauf:

In Erwartung eines fröhlichen Tages (nichtsahnend der unheilvollen Kaskade, die noch kommen wird) schnappe ich mir den Fotoapparat um die riesigen Wellenbrecher festzuhalten an unserem herrlichen Sandstrand, den wir nun bei Tageslicht sehen. Es stürmt noch immer verrückt, die Hunde stellen sich tot.

Da stehe ich nun meditativ fotografierend und es macht urplötzlich einen ohrenbetäubenden Krach. Ich brauche die Kamera nur nach links zu drehen für den Schnappschuss des Tages:

Die (stabile) Fischerhütte kracht auf unser Wombat.
Relativ unbeschadet kommen wir aus der Sache wieder heraus. Achim macht einen lebensrettenden Hechtsprung als das Gestänge durch eine Windböe unser Auto wieder scheppernd los lässt.

Sein Fußknöchel ist geprellt und die Aluleiter für den Ein- und Ausstieg hat einen Knick.

Wir vermerken einen weiteren Punkt in unserer Zerstörungs-Statistik.

Auf dem Weg in die Stadt heißt es mal wieder Luft ablassen aus den Reifen. Wir haben uns zu guter Letzt noch eingebuddelt im Sand…
Aluminium Vierkant Stangen sind nicht auffindbar in Al Haad. Wir werden uns wohl mit der Klappleiter begnügen müssen in den nächsten Wochen.
Als Nächstes könnte passieren, dass einer von uns ins Nichts stürzt, in Erwartung der flacheren Treppe beim Ausstieg….

Ich komme zu der Einsicht, dass unsere Pannen nichts mit einer Sternenkonstellation zu tun haben.
Jetzt kann jeder selbst interpretieren 😉

Etwas südlich von Al Haad gibt es einen „Turtle watching beach“. Hier stellen wir uns hin, vor den weißen, feinen Sand mit den unzähligen Eierablagelöchern.

In Erwartung dessen, was kommen wird am Abend.

Bevor die Turtles kommen kommt das Amt. Wir müssen den Platz verlassen über Nacht. Was ja eigentlich auch gut ist für die Ungestörtheit der Urtiere. Außerdem erwarten uns noch bessere Plätze zum Beobachten.

So. Nun sind wir um die „Ecke“ gefahren. An der Landspitze bei Al Haad wechseln die Meere. Wir fahren nicht mehr am Golf von Oman entlang sondern am Arabischen Meer.

Ras Al Jinz. Hier, etwas südlich von Al Haad an der Küste reiht sich ein atemberaubender Sandstrand nach dem anderen hinter steilen Felswänden.

Omans naturbelassenen Küsten sind seit jeher ein bevorzugtes Eiablagerevier für Meeresschildkröten. Vor allem die Grüne Meeresschildkröte kommt scharenweise zur Fortpflanzung hierher.
 
Es gibt wohl einen kommerziellen Platz für „Turtle Watching“, an dem man auch Eintritt zahlen muss. Wir landen weiter nördlich, dort, wo Freiheit herrscht.

Hier oben kommen wir zum Stehen und blicken auf ein Paradies:

Unzählige Eiablage-Mulden der Riesenkröten sind zu sehen. Mit ihnen die Spuren im Sand.

Ein bisschen kraxeln muss man schon, um zum Strand zu gelangen. Nichts Dramatisches, sogar zu bewältigen für Gizmo und Achim.
Dort unten am Tage ist Baden angesagt.

Ab und zu kommt uns ein knuffiger „Scheich“ besuchen.

Hier lernen wir auch Drago kennen, unterwegs als Backpacker, momentan mit Leihwagen, ebenfalls nach Verkauf aller Habseligkeiten unterwegs in der Welt.
Rinder Stew auf dem Lagerfeuer und einen tollen Abend haben wir zusammen auf unseren Felsen da oben. Allerdings in der ersten Nacht nicht das Glück, dass sich ein Kröten Weib seines Nachwuchses entledigen möchte. Allerdings beglückt uns ein nicht weniger beeindruckendes Naturphänomen: Die hereinrauschenden Wellen fluoreszieren in der Nacht leuchtend grün. Wir stehen mit offenem Mund da.
Dieses Meeresleuchten wird wohl durch Planktonalgen ausgelöst. Biolumineszenz, ausgesendete Lichtblitze, ein leuchtendes Meer! Herrlich!

Mit Ernsthaftigkeit und ohne Ablenkung (Drago ist wieder abgereist), erwarten wir die nächste Nacht und bauen uns vor dem Abhang unseren „Turtle Watching Aussichts Platz“:

Der Mond geht auf. Eine tolle Stimmung. Gizmo ist voll ausgelastet und vertreibt in regelmäßigen Abständen einen Fuchs, welcher auf frisch geschlüpfte Kröten wartet.
In schläfrigem Zustand, den Blick hinunter auf den mondbeschienenen Strand fange ich gerade an, einen unbändigen Wunsch nach einer frischen Laugenbretzel zu entwickeln.
Da flüstert Achim: „Es kommt eine!“ Und gegen Mitternacht kriecht eine riesige Kröte an Land.

Was empfindet man beim Beobachten? Ehrfurcht und eine tiefe Verbindung mit der Natur…..

Das riesige Panzertier wurschtelt sich da hinauf aus dem Wasser in den Sand. So gar nicht ihr Element, festen Boden unter den Flossen. Wenn es dann genehm ist, wird ein Loch ausgehoben. Mühsam und anstrengend sieht das aus. Und es dauert!!

Am nächsten Morgen blicken wir auf die Zeugen von weiteren nächtlichen Aktionen: Die markanten Spuren der Panzertiere. Fünf weitere waren da, als wir uns jedoch im Tiefschlaf befanden.

Unser unberührter Strand wird entdeckt. Eine Gruppe polnischer Touristen und eine Familie aus Slowenien bauen ihre Zelte auf. Gemeinsam in der Nacht robben wir auf dem Strand Richtung Ort des Eierablagegeschehens und beobachten mit Sand in den Ohren.

Am nächsten Morgen in aller Früh ruft unser knuffige „Scheich“. Er sitzt in einer Sandkuhle und puhlt junge Kröten aus dem Loch. Leistet Hilfe. Anscheinend traut sich keine Babykröte mehr heraus denn die Ersten sind dem Fuchs zum Opfer gefallen. Gizmo befindet sich nämlich noch im Tiefschlaf.

Wir stürmen alle an den Strand:

Wir erleben das Naturschauspiel „Vom Loch zum Meer, die zehn schlimmsten Meter meines Lebens“, staunen, sind ergriffen aber auch äußerst belustigt.
Und man fragt sich, was wohl besser ist: Durch einen Geburtskanal die Welt zu erblicken oder solche Strapazen auf sich nehmen zu müssen:

„Was ein Mist. Ich sehe nichts.“

Wasser in Sicht!! In die Brandung..

Im Durchschnitt nach zwei bis drei Waschgängen..

… endlich geschafft!!

Leider uscharf aber nicht vorzuenthalten:

Fakten zum Staunen:

Jährlich kommen etwa 30000 Schildkröten in diese Bucht um ihre Eier abzulegen.
Eine Schildkröte wird geschlechtsreif mit 35 – 40 Jahren.
Dann legt sie 70 bis 120 Eier in eine Mulde am Sandstrand.
Das Ganze dauert etwa 2 Stunden.
Das macht sie 2 bis 3 mal im Jahr. Pausiert aber anschließend für 2-3 Jahre.
Nach Schätzungen werden von 1.000 gelegten Eiern nur 1-2 Tiere geschlechtsreif.
Und das weil Füchse, Meereskrebse und hungrige Vögel lauern um sich satt zu essen.

Als wir die Wusler bis zu ihrem ersten Sprung in das Meer beobachten, fragen wir uns, ob wohl eine von denen, zu einer Zeit, in der wir vielleicht nicht mehr unter den Lebenden weilen, an diesem Platz ihre Eier ablegen wird.

Interessanterweise kehren Schildkröten nämlich zur Eiablage immer an den Strand zurück, an dem sie geschlüpft sind, obwohl sie oftmals tausende Kilometer zurücklegen müssen. Auch wenn sie aus Afrika oder Indien zurück schwimmen müssen….

Letzte Strandimpressionen und dann geht es weiter Richtung Süden:

Richtung Süden also. An der Küste entlang.
Und wir treffen die Lasterliebe wieder an einem weiteren Schildkröten Strand:

Am Ende des Strandes ein felsiges Naturschauspiel:

Unser nächstes Ziel ist die Insel Masirah.

Die Küste ist ein einziger, langer Sandstrand. Manchmal fahren wir durch gigantische Sanddünen.

Wir haben eine weitere Möglichkeit zum Wasserbunkern gefunden: Öffentliche Toiletten. In diesem Falle gleich mit Vollverpflegung:

Der Toilettenwärter freut sich wohl über diesen außergewöhnlichen Besuch mit außergewöhnlichem Anliegen.

Am Ende des Tages eine traurige Staukisten Statistik:

„Destroy the world“ statt „Explore the world“?
Ein Rückwärtsgang zu viel. Rums in einen LKW.
Ohne weitere Worte…
Nur: Ob es sich lohnt, diese ein fünftes Mal zu richten????

Wir kommen schließlich an, am Hafen für die Überfahrt nach Masirah Island.

Zwei Möglichkeiten hat man hier zum Übersetzen: Eine schickes, großes Schiff einer Fährgesellschaft mit termingerechter Abfahrt

oder der Seelenverkäufer längsseits liegend: Ein privater Kahn, ein verrostetes Elend vorsintflutlichen Baujahrs, Abfahrt wenn voll.
„Wir sind ja unerschrocken“ denken wir bei dessen Anblick, kümmern uns aber zunächst einmal um Variante Eins.

Aus dem schicken Schiff kommt ein ebenso schicker, junger Kapitän (looking like Brad Pitt – in jungen Jahren) aus Estland, misst an unserer Reifenbreite herum und rechnet bis er schließlich den Kopf schüttelt. Nein, die moderne Fähre hat einen Alu Boden. Die Punktbelastung wäre zu groß. Wir können leider nicht mit.
Aber wir verkörpern mal wieder den Traum für die Rentenzeit und haben kurzerhand einen kaffeetrinkenden Kapitän auf der Sitzbank des Wombats.

Also nun doch: Zum Seelenverkäufer nebenan. „Safety First“ steht in großen Buchstaben auf dem verrosteten Kahn. Die Bodendielen auf dem Deck schlagen Wellen…
Nur Äußerlichkeiten! Der Kahn hat einen Stahlboden, unverwüstlich. Das Wombat steht!

Man verlangt 35 OMR für die kurze Überfahrt. Wir schlucken. Da hatten wir aber von ganz anderen Zahlen gehört.

Um es vorweg zu nehmen: Die haben sich wirklich gelohnt, die omanischen Rials. Die Insel Masirah ist ein Traum.

Knapp über eine Stunde Überfahrt, Land ist beruhigender Weise immer in Sicht, erreichen wir Masirah Island.
Es gefällt uns hier auf Anhieb.

Sie ist nicht groß die Insel, etwa 90 Kilometer lang und 14 Kilometer breit.
Was macht sie nun aus?

Eine Natur, die sich ungestört vom Menschen entwickeln konnte.
Kilometerlange, einsame Sandstrände, Korallenriffe zum Tauchen, Flamingos in freier Wildbahn, brütende Wasserschildkröten – ein Refugium für die Tierwelt.
Wir hoffen auf das Glück, Wale oder Delphine und all das andere zu entdecken.

Tourismus gibt es kaum. Und vielleicht hat man Glück, dass dies so bleibt da dem Sultanat Oman viel am Schutz der unechten Karettschildkröte liegt. Diese ist vom Aussterben bedroht und hat hier auf der Insel ihr größtes Nistgebiet.

Zu guter Letzt: Hier herrschen ideale Bedingungen für den Kite Sport. Der Monsun bläst allerdings nur in den Sommermonaten stark mit 20 bis 45 Knoten. Es gibt aber auch den Wintermonsun, arabisch “Jamal” genannt. Mit weniger Windgeschwindigkeit für ältere Damen.
Und eine ganzjährig geöffnete Kite Station im Westen, betrieben von einem Deutschen namens Alex. Man munkelt, mit Quelle zu Bockwürstchen und sauren Gurken….

Es geht also los mit dem Erkunden!
Von der Hafenstadt Hilf aus, eine Umrundung zunächst über die Ostküste. Das offene Meer, Wellenbrecher rauschen an. An vielen Spots hier springen im Sommer die hochkarätigsten Kite-Surfer über die Wellen.

Hier am Beach Bayad heißt es hündisch:
Sitz – Platz – Bleib!

Sonne tanken, Baden mit Schleudergängen, Lesen, Schreiben, Zeichnen und sich der Belustigung über die Hunde am Nachmittag hingeben:
Man nimmt, was kommt! Kommt nichts, nimmt man eben Krabben. Zum Jagen.
Nach Vollendung des achten Lebensjahres springt unser Ridgeback doch tatsächlich wagemutig 😉 in die Brandung des Arabischen Ozeans. Es geschehen noch Wunder!
In böser Erwartung auf den angelegten Druckverband um die Nase des tollkühnen Vorreiters Pepe lachen wir uns krümelig über die kameradschaftliche Jagd auf die Schalentiere:

Es gibt fast nichts Schöneres, als glücklichen Hunden zuzusehen:

In freudiger Erwartung auf die Erkundung der Insel nutzen wir den überraschend guten Empfang für den ersten Blog Bericht des tollen Omans.

 

Vereinigte Arabische Emirate

29. Dezember 2018
Unsere Überfahrt in die Vereinigten Arabischen Emirate:

In Geduld üben. Übe Dich in Geduld!
Wir buchen die Fähre über den Persischen Golf von Bandar Abbas nach Sharjah. Ganz große Hilfe bekommen wir von Cristian und seiner Familie. Unter dem Motto „Iran is great“ sind sie wirkliche Experten im Bereisen dieser Regionen und die gesamte Familie, inklusive Kinder sind äußerst sprachbegabt. Des Persischen mächtig bekommen wir also die Hilfe bei der Abwicklung der bürokratischen Sachen am Hafen. Und das sind viele. Viele, Viele, Viele! Wir sind Cristian dankbar.
Und wir üben uns in Geduld: Vier reisende Touristen-Wägen unter Cristians Obhut sind wir. Und gammeln von morgens bis abends im Hafengelände herum. Also diejenigen, welche nicht bei der Abwicklung graue Haare bekommen.
Um 22 Uhr soll es endlich losgehen. Daraus wird 1 Uhr morgens.
Wir üben uns in Geduld.
Und schlafen neben mehreren laut röhrenden Kühlaggregaten in unseren Rollhäusern. Ich sehr tief, vielleicht zurückzuführen auf eine Narkotisierung….

Die Hunde schnarchen tief und fest in ihren Betten und haben am Morgen einen etwas anderen „Gassigang“ auf dem Unterdeck.

Die Fähre hat schon längst angelegt, wir sitzen lange auf den Passagiersitzen.
Und üben uns in Geduld.

Bis es soweit ist, dass wir die Fähre im Hafen von Sharjah endlich verlassen können ist es 13 Uhr.

Und dann geht es dort im Hafen weiter mit…?
Abwicklungen!
Aber im Vergleich zum Iran etwas harmloser.

Ganz zum Schluss folgt eine röntgenologische Untersuchung der Autos:

Duty free Shop und ab auf einen Stellplatz beim Aquarium. Wir sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten! Wir Frauen zeigen wieder Haare, Beine, Arme und das bleiche Dekolleté. Luft! Herrlich!

Der Tag darauf: Es ist Silvester! Ein Stück weiter geht es nach Dubai.
Eine neue Welt: Glanz und Gloria, Lamborghini und Ferrari, keiner stinkt und knattert. Kein Moped. Gott, ist das alles leise und sauber trotz Großstadt…..

Wir sind einer der wenigen Stinkenden und knattern auf den mindestens achtspurigen Straßen durch die Wolkenkratzer. Das alles ist schon beeindruckend.

Wir folgen „Iran is great“ in die Dünen am Al Sofouh Beach Nummer 1. Den Blick auf die erste bebaute „Palme“.

Hier stehen wir umgeben von den edelsten Scheich-Wohnheimen auf Rädern:

Und feiern mit mehreren Overlandern ein wunderschönes Silvester. „Knallern“ ist privat verboten und so bestaunen wir in himmlischer Ruhe aus der Ferne am großen Strand das grandiose Feuerwerk der Hotel Giganten. Ein schöner Jahreswechsel!

Der Stellplatz ist gar nicht mal schlecht für so eine gigantische Großstadt. Wir stehen zwischen den Dünen und lassen es uns gut gehen:

Auf Empfehlung landen wir zwei Tage später bei einem KFZ-Folien-Experten. Nun ist unser Fahrerhaus bestückt mit einer hitzeabweisenden „Wechseljahres-Folie“.

Mit kühlerem Kopf bestaunen wir auf dem Weg zurück das, was mit viel, viel Geld hier so hochgebaut wurde.

Dubai ist schon beeindruckend. Dennoch zieht es uns nach geselligen drei Tagen am Strand weiter Richtung Oman.

Ganz schön teuer ist es hier. Also im Vergleich zum Iran. Als man für eine Wassermelone 10 Euro veranschlagt, verzichte ich herzlich dankend.
Dies war ein Touristenpreis, wie man uns später aufklärte und ich tat wohl gut daran, den Gemüseladen kopfschüttelnd zu verlassen….

Wir machen einen Abstecher in das Paradies für Quats, Buggys, Jeeps und andere Vehikel: Die rote riesige Sanddüne namens „Big Red“. Hier tobt man sich aus, neben uns auf dem riesigen, roten Sandberg. Das Wombat knattert derweilen gemächlich am Rande  herum um seinen Schlafplatz zu finden.

Am Abend haben wir Spaß beim Zuschauen:

Achim vernachlässigt (wie könnte es anders sein: sitzender weise) seine Aufsichtspflicht für den wilden Gizmo.

Am nächsten Tag rutschen wir von dannen über die Dünen und nehmen eine weitere Offroad-Strecke mit. Richtung Fossil Rock. Manche Passagen erweisen sich als zu schräg für unsere Tonnen. Es wird Umfahren und wir landen bei unseren buckligen Freunden:

Und tatsächlich finden wir hier Bäume. Eine magische Anziehungskraft üben sie aus und werden auserwählt für einen Übernachtungsplatz. Wir sitzen (fast!) im Grünen 😉

Eine Bereicherung des Tages ist die Kennenlern-Zeremonie unserer Hunde mit einer gutmütigen Kamelkuh. Ist das herrlich zu beobachten:

Pepe: „Na, machen wir was?“

Gizmo: „Geht in Ordnung!“

Die Kamelkuh hat wohl noch nie Bekanntschaft gemacht mit solchen Chaoten, ist neugierig und streckt ihren Kopf entgegen.

Man gibt sich redlich Mühe für einen Kontakt von Angesicht zu Angesicht aber „Zack“ ist der Kopf wieder ganz weit oben:

Schließlich gibt man genervt auf:

Der Kamelkuh scheint das Ganze gefallen zu haben. Sie trottet nach dem Schauspiel bis zum Wombat hinter uns her.

In jedem Falle zieht Gizmo nach dem Treffen eine tolle Duftnote hinter sich her. Im Wombat riecht es zwei Tage ordentlich nach Kamel.

Immer weiter über rote Dünen geht es am kommenden Tag:

Richtung Fossil Rock. Der Name rührt her von den Meeresfossilien, welche auf ihm zu finden sind. Aus Zeiten, als hier noch der Ozean schwappte.

Zuerst aber umrunden wir wieder eine riesige, rote Düne:

Und sehen zunächst die kleinere Variante, den „Little Fossil Rock“. Mitten auf den riesigen Sandbergen ragt doch ein felsiges Gebilde in die Höhe. Als ob es so gar nicht dorthin gehören würde.

Achim, im Wüstensand-Fieber, lenkt das Wombat da hinauf. Sein Faible für besondere Stellplätze, ich stöhne und steige lieber mal aus. Kann aber nicht verhindern, dass sich unser Auto so langsam eine Sanddüne nach der anderen da hoch schraubt. Den letzten Hügel hoch und wieder ganz steil runter und wir kommen schließlich zum Stehen. Selbst Achim kratzt sich am Kopf, wie wir hier morgen wieder runter kommen sollen.
Spät am Abend sehe ich ihn heimlich mit der Schaufel Dünen abtragen….  🙂

Gelohnt hat es sich allemal:

Wir sind da wieder runter gekommen am nächsten Morgen. Und das ganz ohne Mühe.

Vom „Little Fossile Rock“ geht es nun zum „Big Fossile Rock“:

Wir kraxeln über die Dünen, oder rollen…

Auch die Hunde haben riesigen Spaß!

Beim Dorf Shawka geht es rein in die Welt der Wadis. Das Mountainbike wird remobilisiert, wir werden wieder beweglich! Also unsere Gelenke..

Noch ist alles ausgetrocknet aber in einem Seitental kommen wir zum Stehen denn dort gibt es sie: Die Pools, Wadewannen, Erfrischungstümpel oder wie man sie auch nennen soll. Herrlich kühl!

Am nächsten Morgen muten wir unseren wasserscheuen Hunden eine Wadi-Durchwanderung zu. Hinter unserem Wombat geht es los. In die steinige Schlucht durch kühles Wasser, an Palmen und Gräsern entlang.

Toll hier. So gerne würden wir erleben, wie es nach einem Regenguss hier aussieht. Aus der Ferne versteht sich. Da der Regen hier aber fast so rar ist wie ein Fliegenpilz in der Wüste, muss man sich auf kleine Wassertümpel beschränken.

Erlaubt es die Geologie, dann kraxelt Hund lieber seitlich neben dem schrecklichen Nass entlang. Achim rutscht mit mir lachend durch das kühle Nass.

Meine Euphorie wird gebremst als wir beim Durchwaten des vorletzten Tümpels eine große Wasserschlange entdecken. Den letzten Pool umrunde ich dann mit den Hunden gemeinsam auf den Felsen..

Am 9. Januar stehen wir am Meer kurz vor der Grenze zum Oman und kleben unser Klo. Wir hoffen, das Epoxidharz leistet gute Dienste. Hier her schickt uns keine Firma ein Ersatz-Klo.

Wir gucken auf ein herrliches Gebiet: weißer Sandstrand, Mangroven, Palmen, Gräser. Ein wahres Naturparadies. Leider kostet es nur umgerechnet etwa 1000 Euro für 24 Stunden Aufenthalt, so sagt man uns!
Also bleiben wir vor der Schranke stehen und warten bis das Epoxidharz für das Klo ausgehärtet ist.

Hier wird die Prominenz zum Paradies „kutschiert“:

Wir wissen nun auch, wie wir unsere Wasserversorgung regeln.
Wir suchen uns einen reichen Scheich mit Gartenschlauch für die Palmen, welcher uns von dem hier kostbaren Nass die Tanks befüllen lässt. Oder wie in diesem Falle: Uns findet ein netter, junger Araber und läd uns ein zu Wasserbefüllung und Frühstück in seinem Garten.

Zwischen seinen Bourgonville Büschen sehen wir unseren ersten wilden Bienenstock:

Morgen geht es mit einer Flasche des kostbarsten Honigs (sowie 72 Dosen Bier und 15 Litern Wein, zwei unmöglichen Hunden und einer Drohne) über die Grenze in den Oman!!

Fortsetzung folgt (vielleicht)

Abenteuer Iran

01. November 2018

„Welcome to Iran“!

Am Grenzübergang sind alle am Lächeln. Ich zupple nervös an meinem Kopftuch herum und ziehe den Pulli über den Po, soweit es das Material zulässt. Aber das wird sich sicher bald legen wenn das Outfit zur Routine wird.

Tabriz ist unser erstes Ziel. Ach liebe ich die Großstädte! 😉
Zum Stehen kommen wir mitten im Hauptstraßen-Verkehr auf einem Parkplatz neben einem großen, grünen Areal, welches für Camper und Durchreisende mit Auto freigegeben wurde. Achim geht auf Besorgungstour mit dem Taxi. Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt mit den zwei Vierbeinern an der Leine wird für mich währenddessen zum Abenteuer. Über vier stark frequentierte Fahrspuren stürzt man rufend und winkend auf uns zu, zwischen hupenden und bremsenden Autos riskiert man sein Leben für uns. Ein blondes Pony unter dem Kopftuch und ein ein Halb imposante Hunde, das möchte man kennen lernen. Wir scheinen ein ungewöhnliches Bild abzugeben und ich lerne sogleich die warmherzige Willkommenskultur kennen, von der jeder spricht. Alle freuen sich über uns.

Nachmittags trudeln auf unserem Stellplatz andere Reisende an, mit einem Haufen wertvoller Informationen im Gepäck weil aus der Gegenrichtung kommend.

Mit dem Taxi geht es gemeinsam quer durch die Stadt am Abend. Ein Besuch auf dem Basar. Und weil wir neu sind in diesem Land: Dies an einem Freitag, welches hier wie ein Sonntag ist. Längst nicht alle Stände haben geöffnet, dafür ist es schön ruhig.

Der Gewürzhandel! Ich mache einen Luftsprung und stürze mich auf das, was ich so liebe. Der Verkäufer amüsiert sich wohl über meine Euphorie und Einkaufswut.
Von Kardamom bis zum Argan Öl, alles in der Tasche. Und der iranische Safran riecht göttlich!

Man beachte Dr. Oetker zwischen all den bunten Kostbarkeiten 😉

Man(n) fährt nach Navigationsgerät und wir müssen hier durch…
Die offizielle Durchfahrt unter der Brücke hindurch neben diesem beachtlichen Taxi-Aufkommen reicht von der Höhe nur für Flachlimousinen.

Zwischen Tabriz und Zanjan wird es bunt: Für jene, welche hier leben, scheint das etwas Normales zu sein aber wir bekommen den Mund nicht mehr zu: Bunte Berge. In Rot, Weiß und verschiedenen Ockertönen gefärbte Bänder in der Abendsonne.
Eine Stichstraße ins Innenland ist Unsere und wir kommen zum Stehen:

Man könnte fast ein Känguru erwarten, das um die Ecke kommt. Besuch bekommen wir aber nur von einer Schafsherde inklusive Bewacher.

Es folgen sorgenreiche Tage. Schon hier, unter den bunten Bergen signalisiert unser Gizmo: „ Mir geht es dreckig.“ Es wird nicht gefressen, Wasser verweigert und Laufen geht schon gar nicht. Horrorinformationen sind uns noch im Ohr: „Im Iran darf Euren Hunden nichts passieren. Da gibt es keine Tierärzte.“
Um es vorweg zu nehmen: Es gibt sie! Und zwar sehr gute und liebevolle, die sich richtig gut kümmern. Auch viele hundefreundliche Iraner sollten wir später kennen lernen, welche sich sogar von Gizmo küssen lassen. 😉
Zurück zum Problem: Eine Recherche ergibt, dass es in Zanjan eine Tierklinik gibt. Gelandet sind wir aber bei einer Art Veterinäramt. Trotzdem untersucht und behandelt man unseren Hund liebevoll. Eine Infektion wird es wohl sein. Wir vermuten, das unerlaubte Fressen von Verdorbenem, sowas wie ein grünes Huhn, im Park von Tabriz.

Antibiotika- und Aufbauspritze aber Laborwerte sind leider nicht möglich.
Wir beobachten das Befinden und beschließen zwei Tage später, es erneut zu versuchen mit einer Klinik. In Qazvin landen wir schließlich in dieser tollen Praxis:

Da liegt er nun unser Hund, an eine Infusion angeschlossen. Wohl ein Magen-Darm Infekt, das wenige Trinken hat zur Austrocknung geführt. Gute Nachricht: Das Blutbild ist bombastisch gut. „Exoten im Ausland“, grinst man uns an.
Die Ärzte sind sowas von fürsorglich und nett. Am Abend kommt uns einer von ihnen im Wombat besuchen für eine weitere Behandlung. Er baut uns auf mit seinem Humor. Es gibt einmal wieder eine Zeichnung zu verschenken:

Fast (!) wie Poppeye nach seiner Spinat-Mahlzeit…

Hundeerholung im Federbett und wir machen uns am Abend auf den Weg Richtung Qazvin Altstadt. Die Karawanserei Sa’d-al Saltaneh: Der alte Basar aus der Kadscharen-Zeit ist schön restauriert und beherbergt heute Waren von den unterschiedlichsten Künstlern.

Der Rest des Basars ist zum Glück auch überdacht. Es regnet in Strömen. Man findet hier wirklich alles! Achim fragt beim Metzger aus Gewohnheit nach Kotelett und erntet ein Augenzwinkern. 😉 Oder so was Ähnliches.

Am nächsten Morgen fahren wir von unserem Stadtparkplatz ein Stück in die Berge und finden einen ruhigen Stellplatz in einem Felsenmeer. Hier, nach Niyagh kommen auch viele Einheimische weil es so schön ist.
Gizmo soll sich erholen. Sich gesund schlafen, das konnte er schon immer.

Jeden Tag fragen die Ärzte nach, wie es ihm geht. So ist das mit den blöden Vorurteilen…..

Sie ist schon hunderttausendfach erwähnt worden von Iran-Reisenden: Die herzliche Willkommenskultur in diesem Land. An jedem Ort wird man eingeladen, das ist Tradition. An jedem Ort hat man Hilfe für Anliegen aller Art.

Zum Beispiel diese Familie auf einem Ausflug in die Steine:

Das Wetter lässt zu wünschen übrig und wir streichen einen Besuch des nahe liegenden Alamut-Tals. Zum Wandern wohl eine Sensation, allerdings nicht bei nebelverhangenen Bergen. Wir bleiben bei unseren Steinen bis Gizmo wieder trinkt wie ein Kamel und frisst wie ein Scheunendrescher. Nur die Beine sind noch etwas klapprig. Wir drapieren das Daunenkissen unter das Haupt des sterbenden Schwans und fahren weiter.

Es wird so langsam ungemütlich kalt hier im Norden. Also weiter Richtung Süden und Wüste. Über Saveh geht es nach Delijan. Hier hat unser Gebrumme auf Schnellstraßen Gott sei Dank erst einmal ein Ende. Es geht ab auf kleinere Straßen Richtung Kashan und von dort aus in die Wüste. Hinter Delijan finden wir am Gisoo Wasserfall einen ruhigen Stellplatz.

Der Wasserfall leider ohne Wasser aber die Schlucht schon beeindruckend:

Wir genießen die Ruhe. Hat uns doch das Fahren über Schnellstraßen und das Nächtigen in Großstädten ein wenig geschlaucht. Zwei mal schon bekamen wir zu späterer Stunde Besuch von der örtlichen Polizei mit der Bitte, wir mögen doch auf einem zentraleren Parkplatz übersiedeln. In den Tumult und Lärm der Innenstadt. Natürlich nur weil man besorgt um uns ist.
So genießen wir die Ruhe an unserem Wasserfall ohne Wasser und es klopft doch tatsächlich schon wieder während des Abendessens. Polizei! Zum dritten Mal Übersiedeln!
Wir landen nach über einer Stunde Fahrt im Dunkeln in Mashad Ardehal. Ein Trost: Der Parkplatz ist ruhig und neben uns der wundervolle Anblick der beleuchteten Moschee:

Am Morgen sieht das dann so aus:

Nach Kashan fahren wir vorerst nicht hinein sondern ein Stück in die Berge hinauf hinter der Stadt. Jetzt aber Ruhe tanken!

Zahlreiche Wanderwege führen hier in die Berge. Ohne jegliche Markierung oder Beschreibung mache ich mich mit Pepe auf den Weg und lande in einem unerwarteten Kletterparadies. Das ohne Helm und Seil, geschweige denn Wanderschuhe! Der furchtlose Spitzohr-Kaspar klettert wie eine Gämse vor mir her während ich mich mental aufbaue mit Gedanken wie „da bist Du auch runter gekommen, dann kommst Du auch wieder hoch!“

Keine Polizei, himmlische Ruhe. Unser Iran Aufenthalt hat nicht so glücklich begonnen aber wir sind wieder versöhnt. Eine traumhafte Landschaft und außerdem freuen wir uns auf die Wüste.

Der nächste Tag: In der Innenstadt Kashans hören wir ein verdächtiges, pfeifendes Geräusch. Wir werden doch wohl keine Luft verlieren?
Platten hinten rechts mitten in der Stadt. Welche bösartige Sternenkonstellation begleitet uns wohl momentan?
Das Gute daran: Sofort eilen bestimmt zehn hilfsbereite Iraner an, einer wohl ein Profi in Sachen Reifen. Der ist ein bisschen schneller als wir zu zweit beim letzten Platten. Zack ab und auf den Pick-Up und husch, weg sind sie zum Flicken, der Profi und mein Mann. Der Rest der Mannschaft spielt derweilen Zoo und sammelt Menschentrauben um das Fahrerhaus.

Der Profi entpuppt sich als Dieb. Der hat jetzt mein Handy in der Tasche. Schwarze Schafe gibt es weltweit. Zum Glück war es nur das Zweithandy für Whats app Nachrichten, ein älteres Modell. 

Kurz vor der Abenddämmerung erreichen wir hinter Aboouzeyd Abad, etwas südlich von Kashan die Einfahrt in die Wüste Marenjab und kommen im Pulversand zum Stehen. Pepe wetzt wie ein Besessener zwischen den Sanddünen herum und freut sich über die Hasenbauten.

Der nächste Morgen: Wir wollen eine Runde machen von hier aus Richtung Salzsee und Dünen, um in Kashan wieder herauszukommen. Nicht, dass wir uns nicht erkundigt hätten: Wir fahren einen uns mehrfach empfohlenen Weg und so sieht das Ergebnis unserer ersten Wüstenerfahrung nach einer halben Stunde Fahrt aus:

„Ich glaube, um uns herum, das ist ein Salzsee“, sage ich noch und da zischt das Wombat nach links unten ins Erdreich, kommt zum Stehen und der Horizont, auf den wir blickten hat sich immens nach schräg unten verschoben. „Ich hab‘ gar nichts gemacht! Das war das Wombat!“ sind die ersten entrüsteten Worte aus Achims Mund.

„Mann! Hatte ich ein ruhiges Leben in Deutschland“ denke ich vor mich hin während ich unter dem Wombat Sandverschiebungen vornehme. Wir schippen wie die Besessenen, verbiegen unsere Sandbleche konkav und erliegen nach Stunden Arbeit unserer Erschöpfung.

Da kommt ein älterer Farmer mit Wollmütze kurz vor der Abenddämmerung mit seinem Pick Up vorbei. Kein Wort Englisch aber irgendwie meinen wir zu verstehen, dass er Hilfe holen wird.
Wir machen Schluss mit Schippen, morgen ist ein neuer Tag!

Das Wombat schief wie die gerade versinkende Titanic, geben wir ein lustiges Bild ab im Innenraum. Während ich krampfhaft den Wasserkessel auf dem Gasherd festhalte, rutscht Pepe von Draußen rein und rumst gegen die Bad Tür.

Unserem Lord wird der Neigungswinkel mit Kissen ausgeglichen für einen erholsamen Schlaf. Damit ist nicht Achim gemeint. Dieser ist so erschöpft, dass er nach fünf Sekunden in absoluter Schräglage schnarcht wie ein Brüllaffe.

Man klopft uns abends aus dem tiefsten Tiefschlaf: Tatsächlich ist die Hilfe da. Nicht in Form eines Traktors oder LKWs sondern natürlicher Muskelkraft der Wollmützen-Farmer-Söhne.
Papa Farmer gibt seinen Jungs Ratschläge, ich stehe neben ihm und darf als Frau die Taschenlampe halten. Finde es schon ein wenig peinlich, wie die vor Kraft strotzenden Söhne mit Schippen zur Sache gehen, mit der fünffachen schött‘schen Geschwindigkeit aber wohl auch Erfahrung (mit den blöden Touristen). Tja, in solchen Momenten fühlt man sich alt….
Einfach wurde es nicht. Wir brauchen fünf Anläufe und am Ende hilft das Unterlegen von Holzbalken und knorrigem Astwerk. Ein Jubelschrei kurz vor Mitternacht und wir sind da draußen aus dem Loch!
Schlafen nach kurzer Weiterfahrt gerade und im Dauertiefschlaf vor der Farm der Helfer.

Wir sind wohl zu schwer, ein Weg zum Salzsee und den riesigen Dünen mit unserem Auto: „No!“ erklärt man uns am nächsten Morgen.

Also rollen wir unsere gebogenen Sandbleche gerade und werden heraus eskortiert aus dem Gebiet mit dem nassen, salzigen Sand beidseits der Straße. Kehrt marsch.
Wie bedankt man sich bei solchen selbstlosen Menschen? Wir wissen es wieder nicht aber der Wollmützen Farmer besitzt nun eine Jack Wolfskin-Fleeze-Kappe mit Ohrenschützern und freut sich tatsächlich ein Bein ab. Vielleicht muss er bald wieder in der Kälte stehen wenn seine Söhne blöde Touristen freischaufeln.

Eine Ergänzung zum Drama:
Wir sind schon in der nächsten Wüste, da erreicht uns eine Nachricht von Linda und Arnim, unterwegs mit einem umgebauten Feuerwehr-Laster: Die gleiche Strecke gefahren, erreichen sie unser Bild der Wüsten-Verwüstung: Das völlig zerwühlte Gelände, die Sandberge und die metertiefen Löcher inklusive herausragendem Astwerk. Blöderweise wird das Mahnmal umfahren, damit die feste Straßenmitte verlassen und der rote Laster endet doch tatsächlich genauso schief im Sand-Salz-Boden. Das allerdings mit Rechtsseitenlage und gedauert hat es wohl drei Tage bis zur Rettung….

Wir hoffen, die Mannschaft im Oman zu treffen um uns gegenseitig auf die Schulter zu klopfen!

Wir verlassen also das salzige Gebiet und tuckern wieder zurück. Finden eine Düne. Die tut es auch. Einfach stehen bleiben und Durchatmen.
Und Kraxeln:

Keine Sorge. Ab hier kommen keine „Pleiten, Pech und Pannen“ mehr. Vorerst!
Auf Empfehlung landen wir an einer verlassenen Karawanserei, ein Stück in die Wüste hinein bei Martin Abad:

Ein Bus moderner Tehran-Mädels verirrt sich zu einem Ausflug hier her. „Welcome to Iran“, alle freuen sich wieder über uns:

Bei Sonnenuntergang wieder zurück Richtung Zivilisation:

Man lernt ja so manchen anderen Globetrotter kennen dank moderner Technik. Auf einer solchen Reise sind Instagram und co äußerst tauglich, man tauscht sich aus und ab und zu lernt man sich dann auch kennen. Mit Janine und Fridolin geht das schriftlich schon länger hin und her, viele Tipps haben wir bekommen und jetzt wollen wir uns treffen in der Wüste.

Auf der Höhe von Na’in beginnt unser Schlenker in die Wüste Dasht-e-Kavir mit dem Ziel Mesr. Unsere Wüsten-Erfahrungen müssen unbedingt aufgefrischt und verbessert werden….

Durch Anarak…

Ein Zwischenstopp neben Überresten von natürlichen Kühlschränken aus früherer Zeit:


Nach langer Fahrt durch eher steinige Wüste erreichen wir sie: die endlosen Sanddünen bei Mesr. Janine und Fridolin stehen hier schon, zusammen mit ihren iranischen Freunden.
Außerdem ihre „heiße“ Hündin Pamira. Schön, sie alle kennenlernen zu dürfen! Sonnenbaden am Tag, tolle Gespräche und Lagerfeuer am Abend. Jetzt fehlt nur noch mein erstes Kamel in freier Wildbahn zu entdecken!

Unsere Hunde haben auch Spaß, wenn sie nicht mit der heißen Duft Spur beschäftigt sind:

Einen Sandsturm erleben wir auch, alle verkrümeln sich in ihre Rollhäuser. Und mein erstes, frei lebendes Kamel bekomme ich auch zu Sehen. Leider beschränkt sich das auf den Ausblick aus dem Fenster über dem Bett, morgens um halb sieben, als Fridolin mit seiner Hündin Anti-Jagd-Training versucht:

Einen Tag stehen wir noch alleine hier, die Anderen zieht es in den warmen Süden ans Meer.

Uns bleiben noch vier Tage Zeit, bis wir in Yazd unser Visum verlängern wollen. Wir können die Fahrt dorthin langsam angehen. Und besichtigen richtig schöne Oasendörfer, Lehmziegelburgen und -Dörfer.

Das Oasendorf Garmeh:

Die zweite Kamel-Begegnung: „Unfreie“ aber bestens geeignet zum Kennenlernen:

Über Bayazeh und seine Lehmziegelburg…

… Ziegenschönheiten

… nach Kharanaq:

Schwups hatten wir den besten Guide, den man sich vorstellen kann um in dem Wirr Warr aus Gassen in der Geisterstadt klar zu kommen:

Der Knirps kriecht und wuselt in alle Ecken, wartet geduldig bis auch Achim durch die zerbröselten Fensteröffnungen kriecht und erklärt uns alles ganz toll. Leider auf Persisch. Aber auch mit Handzeichen. „Ok?“ „Ok!“ und weiter ins nächste Eck..

Einen tollen Stellplatz haben wir:

Einen Feiertag (von sooooo vielen im Iran) sitzen wir aus in der Nähe von Yazd. Die Örtlichkeit für die Visa Verlängerung hat dann natürlich auch geschlossen. Also bleiben wir eine Nacht neben dem „Desert Tourist Camp“ etwa 15 Kilometer von der Stadt entfernt.

Hier verbringen die iranischen Familien gerne ihre Feiertage, mit Dünen-Rutschen, Picknick Plätzen und Tee Häusern. In einem solchen landen wir auch:

Vor Yazd mal wieder ein kleines „Pännchen“: Schleichender Luftdruck Abfall hinten links. Fachgerechte Reifenreparatur, zwei Stunden, Kosten: 3,75 Euro.

An dieser Stelle kann man erwähnen, dass uns 300 Liter getankter Diesel sage und schreibe elf Euro kosten. Das entschärft die Tatsache, dass man in diesem riesigen Land so viel fahren muss.

Yazd:

Wir sind wohl diejenigen mit den wenigsten abgelichteten Mosaiken und Moscheen nach einem Monat Reisezeit im Iran.
Jetzt aber: In Yazd, so nehmen wir uns das vor, endlich ein wenig mehr Zeit nehmen für die Kultur. Aber zunächst das Wichtigste: Die Visa Verlängerung für einen weiteren Monat Aufenthalt. Dazu suchen wir uns einen Stellplatz in der Stadt, um ohne großen Aufwand am nächsten Morgen in aller Frühe zur verantwortlichen Polizeidienststelle zu gelangen.
Wie immer in einer Großstadt gestaltet sich das schwierig und wie es so passieren kann, irrt man dann doch in der Dunkelheit umher, verzweifelt „Map me“ fragend und verfluchend.
Wir stehen dann irgendwann auf einem Parkplatz an einer 6-spurigen Hauptstraße. Richtig gut ausgesucht aber keiner will noch weiter suchen. Zumindest befindet sich ein Park hinter uns und wir beruhigen uns da drin bei einem Abend-Gebummel.

Um 6 Uhr klingelt der Wecker, Tiefschlafphase: vielleicht eine, die Visa Stelle ist nicht dort, wo erwartet, wir müssen dann doch durch die halbe Stadt fahren aber die ganze Abwicklung ist dann völlig unkompliziert und in zwei Stunden abgehandelt.

Es folgt die nächste Parkplatz Suche Richtung Altstadt. Und dann bummeln wir müde aber glücklich unter blauem Himmel durch eine der ältesten Siedlungen der Welt. (Laut Unesco). Alles besteht hier aus Lehmziegeln.

Man möchte nicht im August hier durch wandeln. Die Windtürme (Badgirs) erinnern an die extreme Sommerhitze. Die umweltfreundlichen Klimaanlagen sind so konstruiert, dass sie selbst die kleinste Brise einfangen und in die Zimmer leiten.

Die Masjed-e Jameh Moschee:

Iranische Großstädte und unsere Hunde:
Vorab möchte ich hier schreiben, dass wir uns lange überlegt haben, ob eine Reise in den Iran mit Hunden überhaupt gut ist. Es hat religiöse Gründe, dass der Hund als unrein gilt und es ist generell verboten, einen solchen durch die Öffentlichkeit also auch durch Städte zu führen.
Die abgeschwächte Regel: Wir sind Touristen und reisen mit Hunden. Hier drückt man gerne ein Auge zu.
Und die Wirklichkeit: Egal, wo wir mit unseren acht Pfoten erscheinen, sind wir die Attraktion und nicht mehr die Moschee im Hintergrund aus dem 15. Jahrhundert. Nach einem Monat sind wir sicherlich hundertmal abgelichtet worden „Sitz, bleib, Cheese“, Gizmo hat unzählige Frauen küssen müssen und Pepe will man generell auf den Arm nehmen, was ich mittlerweile unterbinde, indem ich erkläre: „Er beißt!“
Vom Wesen eines Hundes geschweige denn seiner Körpersprache sind hier keine Kenntnisse vorhanden. Die meisten schnalzen, rennen, flöten und beugen sich nach vorne. Unsere Hunde sind oft äußerst verwirrt und manchmal gestresst. Die herzliche Willkommenskultur bezieht sich bei vielen Iranern auch auf unsere acht Pfoten. Das ist schön und war nicht zu erwarten gewesen. Dennoch ist es immer ein wenig mühsam mit Hunden, eine größere Stadt zu besuchen. Ein Stück des Weges nehmen wir sie immer mit und wenn es zu anstrengend wird hilft nur eins: „Be careful! They are biting!“ Oder zur Not die Zeichensprache: Hand nach vorne, „No!“ und Zähne fletschen.

Yazd war schön und interessant aber wir möchten nun keine Autos mehr hören und frische Luft schnappen. Unser nächstes Ziel ist Kerman und die Wüste Lut. Wir wählen nicht den schnellen Weg über die Schnellstraße sondern kleinere Straßen durch Berge und Wüste und biegen kurz hinter Yazd ab in Richtung des palmenreichen Bafqs und landen kurz hinter der grünen Stadt hier:

Mit „sinnvoller“ Hundebeschäftigung:

Und leuchtenden Bergen:

Hier geht es hinein in die Berge am nächsten Morgen. Völlig untrainiert keuche ich mit dem Mountainbike da hoch, verfluche die Ü-Fünfzig und die ständige Hockerei während der wartende Achim aufs Lenkrad trommelt:

Die gesamte Strecke bis zur Wüste Lut hat sich dann doch hingezogen wie Kaugummi, es geht hoch und runter, hoch und runter. Obwohl die Farben der Berge uns immer wieder neu ein „Ooooh“ und „Aaaah“ entlocken. Über Ravar und Kerman erreichen wir den letzten Pass rüber über die Berge bevor die Wüste beginnt.
Dann geht es bergab! Auf sage und schreibe 200 Höhenmeter! Endlich: Die Socken fliegen im Bogen in die Ecke, die Flip Flops werden ausgepackt. Ist das herrlich, endlich wieder Luft an die Füße zu bekommen. Zwischen 800 und 3000 Höhemetern tummelten wir uns nun seit Monaten herum, im Iran meist zwischen 1000 und 2000. Und endlich wird es sommerlich warm hier.

Wir erreichen Shahdad und hamstern das Wombat voll. Unsere erste Nacht in der Wüste Lut ohne Heizung, mit einem gigantischen Sternenhimmel und einer Stille, die fast unheimlich ist. Gizmo ist es ein bisschen langweilig: Hier lebt nichts und niemand!

Wir freuen uns gigantisch auf eine Offroad-Runde durch die Kalut-Wüste. Was sind Kaluts? Sandsteingebilde durch Wind und Wasser entstanden. Eine einmalige Naturerscheinung. Später werden sie riesengroß aber an unserem ersten Übernachtungsplatz, kurz hinter Shahdad sind sie noch ganz mickerig und hervorragend geeignet für eine artgerechte Hundefütterung:

Alte, verlassene Karawansereien liegen auf der Strecke. Normalerweise liegen sie einen Tagesritt mit dem Kamel (oder einer Tagestour mit dem Wombat 😉 auseinander. Das sind etwa 30 Kilometer. Hier aber gibt es gleich mehrere dicht beieinander.

Wir erreichen das Shahdad-Desert-Camp. Hier ist die Straße zu Ende. Wir lassen Luft ab auf zwei Bar.

Es folgt eine Strecke, die man nicht beschreiben kann, so unglaublich schön ist sie. Auch die Fotos geben längst nicht das wider, was man mit offenem Mund bestaunt. Gigantisch!

Hier Bilder auszusortieren fällt uns schwer! Also lassen wir das einfach.

Zwischen den hohen Sandsteinberen schlängelt sich unsere Strecke über Flugsand und Tonerde. Nach Wüstenerfahrung Nummer eins wird es mir zu Beginn doch ein wenig mulmig so einsam hier. Was hatte ein Einheimischer uns erzählt? „Keiner, der jemals in der Wüste Lut verschollen war wurde lebend wieder geborgen.“ Nun ja, das bezieht sich natürlich auf zentralere Gebiete und außerdem folgen wir recht frischen Spuren durch den Sand und außerdem knattert das Wombat mühelos hier entlang und außerdem hat Achim einen Mords Spaß. Nach kurzer Zeit bin ich nur noch begeistert.

Weiter hinein in die Wüste gibt es ein paar kniffelige Passagen. Schräglage und Sand, das verträgt sich nicht. Aber wir sind ein eingespieltes Team, der Achim und ich. Wir meistern das: Ich steige aus um die Energie nicht zu stören 😉 und Achim lenkt das Wombat ungestört die Sanddünen hinauf und hinunter.

Ich zitiere: „Für die schiitischen Bewohner Irans gilt die Lut als der Garten Allahs, aus dem der Herr der Gläubigen alles Überflüssige entfernt hat, damit wir Menschen das wahre Wesen der Dinge erkennen.“ „Fahren, Gehen über die Dünen, Staunen, Zusammensitzen am Feuer. Sonst nichts. Nichts als Freiheit und Grenzenlosigkeit zu beiden Seiten…“

So ähnlich empfinden wir das hier in den fünf Tagen Aufenthalt zwischen den mächtigen Kaluts. Jeden Tag ein Stückchen weiter fahren und laufen. Wechselnde Kulissen bestaunen.
Nur an Holz hat es gefehlt für das Lagerfeuer.

Die Drohne wird entstaubt:

Irgendwann ist es nicht mehr möglich, den empfohlenen Wegepunkten zu folgen und wir rumpeln quer über die Dünen, irgendwo im Nirgendwo:

Wer ihn kennt, den Schötti, wird schmunzeln:

Am fünften Tage sind wir vertrocknet. Also nicht ganz, aber man pustet schon seltsame Brocken ins Taschentuch. Die Luftfeuchtigkeit beträgt maximal 25%.

Auf dem Weg zum Meer Richtung Süden treffen wir auf eine Bereicherung unseres Reiselebens: Simon und Simon-Luka, genannt Hopontravel. Vater und Sohn unterwegs mit zwei Zebras. Genauer gesagt: zwei Defender im Zebra-Look.

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg durch die insektenreiche Ebene. Nach der allerletzten Abfahrt die Berge hinunter erfreuen wir uns nämlich nicht nur an der sommerlichen Wärme sondern auch am Gesumme von unzähligen Schmeißfliegen. Mir kommen Since-Fiktion-Klassiker in den Sinn wie „die Killer Fliegen“ (oder waren es Bienen?). Töten tun sie wirklich: Nämlich die Nerven. Lektion Nummer eins: Campe nie in der Nähe eines ausgetrockneten Bachbetts.
Mein Dasein besteht aus dem immerwährenden, wütenden Einsatz unserer Fliegenklatsche und dem anschließenden Auskehren der Fliegenleichen-Haufen aus dem Wombat. Trotz Fliegengitter. Einmal durchs Fliegengitter an der Tür gegangen und Tausende finden ihren Weg nach innen. Nach drei Tagen befindet sich unsere Plastikklatsche in Kleeblattform in einem äußerst desolaten Zustand. Zum Glück haben wir noch deutsches Klebeband Extra-Strong in der Schublade.

Kurz vor Bandar Abbas kommen wir auf einem Overlander-Platz zur fliegenlosen Ruhe zwischen Büschen, Sanddünen und Kamelen, nicht weit vom Meer entfernt. Die Kochkünste der armen Zebra-Männer beschränkten sich seit Monaten auf die Zubereitung von Nudeln mit Tomaten, manchmal Zwiebeln. (Anmerkung: Sie kommen aus dem Schwabenland!) Umso mehr freuen sich die beiden gar nicht dürr aussehenden Weltenbummler als ich für Vier koche. Und essen wie die Scheunendrescher.
Dieser Tatsache ist wohl zuzuschreiben, dass sie uns drei Tage mit ihrer Anwesenheit beehrt haben. Nein, wir haben uns gut verstanden, viel gelacht und gute Gespräche gehabt abends am Lagerfeuer.

Austherapiert: Hundephobie geheilt!

Dann trennen sich aber unsere Wege. Die „Zebras“ ziehen weiter durch den Iran nach Shiraz und wir machen uns vom Acker, sprich Festland. Setzten mit der Fähre über auf die Insel Qeshm.

Schluchten und Salzhöhlen sparen wir für später auf. Wir wollen erst einmal an einen Strand, ins Meer hüpfen und die Sonnenuntergänge genießen.
Ein harter Kampf.
Zunächst hält uns an der Südküste ein Militärposten wegen einer Übung ab vom Weiterfahren. Kehrt Marsch und eben andersherum um die Insel. An der Westküste erreichen wir dann im schließlich einen ruhigen Platz. Herrlich wäre es hier, aber…..
Lektion Nummer zwei: Campe nie in der Nähe von Kamelschitte. Und so gebe ich der Fliegenklatsche fast den letzten Rest.

Bei Sonnenuntergang sitzen wir zu viert auf einer Düne und blicken zum Horizont. Ein herrlicher Anblick, gerade bei Ebbe. Die Fliegen sind schlafen gegangen, wir können endlich genießen.

Die Westküste klappern wir ab nach möglichen Stellplätzen ohne verdautes Kamelfutter und Summer, werden fündig nach Umrundung der Süd-West Spitze in der Nähe eines Dorfes. Nur mit Allrad zu erreichen. Herrlich seichtes Wasser, gelber Sand und kein Mensch zu sehen. Es beehrt uns lediglich die auf Mopeds knatternde Dorfjugend. Ab und Zu.

Achim gibt sich sehr viel Mühe mit dem Ausnehmen und Grillen von fangfrischem Fisch vom Fischermann. Ein idyllisches Lagerfeuer, die Vorfreude ist groß doch unser Fisch schmeckt wie stinkende Socken. Wir landen bei Schafskäse mit Tomaten.

Spätestens jetzt wird der Leser über uns die Augen verdrehen oder starkes Mitleid mit uns verspüren. Auf der Suche nach Wasser trennen wir mal eben eine Dorfschule vom Hauptstrom. „Peng“ macht es und mein Gedanke ist noch: „Jetzt ist unser Ende da“. Das Hauptstromkabel hing zu tief. Die Kinderschar wird ins Schulgelände zurück getrieben. Dem Himmel sei Dank, dass ein Einheimischer ein wenig Englisch spricht. Wir kommen für den Schaden auf und verlassen die stromlose Schule mit einer verkohlten Alu-Staukiste auf dem Dach.

Gesagt wird nicht mehr viel während unserer fast aussichtslosen Suche nach einem idyllischen Strandplatz. Hier landen wir aber irgendwann nach längerem Abklappern der Küste:

Herrlich hier. Aber Lektion Nummer eins nicht ernst genommen an einem Bachbett. Einen Tod muss man sterben.

Im Statues Valley treffen wir Janine und Fridolin wieder. „Statues“ weil Baumeister Natur hier gemeißelt hat. Irre Formen unter denen wir hier stehen:

Wir werden auf der Insel noch ein wenig herum gammeln denn wir warten auf den erfahrenen Iran-Bereiser Cristian von „Iran is great“. Er erbarmt sich, bei den komplizierten bürokratischen Abwicklungen für die Fährfahrt nach Dubai zu helfen. Zwischen Weihnachten und Neujahr werden wir dann wohl gemeinsam übersetzen.
So suchen wir an der ruhigen Südküste wieder einen Platz am Meer mit den bescheidenen Ansprüchen: Fliegenarm und ruhig.

Leider werden an den wohl schönsten Plätzen am Meer gerade Militärübungen durchgeführt. Diese Passagen sind gesperrt. Trotzdem werden wir fündig:

Und versuchen uns an einem Selfie:

 

 

Leider müssen wir unseren schwer erkämpfen Platz frühzeitig verlassen. Kampfhubschrauber im Tiefflug und Granateneinschläge hinter unserer Privatdüne, dass die Tassen klappern . Am Abend bitten uns Militärmänner höflichst, aus gesundheitlichen Gründen das Übungsareal zu räumen.

Das mit den klappernden Tassen ist natürlich etwas übertrieben aber aus der Ferne ist das Spektakel doch besser zu ertragen. Wir landen an der Küste kurz vor dem Hafen bei Shib Deraz.

Ein seltener Gast:

„Pffft. Mit Dir will ich nichts zu tun haben!“

Andere Gäste mit längerem Hals:
Der Kampf-Knirps zunächst echauffiert. Aber dann allgemeiner Friedensbeschluss! Das Teil ist doch irgendwie zu groß!

Da ist er plötzlich in unserem Leben: Amir! Ein Iraner, weit durch die Welt gekommen. Offen, warmherzig, tiefsinnig und lustig. Einen Geheimtipp an Strand hat er auf Lager. Weihnachten werden wir dort Fische fangen und selbige am Lagerfeuer grillen.

Wir sitzen am Strand, atmen tief durch und geben uns der friedlichen Betrachtung der untergehenden Sonne hin. „Einfach war es nicht, hier her zu kommen“ murmelt Achim. Beide waren wir „etwas“ gestresst von den eigentlich harmlosen Unwegsamkeiten, Pleiten, Pech, Pannen und von den langen Distanzen. Wir sind uns einig, dass lange Fahrten in großen Ländern nicht zu unserer Leidenschaft gehört. Und noch nie haben wir so viel diskutiert, wie unsere weitere Reise verlaufen soll. Eins scheint nun erst mal sicher zu sein: Der weite Weg über Pakistan nach Indien ist gestrichen!
Wir setzen in den nächsten Tagen über in die Emirate nach Dubai. Von dort aus geht es erst mal in den Oman. Reisende werden uns verstehen, Nicht-Reisende den Kopf schütteln: „Urlaub vom Reisen machen!“

 

 

 

 

Unsere Reise durch Armenien

14. bis 31. Oktober 2018

Unsere Reise-Route durch Armenien:

Armenien. Nun sind wir ja doch gespannt auf dieses Land. Man trifft so Manchen auf Reisen mit Erfahrungsberichten und wir haben wieder einige Fähnchen gesteckt auf der digitalen Karte. „Da solltet ihr hin“ und „das müsst Ihr sehen“.

Der östlichste Grenzübergang Bagratashan ist der erste seit Reiseantritt, welcher sich für uns interessiert. Es ist das zehnte Land, das wir bereisen und es wird so ziemlich alles inspiziert, was zu inspizieren geht. Wie schon am Grenzübergang von der Türkei nach Georgien muss ich auch hier wieder aussteigen und bestückt mit meinem Reisepass zu Fuß durch die Grenzkontrollen gehen. Da stehe ich nun auf der armenischen Seite, warte und warte und entdecke schließlich das Wombat in der Schlange. Und ich beobachte. Lachen ist ja bekanntlich gesund:
Ein in Tarnfarben Uniformierter klettert gerade mit Achim auf dem Dach herum um in die Staukisten auf dem Fahrerhaus einen Blick zu werfen. Unser Security System derweilen: Pepe guckt aus dem Fahrerfenster und Gizmo durch die Dachluke nach oben auf die suspekte Tarnfarben-Hose.
Innen und Oben scheint endlich alles für unbedenklich erklärt zu sein. Bleibt das Fahrerhaus. Der Tarnanzug klettert hoch zum geöffneten Fahrerfenster, steckt den Kopf hinein für einen Blick ins Innenleben. Blöderweise ist er währenddessen am Telefonieren. Und dazu trägt er noch ein Barrett auf dem Kopf. Das geht ja gar nicht! Der Security-Pinscher gibt alles, zischt nach vorne und kläfft die eingedrungene Nase unter der bedrohlichen Kappe an. Der Tarnanzug macht vor Schreck einen Satz nach hinten, stürzt von der Trittleiter und sein Mobiltelefon zerschellt auf dem Betonboden in mehrere Teile.


Mit den Worten „Welcome to Armenia“ wird die Inspektion beendet!

Mit unserem gut funktionierenden Security System rollen wir unsere ersten Kilometer auf Armenischem Boden. Ziemlich durchlöchert ist der.
Weiter geht es durch den Kaukasus, wir fahren am Debet entlang. Der Fluss hat einen Canyon geschnitten ins Land.

Hier verstecken sich viele historische Kirchen und Klöster. Das Weltkulturerbe geht weiter und wir landen in Haghpat. Keine Beleuchtung, keine Rekonstruierung. Nein, die Klosteranlage steht einfach da, wie sie seit dem zehnten Jahrhundert da steht. Mit Ausnahme von kleinen Renovierungen.
Für gute Fotografien sind wir zu früh. Die Wolken haben sich noch nicht verzogen:

Zwei Dörfer weiter steht das nächste Besuchsobjekt: Das Sanahin Kloster.
Ich schnappe mir die Hunde und bringe den Kreislauf auf Trab von Kloster zu Kloster. Es ist schon beeindruckend, hier auf der Hochebene zu laufen vor dem Abbruch ins Tal.

Wenn da nicht immer wiederkehrend das Summen über dem Kopf wäre. Noch niemals zuvor sind mir Strommasten so negativ aufgefallen in der Bergwelt. Mitten durch die Idylle auf dem Hochplateau reihen sich die rostbraunen Masten aneinander.

Achim lässt derweilen in Sanahin unsere Halterung für die Trittleiter schweißen bevor ein Unglück passiert. Unsere Pflaster sind alle.
Wir treffen uns am Kloster:

Nachmittags tuckern wir das Tal hinauf am Debet entlang. Den Städten hier kann man gar nichts abgewinnen. Allerdings ist das Tal schon beeindruckend.

Nach Spitak wählen wir die Straße durch die Berge Richtung Erivan, lassen die letzten Häuser hinter uns und staunen über die Weite der Landschaft. Noch vor dem Pass rütteln wir uns langsam seitlich in die Felder, passieren eine Schafsfarm und kommen im gelben Acker zum Stehen. Gargo und Gagane gehört dieses Land, 350 Schafe, zig Kühe, Schweine, Hühner und Hunde. Herzensgute Menschen in unserem Alter, und wir sitzen kurzerhand mittendrin in ihrem Heim, in der Einfachheit neben dem Ofen. Irgendwie verständigen wir uns gut. Dem Übersetzer auf dem Handy sei Dank und weil wohl die Wellenlänge stimmt. Als Kuhleber, gedörrt auf der rostigen Ofenplatte angeboten wird, muss ich mal eben zum Womabt eilen, etwas Dringendes erledigen….

Bestückt mit einem Kohlkopf und anderem Gemüse, Käse und Honig inklusive Bienenleichen verabschieden wir uns am nächsten Morgen.

Der Nebel lichtet sich gerade als wir los fahren:

Man fährt hier etliche Kilometer auf plus, minus 2000 Metern Höhe die Straße entlang auf einer endlosen Hochebene. Die Sonne scheint und die Herbstfarben sind gigantisch.

Eigentlich wollten wir schneller in Erivan sein aber das Wetter ist zu schön, als hier vorbeizufahren: Am Aragats, dem höchsten Gipfel Armeniens. Also entschließen wir uns doch für einen Abstecher in die Berge. Obwohl Achim schon murrt beim morgendlichen Blick auf das Thermometer und beim Griff zur Daunenjacke. Pepe zittert sowieso wenn die Temperaturen nur unter 20 Grad sinken. Aber trotzdem. Der Berg ruft!

Eine wohl von Erdbeben gepeinigte Straße führt Richtung Amberd. Spontane Krater und Löcher vom Feinsten, da klappert das Gebiss!

„Aaaaachtung“ und wir hüpfen alle wieder in die Höhe weil Achim gerade seitlich aus dem Fenster guckt: Der türkische Ararat, über 5000 Höhenmeter hoch, zeigt seine Spitze über dem Nebel. Ein toller Anblick.

Und wenn wir schon mal hier sind, dann auch bis ganz oben. Der  Aragats, klingt ähnlich, ist ebenfalls vulkanischen Ursprungs und ist mit über 4000 Höhenmetern auch beachtlich. Hier soll man am Lake Kari schön stehen und starten können für etliche Wanderungen.
Wir stellen uns einen Bergsee vor mit lieblichen Berghütten, kommen um die Ecke und sind erst einmal betrübt: Das sieht eher aus wie die Funkstation der russischen Armee oder was Ähnliches. Meine Freunde, die Strommasten sind auch da.

Man soll nicht zu früh jammern. Wir fragen nach. Mit „Maschine“ kein Problem und wir rattern den Berg weiter hinauf: Guten Weg und Platz gefunden. Unser bisher höchst gelegener Stellplatz. Auf 3400 Höhenmetern stehen wir und die Sonne lacht. Unsere fünf Freunde aus der Box wären hier sicher noch weiter nach oben gefahren.. 😉

Achims erste Aktion: Die Drohne auspacken.

Beinahe wäre unsere Exkursion auf den Aragats geplatzt. Achim leidet unter Höhenkrankheit. Es saust im Kopf, an Schlaf nicht zu denken. Man wartet auf Besserung der Qualen im Liegestuhl und schickt uns andere dann doch da hinauf auf den Gipfel.

Also schleichen wir los, ganz langsam. Man holt hier schon mehr Luft als sonst. Gizmo zeigt nach den ersten Serpentinen seine typische Unschlüssigkeit mit dem Blick zurück: „Soll ich da mit oder nicht?“

Ich zeige ihm die Optionen auf und lasse ihm freie Wahl. Runter zum Höhenkranken oder mit auf den Berg. Die Entscheidung fällt auf Letzteres und dann ist er aber auch Erster da oben.

Die Keuch-Qualen haben sich gelohnt. Mit einem gigantischen Ausblick auch auf den Ararat sitzen unsere Hunde das erste mal in ihrem Leben auf 4000 Höhenmetern. Ohne Keuchen aber natürlich mit Fleece unter dem Haupt:

Wieder abwärts:

In Erivan gibt es Dinge zu erledigen. Unter anderem holen wir unser Canet de Passage ab, welches mit der Express-Post hier ankam und lassen die Hundegesundheit checken. Blutabnahme beim Tierarzt. Ich halte mich da mal ganz raus aus dem Geschehen und schlendere mit Gizmo vor die Tür als Pepe zur Ader gelassen werden soll. Achim übernimmt den Zangengriff und siehe da: Das Prozedere geht auch ohne Geschrei und Entleerung der Analdrüsen! Könnte die Panik vielleicht an mir liegen?
Wie auch immer: Die Hunde erfreuen sich bester Laborwerte.

Von Erivan aus weiterRichtung Osten getuckert durch die typische, herrliche Landschaft:

Und dann erreichen wir auf mehrfaches Anraten diesen paradiesischen Platz: 3 Gs Camping kurz vor der legendären Klosteranlage Geghard. Sandra und Marty aus Holland haben das hier aufgebaut:

Alles, was das Herz begehrt: Von der Waschmaschine bis zum Pool. Fast wären wir da sogar hinein gesprungen, so gut meint es das Wetter mit uns. Goldener Oktober und wir laufen barfuß.

Dieser Ort lädt ein zum Seele baumeln lassen. In jeder Ecke und jedem Detail steckt ganz viel Liebe drin. Und dazu kommt die herzliche Art der beiden Holländer. Man fühlt sich sau wohl.

Die Saison naht dem Ende, viel ist nicht mehr los. Dennoch treffen hier mehrere Reisende ein weil dieser Ort wohl einen besonderen Ruf hat. Wir erfahren viel vom Iran, da die Meisten von dort kommen.

Am Geghard Kloster ist mal wieder ein Drohnenverlust zu verzeichnen. Allerdings nur temporär, das Flugobjekt hat sich eigenständig in ein Buschwerk zurückgezogen, welches zu erklimmen ist. Allerdings unter schwersten Bedingungen und dem Verbrauch einer weiteren Packung Pflaster.

Weiter geht unsere Reise Richtung Süden. Das bekannte Kloster Khor Virap liegt auf der Strecke, ganz nahe an der türkischen Grenzlinie.

Für die Armenier ist dieses Kloster ein ganz besonderes. Aufgrund einer Legende und eines Berges: Imposant ragt doch der geliebte Ararat, den man ihnen geklaut hat hinter dem Kloster in die Höhe. Eine der beliebtesten Ablichtungen zeigt das Kloster im Vordergrund und den Riesenberg mit weißer Kuppe strahlend dahinter.
So ein Foto sei uns nicht beschert. Wir erkennen keinen Berg. Es kommt selten vor, aber heute haben wir schlechte Sicht. Alles ist wolkenverhangen.

Aber zum Kloster und um das Kloster herum wird geschlendert:

Der Legende zufolge saß hier unten, tief in einem Verlies der arme Gregor und wurde dort von König Trdat gefangen gehalten. Das war 288 n. Chr.
Gregor der Erleuchter war nicht vom christlichen Glauben abzubringen und deshalb saß er nun da unten für ganze 13 Jahre, so sagt man. Da der böse König von dem Eingekerkerten schließlich von einer entstellenden Hautkrankheit geheilt wurde fand er das dann doch gut mit dem Christentum. Und so kam Armenien als erstes Volk der Geschichte zum Christentum als Staatsreligion. So sagt man!

Da geht es runter zum Verlies:

Viel Licht hatte er nicht, der arme Gregor:

Es geht weiter am nächsten Morgen. Wir verabschieden uns von unseren Übernachtungsnachbarn, zwei jungen Russen, die schon überall auf der Welt waren:

Hatten wir doch am Morgen gehofft, das legendäre Foto machen zu können, ziehen wir von dannen und lassen den wolkenverhangenen Ararat hinter uns.

So oder ähnlich hätte es aussehen können 🙂

 Der Platz, an dem wir am Nachmittag landen gehört zu den wichtigsten Touristenattraktionen Armeniens. Das Kloster Norawank. Das haben wir natürlich nicht gewusst sondern fahren wie meistens einfach mal ab in ein Seitental. Auch weil eine neue App (Outdooractive) auf dem Handy eine tolle Wanderung dort verspricht. Die Straße durch das Tal ist schon atemberaubend.

Achim entlässt seine Gefährten auf halbem Weg zum Kloster und wir drei machen uns auf den Weg.

Man beginnt, wie auch schon in Georgien, Wanderwege zu markieren und die Touristen mit Informationstafeln zu bescheren. Auf der Hochebene stehen wir vor der Erklärung diverser Tierspuren.
Für die Zukunft, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat, studieren wir das Hinweisschild und sind äußerst beeindruckt, von dem, was hier lebt und was wir nicht sehen. Also Ich, die Hunde haben längst die Nase in der Luft.

Das Kloster wird sichtbar und kommt immer näher.

Wir sind uns einig, ein weiterer einzelner Wanderer und ich: Von hier oben aus der Ferne und in der Ruhe wirkt das Kloster, wie es wirken soll. Abgeschiedenheit, innere Einkehr und Stille, das war es doch, warum man hier so baute.

Das Ziel in Sicht und Gizmo gähnt: „Schon wieder so ein Kloster!“

Kurz darauf reihen wir uns ein in die „Besichtiger“…

Wie es der Zufall will, treffen wir hier einen Inder. Avy aus Kalkutta gibt uns Tipps für sein riesiges Land. Aber nur ganz schnell, sein Reisebus trällert zur Rückfahrt…

Die Nacht ist sternenklar, der Vollmond über uns. Wir stehen am Norawank Kloster und schlafen göttlich. „Ihr werdet noch fromm“ schreibt die Mama uns heute aus der alten Heimat 😉

Schade. Wir fahren wohl durch eine gigantische Natur Richtung Süden. Es geht wieder auf über 2000 Höhenmeter durch gelbe Felder, buntes Laub und eine tolle Bergwelt. Ab und zu kann man das erahnen. Es ist grau und regnerisch. Das muss ja auch mal sein auf unserer Reise….
In Shaki angekommen ein Pflichtprogramm unter einer Sonne, die sich traut: Das Erwandern eines Wasserfällchens:

Zum Stehen kommen wir hier, oberhalb dieser Sensation und genießen den Ausblick und die Ruhe:

Wunderbare Streifzüge kann man hier machen durch die Natur. Und tatsächlich sehe ich doch einen joggenden Armenier den Berg hoch keuchen! So was gab es ja noch gar nicht zu Sehen.

Achim verdreht die Augen als wir zurückkommen. „Schon wieder zwei Hunde im Schlepptau! Kannst Du denn nicht mal böse sein?“ Die beiden sind wohl knapp ein halbes Jahr alt. Zum Verlieben! Puhlen sich gegenseitig die Kletten aus dem Fell und beschließen, die Nacht vor unserem Auto zu verbringen. Könnte ja sein, dass man sie doch hinein lässt. Um Mitternacht hören wir sie noch Randalieren auf der Treppe…

Die Jungspunte übergeben wir am nächsten Tag an vorbeikommende Wanderer und bestücken diese mit einer Tüte Hundefutter. Weiter geht’s, zu viert! Wir sind gut in der Zeit, wollen am 1. November die Grenze zum Iran passieren und haben noch sechs Tage Oktober. Also bleiben wir auf einem Berg stehen bei Sissian. Direkt neben dem historischen Ort Zorakarer, einem Gräberfeld aus der Bronzezeit. Die Phantasie der Menschen beflügelt, gibt es auch andere, verschiedene Deutungen dieses Ortes. Eine alte Kultstätte? Prähistorisches Sonnen-, Mond- und Stern- Observatorium? Das armenische Stonehenge…
Zum Observieren ist nicht viel: Ein Regengebiet sucht uns heim.

Am Tag unserer Abfahrt bekommen wir galoppierenden Besuch. Die einheimischen Menschen beherrschen den Gaul wie der Germane das Automobil. „Hier ist was los“ denken sich einige Besucher, verlassen die Touristenattraktion, gesellen sich dazu und man versammelt sich um unser Rollhaus. Wir sind wohl interessanter als Steine!

Jetzt ist es direkt über uns: Das Tiefdruckgebiet. Es regnet in Strömen und wir tuckern Richtung Goris. Einmal zumindest muss man in jedem Land Essen gehen. So sitzen wir gemütlich in einem uns empfohlenen Restaurant, schlemmen fürstlich und kommunizieren „Schötti-typisch“:
Zum berühmten Tatev Kloster oder nicht? Alle sagen, wir müssen da hin. Muss man da hin, wenn alle es sagen? Schön sieht es schon aus auf Bildern. Aber noch ein Kloster? Achim will mit der Seilbahn hoch, ich möchte laufen. Zu weit hin und zurück, Hunde werden sicherlich nicht in die Seilbahn dürfen. Elend viele Serpentinen da hoch. Alles mit dem Wombat? So geht die Diskussion hin und her bis der Kaffee kommt nach dem Essen.

Letztendlich und kurzentschlossen entscheiden wir uns gegen das Kloster und fahren auf die andere Seite von Goris nach Khndzoresk.

Hier haben vor kurzem, also vor 1980, noch Menschen gelebt. Höhlen wurden als Wohnstätten angelegt und man lebte da zwischen den Felsformationen. Das sah damals so aus:

Eine bombastische Hängebrücke führt über den Canyon hinüber zu der verlassenen Höhlensiedlung:

Die Sonne lacht wieder, wir gucken auf die „swinging bridge“ und sind heil froh über das Resultat unserer Diskussion. Es ist beeindruckend hier.

Wir testen den Mut und die Entschlossenheit unserer Hunde:

Bei strahlendem Sonnenschein tuckern wir Richtung Süden weiter. Wie der Hängebrückentest ausgegangen ist, kann sich wohl jeder denken. Na ja, es sind ja auch 160 Meter zu bewältigen über das Tal. Pepe hat es zumindest bis zur Mitte geschafft.

Am Chndsoresk Stausee finden wir einen tollen Platz mit Blick auf den mittlerweile schneebedeckten Kaukasus:

Kaiserwetter auch am nächsten Morgen:

Vor einigen Wochen schon stolpert Achim im schlauen digitalen Lexikon über eine Beschreibung des letzten Passes Richtung Grenze zum Iran. „Dangerous road!“  So höre ich seither fast täglich, dass wir da schleunigst drüber müssten bevor der große Schnee fällt.

Nun fahren wir heute mit bester Laune dort hinauf. Uns begleitet das beste Wetter, das man sich vorstellen kann. Achim lässt alte Hits aus den 80-ern ertönen und wir trällern mit: „Words don’t come easy to me….“ „Ho ho, yeah yeah, I miss you more than I can say..“ Dank Schlaglöcher der beste Schmalz-Gesang mit Vibrato!
Dangerous ist hier aber nichts. Nur schön. Besonders der Pass.

Kupfer Abbau kurz vor dem Pass:

Es geht runter von da oben auf der „dangerous road“. Wie immer stört Achims Navigationstante doch sehr: Vor jeder Serpentine ermahnt sie uns: „In 350 Metern nach rechts abbiegen – In 350 Metern nach links abbiegen – In 350 Metern nach rechts abbiegen…“
Auf dieser Seite der Berge können wir uns vorstellen, dass es hier mal „dangerous“ war. Als hier die Straße noch nicht verbreitert und frisch asphaltiert war. Das, worüber wir rollen, muss vor kurzem erst fertig gebaut worden sein.

In Meghri kurz vor der Grenze „verkloppen“ wir unsere letzten armenischen Dram.
Am Abend stehen wir hier:

Den Blick auf die Berge im Iran.
Hier kontrolliere ich meine Garderobe auf Iran-Freundlichkeit. Ich räume alles Untaugliche in die Staukisten auf dem Dach und mein Kleiderschrank ist fast leer. Fast Nichts reicht über den Po….. Bis zum Bazar in Tabriz muss mein einziges weißes Kleidungsstück herhalten:

Morgen geht es in Agarak, ganz im Süden Armeniens über die Grenze in den Iran. Wir freuen uns drauf. Ist es doch das Land, von dem wirklich jeder Globetrotter schwärmt.
Im Gepäck haben wir kiloweise reife Granatäpfel, Trauben und getrocknete Feigen. Geschenke von stolzen Garten- und Plantagenbesitzern.

Was fällt uns ein zu Armenien? Wie schon Georgien: Grandiose Natur, der Kaukasus ist bisher unser Lieblingsgebirge, tolle Kultur, man kann hier zum Kloster-Fan werden, glückliche Kühe und Schweine, kulinarische Genüsse (trotz weiter Entfernung zu meiner Ernährungsauffassung), nette Menschen, Autobastler,…… Es hat uns gefallen!
Trotz klapperndem Gebiss auf so mancher Schlagloch-Straße.

Über Kutaissi nach Armenien

30. September 2018.
Svanetien hinter uns gelassen über Kutaissi und Tiflis Richtung Armenien:

Am Ende des Monats September kommen wir in der zweitgrößten Stadt Georgiens an: Kutaissi. Über 2000 Höhenmeter runter von Ursprünglichkeit des Kaukasus und unwegsamem Gelände mit Übergang zu Asphaltstraßen und schließlich wieder die Zivilisation um uns herum. Da ist das ungewohnte Geräusch eines Rasentrimmers. Und die Möglichkeit, den Kühlschrank wieder aufzufüllen. Und das zu Preisen, welche nicht exorbitant hoch sind wie da oben in Svanetien.

Unterhalb der berühmten Bagrati Kirche ein kleiner Parkplatz, auf dem wir übernachten. Die Ursprünge der Kirche reichen bis ins 11. Jahrhundert. Die Osmanen machten aus dem Prachtwerk einen Trümmerhaufen aber die Rekonstruktion ist wirklich gelungen. Seit 2012 steht sie also wieder so da:

Ein Besuch auf dem Bazar. Hier zum Schuster zu gehen ist ein Erlebnis:


Das Gelati Kloster liegt nur ein paar Kilometer entfernt in den Bergen. Zunächst stehen wir unten im Tal am Fluss und wollen das Kloster „erpilgern“ über den Pfad nach oben. Der ist dann doch steiler als erwartet. Absolutes Unverständnis von Seiten der männlichen Fraktion. Achim flucht, Gizmo und Pepe setzen sich einfach hin. „So etwas machen doch nur Bekloppte..“, „Wie blöde muss man denn sein“…..

Wir kommen dann aber doch irgendwie an am Kloster, Achim heiser. Dort die schönsten Stellplätze und einige Reisekollegen. Nein, Pilgern ist nichts für meinen Mann und als wir dann schließlich doch am Abend mit dem Wombat hier oben stehen ist er wieder zufrieden:

Am sonnigen Morgen zur Besichtigung:

Gelati hat nichts mit Eis zu tun. Der Name ist vom griechischen Wort Genati („Geburt“) abgeleitet. Als Kloster und später Bischofssitz der Orthodoxen Kirche eines der bedeutendsten Werke der georgischen Kunst. Zum Kloster gehört eine Akademie und zehn Meter neben unserem Stellplatz  sind die bedeutendsten Könige und Königinnen Georgiens begraben. Wohl gute Seelen, wir haben prima geschlafen.

Nicht nur von außen beeindruckend. Auch das Innenleben mit den Wandmalereien lässt uns staunen:

Richtung Osten geht es weiter. Unser nächstes Ziel: Ein kleiner See bei Khashuri. Eine Empfehlung. Die Straße von Kutaissi nach Tiblis zwar eine Hauptstraße aber mit Kühen bestückt, schön grün am Fluss entlang durch kleine Dörfer. Am Straßenrand die bunten Verkaufsstände. Honig, Wein, gegrillte Maiskolben, Hängematten und unzählige Ton-Töpfe.

Der Georgier kennt Germania. „Da Auto gekauft. Ganz billig!“ bekommen wir oft zu hören. Böse Zungen behaupten, dass 80 Prozent aller Auto auf den Straßen hier aus Deutschland kommen. So sieht man hier Transporter mit der unterschiedlichsten Werbung: „Rohrreinigung, Sanitär- und Heizungsinstallation Wittelburger“, „Direktverkauf Kies – Sand – Mutterboden“ oder „Aufstellung aller Spiel- und Unterhaltungsautomaten“. Ich beobachte all die Schriftzüge und denke an die nächste Dieselauto-Generation aus Deutschland für die Georgier. Man scheint momentan ordentlich daran zu arbeiten. Es pufft aus den Abgasrohren und die Erde dreht sich weiter um ihre Achse …

Lauthals muss ich für Stillstand sorgen: „Stooooooop! Pfifferlinge!!“
Was eine Wonne später am See: Unser Festmahl!

So sieht es hier oben aus:

Da wir eine putzige Hängebrücke großzügig umfahren mussten und der Umweg über ausgefahrene Trecker-Pfade mühsam und lang war, fragen wir uns, ob sich das wirklich gelohnt hat. Aber wir genießen einfach die Ruhe dort oben in der Sonne und Stille, bevor uns Tiflis einnimmt.
Oben auf dem Kamm wird eine kleine Kapelle gebaut. Dort leben ein paar Mönche mit Kühen, Schafen und Stallhasen. Wir unterhalten uns lange, also mit einem der Mönche, sogar auf Deutsch. Gizmo guckt fern derweilen. Ein Belgischer Riese ist auf dem Programm.

Es ist Sonntag und eine kleine Gruppe junger Menschen leistet uns Gesellschaft hier am See. Die Großzügigkeit der feiernden Georgier bei Barbecue und ganz viel Schnaps wird mit zunehmendem Zuprosten unermesslich. Wir haben mal wieder für fünf Minuten nicht aufgepasst auf unsere so leidvoll hungernden Hunde. Die beiden sind am kommenden Tag zu nichts zu gebrauchen. Pepe kann besonders erbärmlich aus der Wäsche gucken wenn es im Gedärm rumpelt. Gizmo lümmelt dauerhaft im Gras herum und kaut auf Selbigem. Man kann förmlich die Sprechblasen über ihnen schweben sehen: „Mir ist so schlecht.“ „Mir auch!“

Das jammervolle Bild am Morgen:



Nach Tiflis also geht es nun. Ich gucke rechts aus dem Fenster auf die Berge und bin schon ein wenig traurig. Wir hatten uns ja so viel vorgenommen hier in Georgien. Gar nicht auf der Schnellstraße in die Hauptstadt düsen, sondern südlich davon durch den kleinen Kaukasus trudeln. Und nach Kazbegi wollten wir auch. Und in Tiflis länger bleiben. Und der Süd-Osten…

Irgendwann der seltene Blick auf einen Kalender und die Ernüchterung, dass unser Programm zeitlich wohl nicht hin haut. Von Armenien nach Georgien nämlich müssen wir über einen hohen Pass. Schnee kann da schon fallen im November ….
Also: Ein andermal wiederkommen und Weitermachen hier in Georgien!

Auf Tiflis freuen wir uns. Kontrastprogramm zu Kuhfladen und Wehrtürmen.
Erster Anlauf: Die iranische Botschaft. Unsere Visa beantragen. Ratz Fatz geht das. Das, was dauert ist der Besuch bei der Bank für die Einzahlung der Gebühren. Man zieht eine Nummer und als Achim dran ist, ist seine Nummer weg, er muss eine neue Nummer ziehen und vor ihm wieder zehn neue Nummern….

Also erst einmal wieder raus aus der turbulenten Stadt und einen Stellplatz aufsuchen. Der Campingplatz am Tifliser See wurde uns empfohlen. Die Waschmaschine lockt.
Die traumhafte Vorstellung eines Platzes mit Blick auf den See und dem meditativen Drehen einer Waschtrommel weicht mal wieder drastisch von der Realität ab: Da ist nichts (mehr)! Wir suchen vergeblich und erahnen nur mit Wohlwollen, was hier Campingareal gewesen sein soll.

Also frei Stehen, was an diesem See auch wunderbar geht:

Nur zur Altstadt ist es ein Stückchen zu fahren. Mit Taxi aber kein Problem.
In Kutaissi schon haben wir ihn kennen gelernt: Pascha. Er ist ein sehr netter, knuffiger Taxifahrer und hat sich angeboten für all die Besorgungen in Tiflis als Mann mit Durchblick und Ortskenntnis. Die beiden Männer machen sich auf und haben wohl richtig Spaß zusammen.

In der super modernen Hautarztpraxis wegen Achims „Nasenfraß“. Dieser entpuppt sich als Vorstufe von Hautkrebs. Ernte des Outdoor-Lebens.

Das Riechorgan bleibt dem Achim erhalten Dank fürsorglicher Vereisung durch eine dieser Damen. 😉

Pascha hat einen Tipp parat: Oben am Fernsehturm auf dem Berg Mtazminda das Wombat zu parken. Mit grandioser Aussicht auf ganz Tiflis, im Grünen auch für die Hunde perfekt und das Beste: Mit der Bergbahn hier nebenan mal eben direkt in die Altstadt runtergezischt.
Da stehen wir nun und gucken von unserer Aussichtsplattform runter auf die beleuchtete Großstadt. Die leuchtende Sameba Kathedrale mittendrin. Die größte Kirche Transkaukasiens. Hinter uns der angestrahlte Fernsehturm. Das hat was!

Dann aber kommt die Nacht: Unser Traumplatz entpuppt sich als Treffpunkt für röhrende Auspuffe und als Outdoor-Disco der Jugend. Mit aufheulendem Motor kommt man an, Türen auf, Musik auf volle Lautstärke und auf dem Kofferraum wird die Bar ausgebreitet. Und das bis morgens um Fünf.

Zum Nachholen von Schlaf landen wir schließlich hier:

Die Örtlichkeit befindet sich über dem botanischen Garten auf der gegenüberliegenden Seite der Nariqala Festung. Wir stehen ruhig neben dem kleinen Kloster, einen tollen Blick auf die ganze Stadt und die Altstadt erreicht man über einen Fußweg in zehn Minuten. Perfekt!

Abwärts geht es Richtung Altstadt:

Es gefällt uns hier.
Nur am Eingang zum Botanischen Garten behandelt man uns einmal wieder wie die größten Schwerverbrecher. Ein Entgegentreten und Aufhalten, als ob wir eine Bombe mit uns führen würden. Dabei sind es nur unsere zwei Hunde!!

Macht nichts! Es gibt genug anderes zu sehen:

Hoch zur Nariqala Festung:

Vor der Abreise tun wir uns das dann doch an: Mit dem Wombat zum Basar. Die Parkplatzsuche gestaltet sich genauso lang wie der Besuch durch die Katakomben voller Kappen, Schuhe, Socken und Unterhosen…


Als letztes Ziel unseres Georgien-Besuchs suchen wir uns das Höhlenkloster Gareji aus. Die abgespeckte Version von der Erkundung des Süd-Ostens von Georgien. Geplant war eigentlich der Vashlovani Nationalpark im aller letzten Zipfel. Aber, wie schon erwähnt: Die Zeit und der Pass über die Berge zum Iran! Und außerdem überfällt uns ein leichtes Prickeln beim Begriff „Nationalpark“. Ums Verrecken ist nicht herauszufinden, ob man uns mit den Tierchen Einlass gewähren würde.

Also entschließen wir uns für eine kurze Offroad-Route zum Höhlenkloster und sind total positiv überrascht. Durch die potthässliche Großstadt Rustavi muss man schon durch und fragt sich, ob das wohl nicht ein Fehler war mit der Route. Aber wenn man Hochhäuser, Schlaglöcher so groß und tief wie Wachbecken und stinkende Industrie hinter sich gelassen hat wird es wirklich traumhaft.

Eine gut zu fahrende Schotterpiste durch Steppen-Wüsten Mix mit irren Farben und einer endlosen Weite:

Am Höhlenkloster angekommen: Überschaubarer Tourismus.

Da gab es im 6. Jahrhundert einen Prediger namens David. Der war stink sauer auf die Bewohner von Tiflis weil die ihn verleumdet hatten. Zu Unrecht hängte man ihm eine Vaterschaft an. Und da zog er von dannen in die Stille der Wüste, dorthin, wo wir hier nun stehen.  Und gründete das Höhlenkloster Gareji. Viele Menschen zog es dort hin im Laufe der Geschichte. Oft wurde dieser Ort zerstört, auch von Erdbeben. Und zuletzt von den Erschütterungen und dem Geballer um die Höhlen herum. Hier befand sich nämlich der Truppenübungsplatz der Sowjet-Armee. Man übte den Krieg gegen Afghanistan. Wo sonst, wenn nicht hier in dieser wüstenähnlichen Gegend.

Nach der Unabhängigkeit Georgiens wurde das Areal wiederbelebt. Auch Mönche wohnen hier wieder.

Das, was am meisten beeindruckt: Eine Wanderroute hinter dem Kloster hinauf zum Grad mit dem Blick auf Aserbaidschan und die vielen Höhlen am Berghang. „Zum Niederknien“ beschreibt eine deutsche Touristin diese Gegend.

Hier verbringen wir eine Nacht und auch am folgenden Tag lassen wir die Stimmung auf uns wirken. Ob es am diesigen Licht oder an unseren fotografischen Fähigkeiten liegt: Kein Foto kommt an die Realität heran. Nur die Drohne kriegt es einigermaßen hin 😉

Unten auf dem See erspähen wir ein Tretboot:
Heimweh!!!

Naja, nicht mehr das Neueste. Gizmo:“Ich fahr‘ da eh nicht mit“.

Im Andenken an die alte Heimat eine Bootsfahrt?
Gestaltet sich als schwierig. Kette eingerostet, Ruder defekt aber mit vereinten Kräften treten sich die Schöttis zum gegenüberliegenden Ufer. Während die Hunde wegen Verlsutangst jämmerlich jaulen schaffen wir es irgendwann irgendwie irgendwo ans Ufer, wo man uns begrüßt als wären wir auferstanden.

Wie so oft bekommen wir am frühen Morgen Besuch:

Auf geht’s Richtung Armenien. Zwei Wochen möchten wir uns für dieses Land doch nehmen. Wir wählen den Grenzübergang ganz im Osten bei Bagratashen. Dann durchfahren wir nämlich gleich das Debed Tal mit seinen Klöstern auf der Armenischen Seite.

Georgien war toll! Wir sind begeistert und müssen in jedem Falle wieder kommen. Wir haben längst nicht alles gesehen!

Was verbinden wir mit Georgien?
Eine grandiose Natur, glückliche Kühe und Schweine, die Gastfreudschaft und tausend Einladungen zum Schnaps, eine tolle Kultur und ein Wein, der mich umhaut. Und der Geschmack von Trauben und Äpfel, die sich jeglicher Genmanipulation entzogen haben…

Und das ist es, was Achim umhaut: Diese unbeschreiblich leckeren Teigtaschen, -fladen, -ecken mit den unterschiedlichsten Namen weil unterschiedlichste Füllungen. Meist mit Käse. Wohl dem, der so etwas verträgt…
In unserem Wombat gab es nur einen Glücklichen. Alle anderen forderten den Gaswarner.